Eisenstadt: Ein Jahr für die „88“

Es ist noch gar nicht so lange her, da kon­nte Stra­che ganz unschuldig erk­lären, die „88“ als Neon­azi-Code für „Heil Hitler“ sei ihm völ­lig unbekan­nt. 2014 dann tauchte die „88“ in ein­er Presseaussendung des FPÖ-Abge­ord­neten Deimek zu Israel auf, und jet­zt musste sich ein Wiener in Eisen­stadt wegen ein­er „88“ vor Geschwore­nen ver­ant­worten. Für ihn war die „88“ jeden­falls keine Glück­szahl. Ein­stim­mig (jedoch noch nicht recht­skräftig) verurteil­ten ihn die Geschworenen.

Der Angeklagte, der eigentlich ein Wiener ist, der in Niederöster­re­ich wohnt, stand in Eisen­stadt vor Gericht, weil er seinen Face­book- Ein­trag mit der „88“ am 14. Juli 2016 im Bezirk Neusiedl getätigt hat­te. Damals postete er die Zahl auf der Face­book-Seite der Tageszeitung „Öster­re­ich“ zu dem Beitrag mit dem Titel: „Frauen in Angst vor Gewalt. Schock nach Messer­at­tacke in der Wiener U‑Bahn“.

Nach ein­er Mel­dung bei der NS-Meldestelle des BMI taucht­en die Ermit­tler bei der Frau des Angeklagten auf, weil das Post­ing auf ihrem Com­put­er ver­fasst wor­den war. Während die Frau offen­sichtlich nicht wusste, was ihr Mann da geschrieben hat­te, meldete sich der wenig später mit dem Beken­nt­nis, dass er für die „88“ ver­ant­wortlich ist.

(Symbolbild!) Die "88" steht, als 8.Buchstaben des Alphabets, für "Heil Hitler" und ist ein bekannter Neonazi-Code. Bildquelle: Wikipedia/Prof.lumacorno, frei unter CC 4.0.

(Sym­bol­bild!) Die „88” ste­ht, als 8.Buchstaben des Alpha­bets, für „Heil Hitler” und ist ein bekan­nter Neon­azi-Code. Bildquelle: Wikipedia/Prof.lumacorno, frei unter CC 4.0.

Vor Gericht blieb der Angeklagte schweigsam. Bei der Haus­durch­suchung waren auch keine der son­st üblichen Nazi-Devo­tion­alien gefun­den wur­den. Somit blieben nur die Polizeipro­tokolle und die Befra­gung der Ermit­tler als Indizien. Bei ein­er Befra­gung durch die Polizei hat­te der Mann etwa angegeben, er sei ange­fressen gewe­sen „wegen dieser A.…löcher — ich meine die Migranten, die sich nicht ordentlich ver­hal­ten“ (ORF Bur­gen­land).

Das Ergeb­nis ein ein­stim­miger Schuld­spruch durch die Geschwore­nen und ein Jahr bed­ingte Haft. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Da die Vertre­tung der Staat­san­waltschaft keine Erk­lärung abgab ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.