Leoben: Wiederbetätigung, Mordversuch und 1889 am Hals

Angeklagt waren zwei Per­so­n­en. Der eine (22) wegen NS-Wieder­betä­ti­gung, der andere (27) auch wegen Wieder­betä­ti­gung, zusät­zlich aber wegen eines bru­tal­en Mord­ver­suchs. Der 22-jährige Stu­dent wurde vom Lan­des­gericht Leoben, wo gegen die bei­den am 12.5. ver­han­delt wurde, bere­its mit einem Urteil der Geschwore­nen abge­fer­tigt, gegen den bere­its ein­schlägig vorbe­straften älteren Erstangeklagten wird am 25.Mai weiterverhandelt.

Die gemein­same Vor­liebe für den Nation­al­sozial­is­mus führte im Mai das Vor­jahres dazu, dass auf Anre­gung des Jün­geren ein Foto ent­stand: die bei­den mit Hit­ler­gruß. Am näch­sten Tag löschte der Jün­gere das Foto, das er auf Face­book gestellt hat­te, wieder: „Es war ein riesen Blödsinn, ich war auch schon g’scheit betrunk­en, wobei das keine Entschuldigung sein soll” (APA).

Der Jün­gere ist Stu­dent mit zunächst 3 Semes­ter Jus, jet­zt Geografie. Vor Gericht erscheint er in Anzug und mit Fam­i­lie. En stark­er Kon­trast zum Älteren, der schon mehrfach wegen Kör­per­ver­let­zung und Nöti­gung vorbe­straft ist. Er wird aus der U‑Haft vorge­führt, erscheint mit Glatze und Tätowierun­gen. 1889 hat er auf dem Hals. Das ist das Geburt­s­jahr von Hitler. Die Frage nach der Bedeu­tung dieser Zahl will der angeklagte aber eben­so wenig beant­worten wie etwa die Frage, warum er gepostet hat­te: „Alle Zion­is­ten in den Ofen“. Auch diese Frage will er nicht beant­worten: „Wurscht, näch­ste Frage“.

Nur bei der Frage, warum er gepostet hat­te „Wir sind auch ohne Sonne braun“, ver­weigerte er sich nicht völ­lig, son­dern antwortete: „Ich wollte damit die braune Gesin­nung ansprechen. Das ist teil­weise auch meine Gesin­nung”. Was einen anderen Teil sein­er Iden­tität aus­macht, wurde dann in der Folge abgehandelt.

Im Sep­tem­ber des Vor­jahres traf er sich mit einem Schul­fre­und in dessen Woh­nung zum Fußballschauen und Saufen. Ohne einen unmit­tel­baren Anlass schlug er dann auf seinen Fre­und ein. Vor Gericht wollte oder kon­nte er sich jeden­falls nicht an einen Grund erin­nern. Den Ablauf erzählt die APA:

„Erst soll er das schon am Boden liegende Opfer mit Faustschlä­gen auf Kopf und Gesicht ver­let­zt haben, dann griff er auch noch zu ein­er knapp zehn Kilo­gramm schw­eren Kurzhantel. Mit der stieß er zu.

Das Opfer erlitt einen offe­nen Schädel­bruch, Ris­s­quetschwun­den und ein Schädel­hirn­trau­ma. Außer­dem schlug ihm der 27-Jährige mehrere Zähne ab. Der Ver­let­zte kon­nte flücht­en und lief zur Polizei, woraufhin der Verdächtige noch blutbe­spritzt in der Woh­nung seines Schul­fre­un­des festgenom­men wurde“.

Den Mord­ver­such bestritt der Angeklagte den­noch und stellte zynisch fest: „Wenn ich ihn umbrin­gen hätte wollen, hätte ich noch fes­ter zugeschla­gen“. Während das Opfer aus der Woh­nung flücht­en und zur Polizei laufen kon­nte, machte der Angeklagte noch ein Self­ie mit blutbe­spritztem Gesicht und aus­gestreck­tem Mittelfinger.

Das Opfer, das psy­chisch und physisch an den Fol­gen der Mor­dat­tacke lei­det, sagt vor Gericht aus, dass ihm der Angeklagte mit dem Mord an sein­er Mut­ter und Schwest­erge­dro­ht habe, wenn er sich wehren würde.

Während der Prozess für den Zwei­tangeklagten mit einem Urteil abgeschlossen wird – er wird zu 15 Monat­en bed­ingter Haft verurteilt –, wird das Ver­fahren gegen den Haup­tangeklagten auf den 25.Mai vertagt.