So lügen die Rechten : Die Lüge vom niederösterreichischen Asylheim

Für die Mei­n­ungs­frei­heit treten sie ange­blich ein und ver­steck­en sich in der Kit­telfalte von Putin – die recht­sex­tremen Kam­er­aden von „Freies Öster­re­ich“ (FÖ). Unter Mei­n­ungs­frei­heit ver­ste­hen sie offen­sichtlich ein Recht auf Lüge und Het­ze, im konkreten Fall über Asyl­wer­berIn­nen. Eine Recherche über eine erlo­gene Het­zgeschichte von „Freies Österreich“.

Am 3. Dezem­ber erschien auf der Home­page „Freies Öster­re­ich“ der Beitrag „Asy­lun­terkun­ft –vorher und nach­her“, am 5. Dezem­ber wurde er auf die FB-Seite von „Freies Öster­rre­ich“ (FÖ) gestellt , wo er mit­tler­weile 186 mal geteilt wurde.

In dem Beitrag wird dage­gen polemisiert, dass das „Sys­tem“ die braven Bürg­er zu überre­den ver­suche, Unterkün­fte für Asyl­suchende zur Ver­fü­gung zu stellen: “Nun sollen die dum­men Bürg­er auch noch pri­vate Unterkün­fte räu­men und zur Ver­fü­gung stellen“.

Um „alle Naivlinge, die ern­sthaft über­legen“, ihr Heim „für ein paar lausige Kröten“ an Asyl­wer­berIn­nen zu ver­mi­eten, davon abzuhal­ten, „wollen wir heute ein paar visuelle Anreize zur Ver­fü­gung stellen“ , heißt es weit­er. FÖ schreibt natür­lich nicht von Asyl­wer­berIn­nen, son­dern von „Asy­los aus Afri­ka“. Die Herkun­ft aus Afri­ka ist genau­so erstunken und erlogen wie der näch­ste Satz, aber mit ihr lässt sich die ras­sis­tis­che Phan­tasie offen­sichtlich noch bess­er inspiri­eren, was in der zynis­chen Fest­stel­lung zum Aus­druck kommt: “Aber es ist schon immer wieder schön zu sehen, dass alle Men­schen gle­ich sind und jed­er Zweibein­er die selbe Auf­fas­sung von Sauberkeit, Ord­nung, Respekt und Haus­lichkeit besitzt“.

Noch etwas: mit der hingeschlud­erten Bemerkung über die „paar lausi­gen Kröten“ zeigen die Neon­azis von „Freies Öster­re­ich“ nur, wie ernst sie selb­st die rechte Pro­pa­gan­da von der Asylin­dus­trie, mit der ange­blich Mil­lio­nen geschef­felt wer­den, nehmen.

Aber bish­er war zwar Het­ze und all­ge­meine Ver­logen­heit, aber noch nicht Lüge im Spiel. Die kommt mit diesem Satz, mit dem die Fotos, die „visuellen Anreize“ angekündigt wer­den: “Ein wun­der­bar­er Vorher-Nach­her Effekt, zuge­sandt aus dem beschaulichen Niederöster­re­ich“.

Die Fotos, die dann gezeigt wer­den, sollen eine Asy­lun­terkun­ft „vorher“ und „nach­her“ – „aus dem beschaulichen Niederöster­re­ich“.

Bloß: die Fotos haben mit Niederöster­re­ich nicht das ger­ing­ste zu tun – sie zeigen keine Asy­lun­terkun­ft in Niederöster­re­ich! Auch der näch­ste Satz ist gel­o­gen: “Natür­lich schützen wir die Eigen­tümer des Objek­ts und ver­rat­en nicht mehr“ – Weil damit ihre Lügengeschicht­en auf­fliegen würden!

Warum wir uns da so sich­er sind? Die Geschichte mit den Asy­lun­terkün­ften hat schon einen lan­gen Bart.

Am 20. Sep­tem­ber 2014 tauchen Fotos und Text der „Betreu­ungs- und Inte­gra­tionshil­fe“ auf einem ein­deutig recht­sex­tremen Face­book-Kon­to als geteil­ter Beitrag auf. In dem Text beklagt sich die „Betreu­ungs-und Inte­gra­tionshil­fe“ über die „frag­würdi­ge Ver­hal­tensweise einiger Heim­be­wohn­er“:

„Lei­der mussten wir auch Anfang dieser Woche wieder Zustände erfassen, die ins­beson­dere für andere Heim­be­wohn­er und unsere Mitar­beit­er mehr als ärg­er­lich sind“.

Die öffentliche Anprangerung intern­er Angele­gen­heit­en ein­er Betreu­ung­sein­rich­tung durch Vertreter dieser Ein­rich­tung ist der­maßen unpro­fes­sionell, dass man sprach­los ist. Als Drauf­gabe gibt es auch noch eine neg­a­tive Prognose:

„Die Ver­hal­tensweise einiger Asyl­be­wer­ber lässt jedoch nicht den Schluss zu, dass es in näch­ster Zeit zu diesem The­ma pos­i­ti­vere Nachricht­en zu ver­melden geben wird“.


Ver­gle­ich FÖ und Index­ex­pur­ga­to­rius-Blog: die gle­ichen Bilder
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Ob die recht­sex­treme FB-Seite bewusst mit diesen Infos gefüt­tert wurde, ist unklar. Klar ist jeden­falls, um welche Betreu­ung­sein­rich­tung es sich han­delt: die „Vorher“-Fotos sind nach wie vor auf der FB-Seite der Ein­rich­tung abruf­bar. Der Land­tagsab­ge­ord­nete der Grü­nen in Sach­sen-Anhalt, Sebas­t­ian Striegel, hat sich auf seinem Blog mit der „Infor­ma­tion­spoli­tik“ dieses Vere­ins beschäftigt. Dem­nach sind über das FB-Kon­to des Vere­ins sog­ar „unzure­ichend anonymisierte Krankengeschicht­en“ veröf­fentlicht wor­den. Erst vor weni­gen Tagen, am 10. Dezem­ber, beschäftigte sich das Mag­a­zin „Exakt“ des MDR in dem Beitrag „Geld machen mit Flüchtlin­gen“ mit der Betreu­ung­sein­rich­tung. Wir haben den Vere­in um eine Stel­lung­nahme zu den Fotos gebeten, aber kein­er­lei Antwort erhalten.

Am 29. Sep­tem­ber dann ein aus­ge­sproch­en­er Het­zartikel auf dem Blog „dwd­press“. Unter der Über­schrift „Schweinestall Asy­lanten­heim“ wird der „Bericht“ eines „sehr guten“ Fre­un­des offeriert, der „beru­flich in mehreren Asy­lanten­heimen in Deutsch­land unter­wegs“ ist. Im Bericht des Fre­un­des über Asyl­wer­ber, die sich ange­blich benehmen wie „Schweine“, der selt­same Hin­weis, dass es lei­der nicht möglich sei, „Fotos zu machen und diese raus zu schmuggeln da absolutes Handy und Foto Ver­bot herrscht“. Nach Ende des Berichts dann doch Fotos, wieder von der „Betreu­ungs-und Inte­gra­tionshil­fe“ und wieder mit beglei­t­en­dem Text. Ab jet­zt wan­dert der Text über diverse andere recht­sex­treme Blogs und durch die sozialen Net­zw­erke: über die Suche „Schweinestall Asy­lanten­heim“ bzw. „Saustall Asy­lanten­heim“ leicht nachvollziehbar.

Ende Okto­ber 2014 tauchen die Fotos mit neuem Titel („Poli­tis­ch­er Ras­sis­mus“) und Het­z­text auf dem Blog „Index­ex­pur­ga­to­rius“ auf. Zur Herkun­ft der Fotos heißt es dort:

„Und weil die neu gewonnene Hochkul­tur den deutschen Poli­tik­ern so wichtig ist, wichtiger als die eigene Bevölkerung, nimmt man auch gerne die Umgestal­tung der Apparte­ments und die Ein­führung des mit­ge­bracht­en Kul­tur­stan­dards in der Bana­nen­re­pub­lik Deutsch­land nicht nur in Kauf, son­dern preist diesen auch noch als neueste mul­ti­kul­turelle Errun­gen­schaft“.

Anfang Novem­ber über­springt die Schilderung ein­er Betreu­ung­sein­rich­tung, in der Schmutz gesichtet wurde, sog­ar die Sprach­gren­ze und taucht auf dem dänis­chen Rechts­blog „Uri­as­posten“ auf – inter­es­san­ter­weise mit einem Quel­len­ver­weis zum Face­book-Kon­to von Max E. G. aus Salzburg, der erst vor weni­gen Tagen in ein­er anderen Sache wegen Ver­het­zung verurteilt wurde.

Am 3. Dezem­ber tauchen die Bilder dann, wieder mit einem neuen Text, bei den braunen Lügn­ern von „Freies Öster­re­ich“ auf, als Fotos aus Niederösterreich!