Ried im Innkreis: Adolf und Helmut meldeten sich nicht

Es mehren sich die Fälle, wo die Verdächti­gen oder Angeklagten behaupten, nicht sie, son­dern unbekan­nte Täter seien in einem unbe­wacht­en Moment über den PC, Lap­top oder das Handy herge­fall­en und hät­ten Nazi-Sprüche abgeson­dert. Ein­er der skur­ril­sten Fälle wurde jet­zt vor dem Lan­des­gericht Ried mit einem Freis­pruch für den Angeklagten abgeschlossen. Wie oft lassen sich Jus­tiz bzw. Geschworene noch der­maßen zum Nar­ren halten?

Im April des Vor­jahres haben wir über den Geschwore­nen­prozess in Ried unter dem Titel „Hel­mut, der Hund, ein Handy mit Hitler und die FPÖ“ berichtet. Hund war kein­er dabei bei dem Vor­fall, in einem Schärdinger Gast­garten im August 2015, der da wegen Wieder­betä­ti­gung angeklagt war. „Hund“ oder auch „Hundling“ wird im Innvier­tel ein Schlit­zohr genan­nt. Und um ein solch­es muss es sich ja wohl gehan­delt haben, das dem Angeklagten in dem Moment, wo der auf die Toi­lette marschierte, dessen Handy vor den Augen der anderen Tis­chkam­er­aden entwen­dete, schnell ein Post­ing mit Hitler-Foto und dem Spruch „Adolf, bitte melde dich, Deutsch­land braucht dich!“ for­mulierte und auf Face­book stellte. So die Erzäh­lung des Angeklagten…

Das "Adolf bitte melde dich, Deutschland braucht dich" ist ein bekanntes Nazi-Sujet, das seit Jahrzehnten verbreitet wird, durch die sozialen Medien umsomehr. (Von uns wurde das Bild etwas verwackelt.)

Das „Adolf bitte melde dich, Deutsch­land braucht dich” ist ein bekan­ntes Nazi-Sujet, das seit Jahrzehn­ten ver­bre­it­et wird — durch die sozialen Medi­en umsomehr. (Von uns wurde das Bild etwas verwackelt.)

Als der Angeklagte damals – nur ver­meintlich erle­ichtert – von der Toi­lette zurück­kehrte, erhielt er ange­blich gle­ich einen Anruf sein­er Schwest­er, die ihn auf Foto und Text hin­wies, woraufhin der Angeklagte, natür­lich ein kreuzbraver Blauer, sofort löschte und den Hel­mut, den „Hund“ zur Rede stellte. Der Hel­mut aber lachte nur und sprach „hunds­ge­mein“ von einem Späßchen.

Warum stand dann aber nicht der Hel­mut vor Gericht, der die Minuten größter Not des Angeklagten so böse aus­genutzt hat? Weil die Runde Schärdinger, die da im Bier­garten am Vor­mit­tag fröh­lich einige Achterl zechte, gut­gläu­big war! So gut­gläu­big gegenüber Frem­den, wie es ihrer poli­tis­chen Gesin­nung eigentlich gar nicht entspricht. Als sich der Hel­mut zu ihnen set­zte, war er ihnen her­zlich willkom­men am Tisch, obwohl er ein völ­lig Unbekan­nter, wenn auch ein­er aus Bay­ern, war.

Als das Hitler-Post­ing durch einen Polizis­ten angezeigt wurde, kon­nte kein­er aus der blauen Runde den Hel­mut beschreiben. In den ersten Tele­fonge­sprächen, die die Schärdinger Polizei mit dem Angeklagten geführt hat­te, war auch nicht vom Hel­mut die Rede, son­dern von einem Fre­und, der das Post­ing abge­set­zt habe. So wie die Staat­san­wältin war auch der Polizist vor Gericht der Mei­n­ung, dass es sich beim Hel­mut um eine Fik­tion, um eine Schutzbe­haup­tung des Angeklagten han­dle. Er sei damals sehr über­rascht gewe­sen, als die Hel­mut-Ver­sion auftauchte.

Immer mehr Ungereimtheit­en und Unglaub­würdigkeit­en tauchen in der Hel­mut-Erzäh­lung auf. Die blaue Runde will erst mit­tags im Gast­garten auf den Hel­mut getrof­fen sein, das Post­ing wurde aber schon am frühen Vor­mit­tag auf die Pin­nwand bei Face­book gestellt. Der Angeklagte will nach etlichen Achterln betrunk­en zu einem Fußball­spiel in einiger Ent­fer­nung von Schärd­ing aufge­brochen sein und Hel­mut bleibt wie vom Erd­bo­den verschluckt.

Schon beim ersten Ver­hand­lungstag im Vor­jahr waren die drei blauen Fre­unde des dop­pel­blauen Angeklagten wegen falsch­er Zeu­ge­naus­sage von der Staat­san­waltschaft angezeigt wor­den. Dies­mal haben sowohl die Schwest­er des Angeklagten als auch deren Fre­undin deut­liche Erin­nerungss­chwächen. Weil der Angeklagte aber bei sein­er Ver­sion vom bösen und unbekan­nten Hel­mut bleibt, weit­et die Staat­san­wältin die Anklage um das Delikt der Ver­leum­dung aus, „weil der Angeklagte gegenüber der Polizei einen ihm bekan­nten Mann wissentlich falsch verdächtigt“ habe (OÖN, 12.4.2017). Der vom Gericht bestellte Gutachter „bringt auch nicht das erhoffte Licht ins müh­same Ver­fahren“ (OÖN).

So bleibt es an den Geschwore­nen die ver­wor­rene Geschichte aufzulösen. Die scheit­ern daran, sprechen ihn mit vier Stim­men schuldig und mit den anderen vier unschuldig. Das bedeutet für den Angeklagten Freis­pruch vom Vor­wurf der Wieder­betä­ti­gung. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.