Putin und die Nazi-Postings

Es spielt sich ab irgendwo am Land, in Oberösterreich. Ein Facebook-User postet Kritisches auf seiner Timeline über Putin. Der hat sich über das österreichische Rechtssystem aufgeregt. Der User verweist darauf, dass es in Russland eine Diktatur gibt – und wird darauf heftig kritisiert. In fast allen (!) Kommentaren wird ihm vorgeworfen, er vertraue (zu) blind den heimischen Medien, der „Lügenpresse“. Dann wird auch noch Hitler in Stellung gebracht.

Es ist kein fiktives Beispiel, sondern hat sich wirklich so zugetragen. Am Donnerstag der Vorwoche. Der russische Präsident Putin hatte – ebenfalls in der Vorwoche – den angeblichen Freispruch eines Flüchtlings kritisiert, dem die Vergewaltigung eines Jugendlichen vorgeworfen wird. Aus den geschilderten Umständen wurde klar, dass sich Putin in seiner Kritik auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) Österreichs bezog. Die Kritik Putins war nicht nur aberwitzig, sondern auch falsch: Es gab keinen Freispruch durch den OGH. Der Täter sitzt nach wie vor in Haft, der OGH hat nur Teile des Urteils aufgehoben. Die Neuverhandlung könnte sogar eine höhere Haftstrafe als die sechs Jahre, zu denen er verurteilt wurde, bringen.

Darum geht’s allerdings bei der Debatte auf Facebook nur am Rande. Was wir hier schildern, hat nicht in einer rechtsextremen Gruppe stattgefunden, sondern auf der Timeline eines ganz normalen Menschen (kein Grüner!), der in einer oberösterreichischen Landgemeinde lebt. Die anderen an der Debatte Beteiligten sind auch nicht als offene Rechtsextreme bekannt. Umso erschreckender der Verlauf bzw. der Schlusspunkt der Debatte.

Die Putin-Kritik...

Die Kritik an Putins Kritik an Österreich…

Die absurde Putin-Kritik, über die der ORF berichtet, veranlasst unseren FB-User zu folgendem Kommentar: „Putin lästert gegen Österreichs Rechtssystem. Geht’s nu. In Russland herrscht Diktatur“. Franz postet dazu: „Das Leben kann so einfach sein wenn man einfach den westlichen Medien blind vertraut. Man braucht dann nicht mehr nachzudenken und kann ungestört irgendwas tun“.

Diese – angesichts der oben erklärten Umstände – ziemlich stumpfe Kritik greifen weitere Poster auf. Hansi postet dazu „Lügenpresse“, meint aber nicht das russische Staatsfernsehen, das die Falschmeldung für Putin aufbereitet hat, sondern den ORF. Markus versucht zu „konkretisieren“: „Die Lügenpresse der Grünen…“. Unser Facebook-User versucht es noch einmal mit sachlicher Kritik: “das Wort Lügenpresse entstammt auch der Nazizeit sollte Dir zu denken geben…“.

Bei Markus löst die sanfte Kritik aber eine andere Assoziation aus. Er postet ein Hitlerbild mit der Inschrift „Dem Führer die Treue“ und schreibt dazu noch: „Wa mittlerweile bei dem Gfrast was ma da haben eh ned schlecht oda…„. Hansi, der auch nur braunen Dreck in der Birne hat, setzt nach: „Haum ja foa 1938 a nu a paar Millionen „andersgläubige“ kopt. Jeder bekommt was er verdient! Und wir Österreich werden triumphieren!“.

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Unfassbar! Der Ausgangspunkt war eine Kritik an Putin für dessen vollkommen verfehlte Kritik an einem Urteil des OGH. Das vorläufige Ende: Ein Hoch auf Hitler und NS-Vernichtungsphantasien! Eigentlich verdienen beide User eine Anzeige wegen des Verdachts der Wiederbetätigung. Nach einem Gespräch mit dem Facebook-User und Putin-Kritiker, der den Thread sofort gelöscht hat, sobald er die Nazi- Postings bemerkte, entscheiden wir uns darauf zu verzichten. „Hansi“ und „Markus“ kommen aber auf unsere Vormerkliste. Noch einmal? Sicher nicht!