Köln: Von den Worten zu den Taten

Am Sam­stag, 17. Okto­ber, wurde die parteilose Kan­di­datin für das Amt der Köl­ner Ober­bürg­er­meis­ter­schaft, die Sozialdez­er­nentin Hen­ri­ette Rek­er, von dem Recht­sex­trem­is­ten Frank S. (44) mit einem Mess­er ange­grif­f­en und schw­er ver­let­zt. In den meis­ten Stel­lung­nah­men nach der Tat wird mit­tler­weile von einem frem­den­feindlichen Motiv des Täters gesprochen. Töten wollte der frühere Neon­azi aber eine deutsche Politikerin.

Es war eine Wahlkundge­bung auf einem Wochen­markt in Köln Braunsfeld, bei der der Täter Hen­ri­ette Rek­er, die ger­ade Rosen verteilte, um eine der Blu­men bat. Als sie ihm die geben wollte, stach er mit einem Jagdmess­er zu. Im anschließen­den Handge­menge ver­let­zte er weit­ere Per­so­n­en, die zu Hil­fe eilen woll­ten, teil­weise schw­er, und erk­lärte dabei, er müsse die Gesellschaft vor solchen Leuten retten.


Antifa Bon­n/Rhein-Sieg deckt auf: Atten­täter von OB-Kan­di­datin ist bekan­nter Nazi
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In den ersten Stel­lung­nah­men der Polizei wur­den den­noch die üblichen Null- bzw. Falschin­for­ma­tio­nen verblasen: „Derzeit haben wir keine Erken­nt­nisse, ob er in ein­er Partei oder Organ­i­sa­tion aktiv ist. Auch keine polizeilichen Erken­nt­nisse in diese Rich­tung“ (Bild).

Die Antifa half den Ermit­tlern und iden­ti­flzierte den Ver­hafteten als einen Neon­azi, der in den 90er Jahren ein­er der bekan­ntesten Aktivis­ten der neon­azis­tis­chen FAP (Frei­heitliche Deutsche Arbeit­er­partei) war. Der Wikipedia-Ein­trag zur FAP ist auf­schlussre­ich: nicht nur Nor­bert Wei­d­ner, der in späteren Jahren Chefredak­teur bei den deutschen Burschis war, son­dern auch Dieter Riefling, der wegen Volksver­het­zung ger­ade wieder ein­mal in Haft und mit etlichen recht­sex­tremen bzw. neon­azis­tis­chen Öster­re­ich­ern, darunter auch Frei­heitlichen befre­un­det ist, zählten zu den Kadern der FAP.


Neon­azis­tis­che FAP
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Noch mehr Öster­re­ich? Karl Polacek, ein emi­gri­ert­er öster­re­ichis­ch­er Neon­azi und Lan­desvor­sitzen­der der FAP Nieder­sach­sen, wird 1992 nach Öster­re­ich abgeschoben, gibt hier den „Brau­nauer Aus­guck“ her­aus, flieht nach einem Wieder­betä­ti­gung­sprozess und Verurteilung nach Griechen­land, taucht 2009 kurzfristig als Unter­stützer von Andreas Mölz­er auf und stirbt 2014.


Bildquelle: ephemerajpp.com
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Im Win­ter 1997, also zwei Jahre nach dem Ver­bot der FAP, schrieb die „Antifaschis­tis­che NRW-Zeitung“ über Frank S., dass der „als extrem gewalt­tätig bekan­nte ehe­ma­lige Aktivist der FAP“ etliche Vorstrafen wegen Raubes und Kör­per­ver­let­zung ange­sam­melt habe und hin­ter Git­tern sei. Jet­zt ist Frank S. wieder als Gewalt­täter aktiv gewor­den. „Ich tue es für eure Kinder“, soll der Atten­täter gerufen haben, bevor er zus­tach. Nach sein­er Fes­t­nahme hat der Täter, der offen­sichtlich schon län­gere Zeit allein lebt und arbeit­s­los ist, den Polizis­ten seine Befürch­tung mit­geteilt, „dass bald die Scharia in Deutsch­land gel­ten werde“ (Spiegel Online). Bei den ersten Vernehmungen wurde Frank S. dann noch deut­lich­er: „Die Aus­län­der nehmen uns die Arbeit­splätze weg“ (Spiegel Online). Rek­er, die für die Unter­bringung von Flüchtlin­gen in Köln zuständig war, hat er anscheinend für die ver­fehlte Ein­wan­derungspoli­tik ver­ant­wortlich gemacht.


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Nicht nur seine bis­lang kol­portierten Ein­las­sun­gen zur Tat, auch seine per­sön­liche Biogra­phie und natür­lich auch das Fak­tum, dass sich sein Angriff gegen eine Poli­tik­erin richtete, machen klar, dass S. nicht nur ein Frem­den­feind, son­dern ein Recht­sex­tremer war und ist. In den Vernehmungen hat er selb­st seine Neon­azi-Ver­gan­gen­heit zugegeben. Auch die Polizei weiß mit­tler­weile mehr: dem­nach fiel Frank S. zulet­zt mit aus­län­der­feindlichen Kom­mentaren im Inter­net auf. Ein­er von ganz vie­len, die im Inter­net het­zen, ist zur Tat geschritten.