Die deutschdeutschen Burschis: unbelehrbar

Ende Mai fand in Eise­nach wieder mal der Burschen­tag der Deutschen Burschen­schaft (DB) statt. Das öffentliche Inter­esse an der als große Jubiläumsver­anstal­tung geplanten Ver­samm­lung hielt sich in engen Gren­zen. In Jena war vor 200 Jahren die erste Burschen­schaft gegrün­det wor­den, aber zu der Festver­anstal­tung in Jena waren die Mit­glieds­bünde der DB gar nicht ein­ge­laden wor­den. In Eise­nach sind sie auch nicht mehr willkom­men.


Mess­er, Schere, Feuer, Licht ist für kleine…
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Dem Dachver­band Deutsche Burschen­schaft geht es schon seit eini­gen Jahren nicht beson­ders gut. Seit die Recht­sex­tremen die Schalt­stellen in der DB über­nom­men und eine heftige Debat­te über den ‚Ari­er­nach­weis‘ von Burschen­schaftern angezettelt haben, haben immer mehr Mit­glieds­bünde den Dachver­band DB ver­lassen. Mit­tler­weile sind es nicht ein­mal mehr 70 Mit­glieds­bünde – vor weni­gen Jahren waren es noch 120.

In Eise­nach, dem tra­di­tionellen Ver­samm­lung­sort der DB, dür­fen die Burschis deshalb ab 2017 nicht mehr in der städtis­chen Ver­anstal­tung­shalle tagen. Auf die Wart­burg, die nicht nur für die die Burschis, son­dern fak­tisch für alle Verbindungsstu­den­ten kul­tischen Charak­ter hat, dür­fen sie schon seit 2014 nicht mehr marschieren und in Jena, wo vor 200 Jahren die Urburschen­schaft gegrün­det wurde, sind die Mit­glieds­bünde der DB zu den Jubiläums­feier­lichkeit­en auch nicht mehr ein­ge­laden worden.


Auf die Wart­burg dür­fen die Burschen­schafter schon seit 2014 nicht mehr marschieren
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Die stram­men recht­en Reck­en, die sich in der DB bzw. ihren einzel­nen Bün­den gegen­seit­ig die Gesichter zer­sä­beln , ficht das alles nicht wirk­lich an. Im Gegen­teil! Die Wiener Burschen­schaft Teu­to­nia, die aktuell noch immer den Press­esprech­er des Dachver­ban­des stellt, gibt die Durch­hal­tepa­role vor „200 Jahre Burschen­schaft. Wir wis­sen, wer wir sind, wir bleiben, wer wir waren! – unge­beugt, unbeir­rt und unbelehrbar”.

Was die Teu­to­nen mit „unbelehrbar“ meinen, machen sie- eben­falls auf Face­book — mit der aktuellen (!!) Forderung klar „Besatzer raus!“ – Besatzer? Haben wir in Öster­re­ich noch Besatzungsmächte? Die Burschis von der Teu­to­nia meinen natür­lich nicht Öster­re­ich, son­dern „ihr“ Deutsch­land, in dem sie mehr zuhause sind. Dieses Deutsch­land ist aktuell für die Teu­to­nen ein beset­ztes Land! Und um zu unter­stre­ichen, zu welchem Deutsch­land sie sich beson­ders hinge­zo­gen fühlen, beto­nen sie , dass der 8. Mai 1945 kein Tag der Befreiung und der 8. Mai 2015 kein Fest der Freude ist.

Zurück zum jubilieren­den Burschen­tag in Eise­nach. Vielle­icht liegt es an der Pressear­beit des teu­tonis­chen Press­esprech­ers Trib­utsch („Zur Zeit“) , vielle­icht aber ein­fach daran, dass die Burschis ein­fach nichts zu sagen haben – jeden­falls war nicht ein­mal über die Festvorträge etwas zu erfahren. Die wur­den dies­mal von Götz Kubitschek und Wil­helm Brauned­er gehal­ten. Kubitschek , Redak­teur der Zeitschrift „Sezes­sion“ ist ein­er der Stich­wort­ge­ber der recht­sex­tremen Iden­titären Bewe­gung und gern gese­hen­er Gas­tred­ner bei diversen Pegi­da-Ablegern und deren Ver­anstal­tun­gen. Der recht­en Partei Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) war Kubitschek als Mit­glied zu rechts — bei den Burschis war er so wie Wil­helm Brauned­er, Wiener Uni­ver­sität­spro­fes­sor und schon Jahre vor Mar­tin Graf für die FPÖ Drit­ter Präsi­dent des Nation­al­rates , als Fes­tred­ner sehr willkom­men.

Im Unter­schied zum öster­re­ichis­chen Ver­fas­sungss­chutz, für den die öster­re­ichis­chen Burschen­schaften der DB ( die fast alle in der recht­sex­tremen Frak­tion“ Burschen­schaftliche Gemein­schaft“ organ­isiert sind) seit Schwarzblau kein The­ma sind, hat der Ham­burg­er Ver­fas­sungss­chutz (LfV) die Burschen­schaften wegen recht­sex­tremer Ten­den­zen unter Beobachtung:

„Das LfV Ham­burg beobachtet auch recht­sex­trem­istis­che Ten­den­zen bei eini­gen Burschen­schaften. Der 2011 begonnene Rich­tungsstre­it inner­halb des Dachver­ban­des „Deutsche Burschen­schaft“ (DB) schwelte auch 2014 weit­er. Ende des Jahres waren nicht ein­mal mehr 70 Bünde unter dem Dach der DB vere­int. Etwa die Hälfte gehört der nation­al-kon­ser­v­a­tiv­en „Burschen­schaftlichen Gemein­schaft“ (BG) an, die nation­al­is­tisch-revi­sion­is­tis­che Posi­tio­nen ver­tritt und am volk­s­tums­be­zo­ge­nen Vater­lands­be­griff fes­thält. Die Entwick­lung zeigt, dass in erster Lin­ie lib­er­al-kon­ser­v­a­tive Burschen­schaften aus­treten und den in der BG organ­isierten, zum Teil recht­sex­trem­istisch bee­in­flussten Bün­den inner­halb der DB das Feld über­lassen“ .