Die freiheitlichen Gynäkologen und der Mindestsicherungsbescheid

Über zwei Hetzpostings, die einen hetzerischen Beitrag auf „unzensuriert“ kommentierten, haben wir in der Vorwoche berichtet. Strache hat den Beitrag und damit auch die Postings übernommen. In Reaktion auf Protest und Drohung mit Anzeigen hat „unzensuriert“ die zwei Hetzpostings gelöscht, nicht aber den Beitrag selbst. Der zeichnet sich durch ein hohes Ausmaß an Bösartigkeit und Ignoranz aus, aber das stört Strache ja sicher nicht.

Zur Erinnerung für Neueinsteiger: vor rund zehn Tagen veröffentlichte ein Facebook-User widerrechtlich den Mindestsicherungsbescheid einer Wiener Familie – mit Namen und Adresse. Hundertfach wurde der Bescheid geteilt und die Familie an den Pranger gestellt – als angeblicher Beweis dafür, wie gut es Flüchtlingen in Österreich geht. Allerdings handelte es sich nicht um eine Flüchtlingsfamilie, sondern um eine, die hier schon jahrzehntelang lebt. Das interessiert aber die Hetzer nicht – auch nicht der Grund für den Mindestsicherungsantrag, die schwere Erkrankung des Familienvaters und was dann mit ihm passierte.

Auch den Schreiber von „unzensuriert“ interessiert das nicht. Er weiß, dass es sich nicht um eine Flüchtlingsfamilie handelt, er weiß auch, dass der Betrag, der der Familie zugesprochen wurde, völlig normal ist, keine Bevorzugung von „Ausländern“. Sonst weiß er eigentlich nichts. Aber ein bisschen hetzen, das will er schon.

Wie das geht?

Man konstruiert einen falschen Gegensatz. „Wozu noch arbeiten gehen? Migrantenfamilie mit 2.000 Euro Beihilfe“, wird im Titel gefragt, um dann im Text die Antwort zu geben: “Ein Betrag, den so manche heimische Arbeiterfamilie mit vier Kindern nur schwer aufbringen kann“. Die Arbeiterfamilie muss den Betrag nicht selbst aufbringen – im Gegenteil! Auch sie hat im Bedarfsfall den gleichen Anspruch, wie „unzensuriert“ verschämt zugeben muss. Aber: es handelt sich ja um „sechs Migranten mit ausländisch lautenden Nachnamen“ – und bei solchen Nachnamen haben die strammen Jungs von Martin Graf einfach ein Problem .

Und weil sie keine Ahnung, sondern nur ein Brett vor dem Kopf haben, müssen sie vermuten. Krank ist doch nur der Vater, „die restliche Familie ist aber offenbar gesund“, mutmaßt „unzensuriert“. Unter den vier Kindern sind doch „zwei Buben, die mittlerweile selbst im arbeitsfähigen Alter sind“, mahnen die blauen Sozialdetektive streng: warum arbeiten die nicht? Hallo aber! Weil sie eine Schule besuchen ,o.k.?! Oder sollen sie jetzt die Schule verlassen, weil der Vater schwerkrank ist?


„Orgelpfeifen“

HC Strache findet solche Mutmaßungen mitteilenswert und interessant, schließlich teilt er den Beitrag mit dem Vermerk „zur Info“. Mehr als 3.000 Personen gefällt dieser Beitrag auf seiner Seite, der auch 1.700 mal geteilt wird. Einige von den rund 1.000 Postings beschäftigen sich auch mit der zweiten, von „unzensuriert“ aufgeworfenen Frage:

„Stutzig machen aber auch die Geburtsdaten der Kinder: So sind die beiden Ältesten nur wenige Monate nacheinander geboren, was bedeuten würde, dass die Mutter schon wenige Wochen nach der Geburt des ersten Kindes wieder schwanger wurde, obwohl in der Zeit des Wochenbetts eine Zeugung sehr unwahrscheinlich ist“.

Die blauen Gynäkologen haben zwar keine Ahnung, sind aber stutzig geworden: sie bestreiten einfach die Existenz der beiden Jugendlichen, die sie ein paar Sätze zuvor noch „im arbeitsfähigen Alter“ gesehen haben. Warum? Weil die gynäkologische Abteilung von „unzensuriert“ der Meinung ist, dass „in der Zeit des Wochenbetts eine Zeugung sehr unwahrscheinlich ist“! Stammt diese Irrmeinung von der Germanischen Medizin oder wo sonst wird solcher Unsinn noch vertreten?

Zustimmung zu dem Verdacht kommt jedenfalls von Thomas F. aus Wanne-Eickel in Nordrhein-Westfalen, der zwar auch keine Ahnung hat, aber gerne eine Ferndiagnose als Posting bei Strache absetzt:

„Mit den Kindern die kurz nacheinander geboren wurden funktioniert so:::: die lassen sich Geburtsurkunden von Familien mit gleichen Nachnamen nach zb Deutschland schicken,ab zum Amt damit und schon gibts mehr Kindergeld….“.

Strache hat auch nicht erklärt, dass er die Wochenbett – Theorie der „unzensuriert“-Gynäkologen schwachsinnig oder riskant findet bzw. die beigefügten Postings hetzerisch, für ihn ist alles „zur Info“.

Für einige, vor allem Frauen, war das nicht „Info“, sondern „fast lächerlich“ bzw. „extrem dumm“. Anscheinend darf man das nicht sagen bei HC Strache, denn die Postings sind gelöscht worden. Dabei haben sie Recht, die Frauen! „Unzensuriert“ und Strache können sich ja auch bei Barbara Rosenkranz erkundigen.

Weil es durchaus erhellend ist, was in den gelöschten Postings steht, hier ein Screenshot!