Klagenfurt/Großkirchheim: „Gemma se daschlogn?”

Anfang August haben die Bewohner­In­nen von Großkirch­heim im Möll­tal erfahren, dass in einem Gasthof Flüchtlinge unterge­bracht wer­den soll­ten. Der FPÖ-Bürg­er­meis­ter war sowieso dage­gen. Auf Face­book brach eine der üblichen Debat­ten los. Der 19-Jährige, der am Fre­itag, 11.12. in Kla­gen­furt vor Gericht stand, beteiligte sich mit furcht­baren Sprüchen. Wenige Stun­den später explodierte ein Böller auf der Ter­rasse des Gasthofs.

Der blaue Bürg­er­meis­ter befürchtete, dass die Asyl­wer­ber, die im Gasthof unterge­bracht wer­den soll­ten, ihre Triebe nicht beherrschen kön­nten — tat­säch­lich aber waren es Ein­heimis­che, die ihre Emo­tio­nen nicht unter Kon­trolle hat­ten — inklu­sive Bürg­er­meis­ter, der den Men­schen, die vor Krieg und Ter­ror geflo­hen sind, den „Charak­ter“ absprach.

In den Gasthof zogen keine Flüchtlinge ein. Die Besitzer haben angesichts der deut­lichen Sig­nale — Bürg­er­meis­ter, Face­book-Het­ze, Böller-Anschlag — resig­niert. Ein­er der Het­zer musste sich allerd­ings für seine unfass­baren Sprüche vor dem Lan­des­gericht Kla­gen­furt ver­ant­worten. „De tua­ma woll obmurgsn“ und „Gem­ma se daschlogn?“ hat­te er gepostet.

Vor Gericht wollte er sich mit Angst um seine Ange­höri­gen recht­fer­ti­gen: „Es tut mir jet­zt leid, dass ich das geschrieben habe. Ich hat­te Angst, dass die Aus­län­der meinen Ver­wandten etwas antun kön­nten“ (Kleine Zeitung) .

Die Staat­san­waltschaft hat das anders beurteilt, in diesen Sprüchen eine Auf­forderung zu mit Strafe bedro­ht­en Hand­lun­gen (§ 282 StGB) gese­hen und den Kärnt­ner deshalb angeklagt. Das Gericht fol­gte der Anklage und verurteilte den jun­gen Kärnt­ner zu ein­er Frei­heitsstrafe von drei Monat­en bed­ingt. Da die Staat­san­waltschaft sich nicht zu dem Urteil erk­lärte, ist es noch nicht rechtskräftig.