Wien: Hitler statt Halloween

Am Abend des 31. Oktober hatte der Angeklagte, ein Pensionist, völlig durchgedreht, als Kinder die sich wegen Halloween verkleidet und von ihm an der Tür Süßigkeiten verlangt haben. Die Kinder bedrohte der 61-Jährige mit einem Stock, einen begleitenden Erwachsenen verprügelte er und in der Folge brüllte er so lange „Heil Hitler“, bis er festgenommen wurde. Am Montag, 3.7., musste er sich deshalb wegen Wiederbetätigung vor dem Landesgericht Wien verantworten.

Wegen des Handgemenges mit dem erwachsenen Begleiter der Kinder, der ihn wegen seiner Drohungen gegen die Kinder zur Rede stellen wollte, war er schon in einem Verfahren beim Bezirksgericht zu sieben Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Die dürften den Angeklagten nicht unbedingt schockiert haben, denn immerhin hat er schon 19 Vorstrafen hinter sich.

<em>Verfahren im Landesgericht für Strafsachen Wien - Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Landesgericht_f%C3%BCr_Strafsachen_Wien_2015_1.jpg">Wikipedia</a>/<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Landesgericht_f%C3%BCr_Strafsachen_Wien_2015_1.jpg">Dnalor 01</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en">Creative Commons 3.0</a>.</em>

Verfahren im Landesgericht für Strafsachen Wien – Bildquelle: Wikipedia/Dnalor 01, Creative Commons 3.0.

Jetzt wurde über seine Nazi-Sprüche verhandelt. Seine Drohung gegen die Kinder „I schlog eich glei den Schädl ein“, untermalt durch den gegen die Kinder erhobenen Stock, wurde anscheinend nicht angeklagt.

Der Angeklagte, der von sich behauptet, seit 30 Jahren eingetragenes SPÖ-Mitglied zu sein, hat bei dem Vorfall nicht nur gedroht und die Kinder und deren erwachsene Begleitung als „Gsindl“ beschimpft, sondern auch den FPÖ-Parteichef beschworen „Der HC Strache wird’s schon richten“. Der richtete aber gar nix und der Angeklagte bestritt die Aussagen der Zeugen, darunter eine Polizistin.

Stattdessen bietet er eine andere Erklärung an. Er sei Opfer einer Verschwörung, die von einem Salzburger Verfassungsschützer ausgehe, der ihn seit Jahren verfolge. Der hasse ihn sowie alle Wiener wie die Pest. Zur Ladung weiterer Zeugen wird auf den 14. September vertagt.

Quelle: derstandard.at, 3.7.2017