Krems: Sheriffs, Haftbefehle und ein verhindertes Tribunal

Am 28. Juli 2014 sollte in Hol­len­bach (NÖ) auf einem Bauern­hof eine selb­st­ge­bastelte Gerichtsver­hand­lung von Anhängern des OPPT stat­tfind­en. Dazu wur­den sog­ar ein eigen­er Gericht­shof, der „Inter­na­tion­al Com­mon Law Court of Jus­tice Vien­na“ und Sher­iffs bemüht. Durch mas­siv­en Polizeiein­satz kon­nte damals der „Prozess“ gegen eine Sach­wal­terin ver­hin­dert wer­den. Jet­zt soll­ten sich acht Per­so­n­en deswe­gen vor dem Lan­des­gericht Krems verantworten.

Angeklagt waren die acht Per­so­n­en, darunter zwei Frauen, wegen schw­er­er Nöti­gung, behar­rliche Ver­fol­gung (Stalk­ing) und Amt­san­maßung. Vor dem Gericht erschienen dann allerd­ings nur drei von ihnen – alle nicht Anhänger von OPPT, son­dern der Free­man-Bewe­gung. Was sich damals rund um die selb­st­ge­bastelte Tri­bunal abge­spielt hat, ist kaum ver­ständlich, aber Fakt.

Fans der OPPT und Free­man schwärmten aus um eine Sach­wal­terin und eine Anwältin für ihr eigenes Gerichtsver­fahren „festzunehmen”…

Rund 100 Fans von OPPT, Free­man und andere Reich­side­olo­gen hat­ten sich damals ver­sam­melt, um ein­er Sach­wal­terin den Prozess wegen „Ver­brechen gegen die Men­schheit“ (!) zu machen. Sie war der hoch ver­schulde­ten Besitzerin eines ver­wahrlosten Bauern­hofs zugeteilt wor­den – ein „Ver­brechen gegen die Men­schheit“ in den Augen der Reich­side­olo­gen. Einige Unter­stützerIn­nen schwärmten aus, um bei der Polizei­in­spek­tion in Waidhofen/Thaya Unter­stützung für den selb­st­ge­bastel­ten Haft­be­fehl gegen die Sach­wal­terin und Anwältin einzu­fordern. Weil diese ablehn­ten, schwärmten dann ein Sher­iff mit Hil­f­ssh­er­iffs aus.

Für die Sach­wal­terin war das sehr bedrohlich: „Ich habe gedacht, die brin­gen mich um“, schilderte die Recht­san­wältin als Zeu­g­in, sie habe Tode­sangst gehabt. Im Keller eines Bauern­hofes sei ein Ver­lies für sie vor­bere­it­et wor­den, befürchtete sie eine Ent­führung durch die mut­maßlichen OPPT-Anhänger. (ORF NÖ).

Der jüng­ste der Angeklagten (29), der damals als Hil­f­ssh­er­iff fungierte, dürfte sich am deut­lich­sten von den teil­weise wirren, teil­weise offen recht­sex­tremen Ide­olo­giefet­zen ent­fer­nt haben. „Ich erkenne den öster­re­ichis­chen Staat und die öster­re­ichis­chen Geset­ze an“, zitiert ihn der ORF NÖ.

Beim zweit­en Angeklagten, der vor Gericht erschienen ist, klang das schon anders. Der Wiener Zah­narzt (57), der den „Inter­na­tion­al Com­mon Law Court of Jus­tice Vien­na“ (ICCJV) mit­be­grün­det hat, beze­ich­nete sich als durch die Free­man-Ide­olo­gie „Ver­führten“. An seine Unter­schrift und den Fin­ger­ab­druck auf der Grün­dung­surkunde des ICCJV wollte er sich nicht mehr erin­nern: „Ich stelle das in Abrede“. Und: „Ist das meine Unter­schrift?“ (Die Presse, 16.3.2017).

Phantasien eines Reichsideologen auf Facebook: Brand des deutschen Reichstagsgebäudes...

Phan­tasien eines Reich­side­olo­gen auf Face­book: Brand des deutschen Reichstagsgebäudes…

Der dritte Angeklagte (53) will nicht auf der Anklage­bank Platz nehmen und fragt, ob mit dem Aufruf seines Namens der Men­sch oder die Per­son gemeint sei. Das macht näm­lich in diesen Kreisen einen Riese­nun­ter­schied. Durch einen Fremd­währungskred­it habe er viel Geld ver­loren und sei anfäl­lig für die Ideen der Freemen gewor­den. Er hat nicht nur Mitar­beit­ern der Wirtschaft­skam­mer Rech­nun­gen in Mil­lio­nen­höhe namens des „Amtes der Men­schen auf Erden“ aus­gestellt (ver­mut­lich über den schon bekan­nten Umweg des US-Schulden­reg­is­ters UCC und einen mal­te­sis­chen Exeku­tion­sti­tel), son­dern auch „Haft­be­fehle“, darunter einen gegen Erwin Pröll – in englis­ch­er Sprache. Da er nur man­gel­hafte Englis­chken­nt­nisse habe, habe er nicht wirk­lich gewusst, was er da unter­schrieben hat. Klingt ziem­lich logisch.

Der Prozess wurde auf den 12. April vertagt, um weit­ere Zeug­In­nen einzu­vernehmen. Die Staat­san­waltschaft beantragte die Anord­nung der Fes­t­nahme und Unter­suchung­shaft für die nicht erschiene­nen fünf Angeklagten.