Ein Freund der Freiheitlichen und Nordkoreas

Mit den üblichen Kotz­parolen („Raus mit den Roma und ille­galen Aus­län­dern“, „Raus aus der EU“) hat es Mat­teo Salvi­ni geschafft, zum derzeit beliebtesten Poli­tik­er hin­ter Ital­iens Regierungschef Mat­teo Ren­zi zu avancieren. Salvi­ni ist seit rund einem Jahr Chef der Lega Nord und die wiederum eine treue Ver­bün­dete der FPÖ. Kein Zufall! Salvi­ni het­zt auch gegen Aus­län­der, liebt Putin und auch Nord­ko­rea.

Im Dezem­ber 2013 wurde Mat­teo Salvi­ni zum Chef der Lega Nord gewählt – in Anwe­sen­heit von Hein­rich Stra­che und Geert Wilders. Stra­che war damals so enthu­si­as­miert durch den Emp­fang der ital­ienis­chen Ver­bün­de­ten, dass er öffentlich von zehn Rechtsparteien zu phan­tasieren begann, die er für eine gemein­same Frak­tion im Europäis­chen Par­la­ment gewin­nen wollte. Gewor­den sind es bis­lang nicht ein­mal die für die Frak­tions­bil­dung erforder­lichen sieben extrem recht­en Parteien.

Während die öster­re­ichis­chen Medi­en fast auss­chließlich über die Frak­tion­sansage Stra­ches auf dem Lega-Parteitag berichteten, ging unter, dass mit Mat­teo Salvi­ni ein rechter Hard­lin­er zum Chef der von Krisen und Kor­rup­tion­sskan­dalen gebeutel­ten Lega gewählt wurde.

Am Turiner Parteitag war nicht nur die FPÖ mit ein­er mehrköp­fi­gen Del­e­ga­tion (neben Stra­che Mölz­er, Ober­mayr, Hüb­n­er und Lasar) vertreten, son­dern auch ein Abge­ord­neter der rus­sis­chen Duma von der Putin-Partei „Einiges Rus­s­land“, Vic­tor Zubarev. Mit dem durfte Stra­che sog­ar eine gemein­same Pressekon­ferenz gestal­ten. Damit nicht genug: der Vertreter der rus­sisch-ortho­dox­en Kirche, Alex­ey Komov, hielt sog­ar eine Rede auf dem Parteitag! Das ist ein­er, der stets vor dem Sozial­is­mus Oba­mas und der Ver­mis­chung von Marx­is­mus und Freudi­an­is­mus warnt, die zur sex­uellen und Dro­gen-Rev­o­lu­tion in den 60er Jahren geführt habe und in der Folge zu radikalem Fem­i­nis­mus und Ökolo­gen­tum. Klar, dass er auch vor den ver­heeren­den Auswirkun­gen der Homo­sex­u­al­ität („die homo­sex­uelle Lebensweise ist nicht gesund“) warnt.


Ergänzungs­be­darf für Wiki – FPÖ und Lega Nord?
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Ob Stra­che fleißig mit­geschrieben hat bei der Rede? In sein­er Face­book-Botschaft für die Zurück­ge­bliebe­nen war jeden­falls nichts von der Komov-Rede zu lesen, son­dern nur von der gemein­samen Pressekon­ferenz — den Vertreter von „Einiges Rus­s­land“ ließ er dabei unerwähnt!


Stra­ches lück­en­hafte Botschaft an die Zurückgebliebenen
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Salvi­ni pla­gen keine Sor­gen mit dem schamhaften Ver­steck­en von Per­so­n­en oder Inhalten.

„Wir wollen im recht­en Lager Ital­iens der neue Ori­en­tierungspunkt sein. Wir streben nach der Mehrheit im Land“, wird er im „Stan­dard“ zitiert. Dazu müsste er allerd­ings nicht nur die stark schwächel­nde Forza Italia von Sil­vio Berlus­coni, son­dern auch die zahlre­ichen mehr oder min­der faschis­tis­chen Klein­parteien beer­ben. Das größte Hin­der­nis dafür ist die stark sezes­sion­is­tis­che Posi­tion der Lega Nord, die von ein­er Repub­lik Padanien träumt, die zeitweise sog­ar über Nordi­tal­ien hin­aus greift. Wenn allerd­ings EU- und aus­län­der­feindliche Posi­tio­nen in den Vorder­grund gestellt wer­den, dann kön­nte sich das Bünd­nis „mit zehn Mil­lio­nen ent­täuscht­en Rechtswäh­lern“ (Salvi­ni) ausgehen.

Was bei Stra­che selb­st noch zart und ver­schämt anklingt (bei dessen Fans allerd­ings schon in ein­er glühen­den Putin-Verehrung weit ver­bre­it­et ist), wird von Salvi­ni ganz demon­stra­tiv und plaka­tiv ange­sprochen: die ger­adezu hym­nis­che Anbe­tung von Sauberkeit und Ord­nung in Form straff geführter Län­der (wobei die Unter­schiede zwis­chen Rus­s­land und Nord­ko­rea ziem­lich groß sind).

Nach einem Besuch Rus­s­lands und Putins betonte Salvi­ni, „dass man am Roten Platz keine ille­galen Immi­granten sieht, die Wind­schutzscheiben der Autos putzen“. Vor zwei Monat­en besuchte Salvi­ni dann Nord­ko­rea, um nach sein­er Rück­kehr zu erk­lären, dass dort die Kinder auf der Straße Fußball spie­len kön­nten und es wed­er „Zige­uner“ noch „Clan­des­ti­ni“ (ille­gale Ein­wan­der­er) gebe. Das Land sei „so sauber wie die Schweiz“. Men­schen­rechtsver­let­zun­gen wie die Todesstrafe gebe es auch in den USA!

Diese poli­tis­che Rhetorik Salvi­nis – gegen die EU und die USA – passt wun­der­bar zur poli­tis­chen Strate­gie Putins, der ein klares Inter­esse an ein­er Schwächung dieser poli­tis­chen Blöcke hat. In diesem Sinne sind die Begeg­nun­gen mit rus­sis­chen Poli­tik­ern von Putin abwärts oder mit Ide­olo­gen wie Dug­in und Komov eben keine Zufäl­ligkeit­en oder gar, wie Stra­che beim Dug­in-Besuch verk­lick­ern wollte, ‚Pri­vatbe­suche‘, son­dern geplante Ver­anstal­tun­gen, die auch eine Vorstel­lung davon geben, wie sich die Salvi­nis und Stra­ches eine gesellschaftliche Ord­nung vorstellen.

Dass Salvi­ni für sein Gesellschafts­bild auch noch Kim Jong-un und Nord­ko­rea her­anzieht, macht die Sache noch etwas deut­lich­er. Wer der Mei­n­ung ist, das würde nur Salvi­ni und die Lega Nord betr­e­f­fen, der irrt. 2009 gab es in Kärn­ten eine Ausstel­lung „zur Wider­legung der Lügen­pro­pa­gan­da über Nord­ko­rea“, die von dem dama­li­gen Kärnt­ner Frei­heitlichen Land­tagspräsi­den­ten Josef Lob­nig eröffnet und vertei­digt wurde.

Wir schrieben darüber:

„Der Fotograf Wolf­gang Bogn­er, der die Ausstel­lung mit let­ztlich fünf (!) Nord­ko­rea- Fotografien gestal­tete, hat­te sie mit Begleit­tex­ten verse­hen, in denen von der „impe­ri­al­is­tis­chen, amerikanisch-jüdis­chen Lügen­pro­pa­gan­da“ schwadroniert und Nord­ko­rea als ein Land gepriesen wurde, in dem es „keine Aus­län­der, keine Asy­lanten, kein Gesin­del in den Straßen, keine Arbeit­slosen, keine Bet­tler oder Betrunk­e­nen“ gebe. Das Mon­u­ment des Dynas­tiegrün­ders Kim Il-Sung wurde mit dem Begleit­text „die rechte Hand wie zum deutschen Gruß erhoben“ verse­hen: damit die Kärnt­ner Kam­er­aden wis­sen, worum’s geht!“.

Sei­ther sind bloß fünf Jahre vergangen!