Neonazis auf der Flucht

462 Recht­sex­treme sind in Deutsch­land mit Stand vom März 2017 auf der Flucht. Das ergab die Antwort auf eine par­la­men­tarische Anfrage von Ulla Jelp­ke (Die Linke). Unter den 462 sind 104 Per­so­n­en, die wegen Gewalt­de­lik­ten gesucht wer­den, 106 wegen poli­tisch motiviert­er Delik­te. Zur let­zteren Kat­e­gorie zählt der Neon­azi Horst Mahler, der derzeit in Ungarn auf seine Aus­liefer­ung an die BRD wartet. Ungarn als Fluchtort ist sehr beliebt, aber auch Österreich.

Fast 100 der deutschen Recht­sex­tremen, die sich durch Flucht der Haft entziehen, sind schon seit 2015 oder länger auf der Flucht, haben „also einen sicheren Unter­schlupf gefun­den“ (Tele­po­lis). In der Ver­gan­gen­heit war für einige von ihnen Öster­re­ich das Wun­schziel: fehlende Sprach­bar­ri­eren und Anschlussmöglichkeit­en an die Szene vor Ort sowie eine manch­mal ein­ladende Unbeküm­mertheit der Behör­den boten nahezu ide­ale Voraus­set­zun­gen für einen län­geren störungs­freien Aufen­thalt. Bei der Neon­azi-Truppe „Objekt 21″ haben einige Neon­azis der “Kam­er­ad­schaft Jonastal“ mit unklarem Sta­tus als Gas­tar­beit­er ange­dockt. 2013 wurde der wegen ein­er bru­tal­en Messer­stecherei gesuchte Neon­azi Markus W. aus Cot­tbus in Grödig bei Salzburg verhaftet.

So fahndete man - mit reichlich Verzögerung - seitens des deutschen BKA irgendwann gegen die Neonazis vom NSU - Bildquelle:  BKA.de (www.endstation-rechts.de)

So fah­n­dete man — mit reich­lich Verzögerung — seit­ens des deutschen BKA irgend­wann gegen die Neon­azis vom NSU — Bildquelle: BKA.de (www.endstation-rechts.de)

In den let­zten Jahren hat sich Ungarn zum all­seits beliebten Fluchtort für Neon­azis und Recht­sex­treme aller Schat­tierun­gen gemausert. Das poli­tis­che Kli­ma dürfte für sie dort sehr ein­ladend sein:

„Infolge des Wirkens des recht­spop­ulis­tis­chen Regierungschefs Vik­tor Orbán ist Ungarn zu einem Tum­melplatz von inter­na­tionalen Recht­sex­trem­is­ten gewor­den. Fig­uren aus der amerikanis­chen Alt-Right-Szene geben sich hier eben­so ein Stelldichein wie britis­che Ras­sis­ten oder ein­schlägige schwedis­che Aktivis­ten“. (Der Stan­dard, 1.6.2017)

Der öster­re­ichis­che Neon­azi Gerd Hon­sik ist zwar nicht aktuell auf der Flucht, nach­dem ihm die öster­re­ichis­che Jus­tiz die restliche Haft 2011 erlassen und ihn „wegen sein­er guten Inte­gra­tion“ nach Spanien abgeschoben hat. Seit dem Vor­jahr hat Hon­sik aber in der ungarischen Gren­zs­tadt Sopron eine neue Heim­statt gefun­den, wie der „Stan­dard berichtete“. Von Sopron aus betreibt Hon­sik mit Kam­er­aden aus Öster­re­ich einst­weilen unge­hin­dert weit­er seine Neonazi-Propaganda.

Ob Horst Mahler, der jet­zt auf­grund eines Europäis­chen Haft­be­fehls in die BRD aus­geliefert wer­den soll, bei Hon­sik Unter­schlupf genom­men hat­te, ist nicht klar. Jeden­falls wurde er in Sopron festgenom­men und wartet jet­zt in Budapest auf seine Auslieferung.
Ein ander­er deutsch­er Neon­azi, der Grün­der des Pots­damer Pegi­da-Ablegers Pogi­da, der die Kanaren dem Knast vorziehen wollte, hat seinen Fluchtort durch eigene Blöd­heit verraten:
So flieht man nicht erfol­gre­ich vor den deutschen Strafver­fol­gungs­be­hör­den: In einem Live-Video im sozialen Net­zw­erk Face­book hat der flüchtige Pogi­da-Grün­der Chris­t­ian Müller am gestri­gen Mon­tag seinen aktuellen Aufen­thalt­sort ver­rat­en. Anhand eines Restau­rants mit dem Namen „Restau­rante La Faro­la del Mar“ ist zu erken­nen, dass sich der Inten­sivs­traftäter derzeit auf Fuerteven­tu­ra aufhält – Kanaren statt Knast also“ (Pots­damer Neueste Nachricht­en, 13.6.2017).