Stopline Jahresbericht 2017: Der Dreck kommt aus den USA und der EU

Stopline, die von den österreichischen Internet-Providern gegründete Meldestelle gegen Kinderpornografie und gegen NS- Wiederbetätigung, hat dieser Tage ihren Jahresbericht für das Jahr 2017 veröffentlicht. Gegenüber 2016 haben die Meldungen massiv, nämlich um 60 Prozent zugenommen, wobei der Zuwachs fast ausschließlich auf die Kinderpornografie zurückzuführen ist. Eine Erklärung für den starken Anstieg liefert der Bericht nicht.

Was soll auf den wenigen Seiten des Jahresberichts auch schon ausgesagt werden können? Nach Abzug von Deckblatt, Rückseite, Inhaltsangabe und einer Seite, auf der die Betreiber und Partner von stopline.at vorgestellt werden, bleiben vier Seiten für den eigentlichen Bericht. Das ist völlig unbefriedigend, weil die tausenden Meldungen (2017: 8.333 gegenüber 4.980 für 2.016), die Stopline jedes Jahr – seit mittlerweile 20 Jahren – erhält, ja auch die Aneignung von Wissen und Kompetenz mit sich bringen müssten. Wenn sie bei Stopline vorhanden ist – was wir nicht bezweifeln –, dann wird sie jedenfalls gekonnt verschwiegen.

Auf den vier Seiten des eigentlichen Berichts werden nicht einmal Vergleichszahlen mit dem Vorjahr angeboten. Damit wird der Bericht auch jenseits der unbehandelten Frage zum exorbitanten Anstieg der Meldungen insgesamt ziemlich uninteressant. Beispiele? Stopline veröffentlicht jedes Jahr auch Zahlen über die Ursprungsländer der Meldungen, aber eine Vergleichbarkeit der Zahlen oder gar eine Interpretation über die Jahre hinweg ist faktisch nicht möglich. Seit Jahren führen die USA mit gewaltigem Abstand die Statistik der Länder an, über deren Provider Kinderpornografie und NS-Wiederbetätigung gehostet wird (2017: 57 %, 2016: 69%). Früher folgte regelmäßig Russland am zweiten Platz, aber deutlich abgeschlagen. Mittlerweile läuft Russland unter ferner liefen bei den Meldungen (3 Prozent 2017). Am zweiten Platz lagen 2017 die Niederlande „stabil“ mit 12 Prozent (2016 ebenfalls 12 %). Am dritten Platz folgt Rumänien mit 11 Prozent, das 2016 noch gar nicht in der Statistik aufscheint.

Da hätte man doch gerne etwas mehr darüber erfahren, wie sich Stopline diese Veränderungen erklärt – auch durch Zahlen aus Partnerländern. Außerdem sollte ja das heftige Problem, dass sowohl die Kinderpornografie als auch der braune Dreck mittlerweile fast ausschließlich über Provider der USA und der EU verbreitet werden, irgendwie zu Konsequenzen führen.

Das alles wird im Jahresbericht von Stopline leider nicht angesprochen. In den vergangenen Jahren haben wir schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass es dem Bericht auch gut anstünde, das Bewertungssystem für die eingelangten Meldungen etwas transparenter zu machen. Von den 8.333 Meldungen 2017 bewertet Stopline 1.822 als zutreffend. Nach welchen Kriterien? Schon allein Beispiele könnten helfen, die Meldequalität zu verbessern. Oder gibt es ein Feedbacksystem? Auch darüber schweigt sich der Bericht aus.

Uns bleibt nur noch übrig, die dürren Zahlen, die NS-Wiederbetätigung betreffen, hier wiederzugeben. Von den 1.822 Meldungen, die Stopline für 2017 als zutreffend klassifizierte, betrafen 1.759 Kinderpornografie (2016: 644) und 63 NS-Wiederbetätigung (2016: 57). Das würde rein statistisch einen Anstieg von rund 10 Prozent bei laut Stopline zutreffenden Meldungen für Wiederbetätigung ergeben, aber erstens ist der Sample zu gering und zweitens ist der gefühlte und tatsächliche Anstieg bei Wiederbetätigung und anderen Formen der NS-Verherrlichung und Verhetzung (die Stopline nicht erfasst) um einiges höher – da sind wir uns sicher!

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