Braunau / Ried (OÖ): Hinter der braunen Sintflut wieder Hitler?

Das Gericht meinte es gut mit ihm : fünf Monate bed­ingt, obwohl ihn die Geschwore­nen ein­stim­mig der NS- Wieder­betä­ti­gung für schuldig befun­den hat­ten. Dabei hat Chris­t­ian B. (23) schon ein bewegtes Vor­leben hin­ter sich: eine noch offene bed­ingte Haft­strafe wegen Kör­per­ver­let­zung und schw­er­er Nöti­gung.

Vor dem Gericht wollte der Angeklagte den­noch eine gute Fig­ur machen:

„Ich war damals beein­druckt von dem, was Hitler alles aufge­baut hat. Ich habe mir gedacht: ‚Schau an, so geht es also auch.’ Ich bin jet­zt aber wirk­lich kom­plett raus aus der Szene, ich will damit auch nichts mehr zu tun haben, hin­ter mir die Sint­flut“, wird er in den Oberöster­re­ichis­chen Nachricht­en (OÖN, 22.1.2014) zitiert.

Im Som­mer 2012 hat­te er eine Hak­enkreuz-Fahne auf seinem Auto ange­bracht, schöne Fotos davon gemacht und sie via Face­book versendet. Das erregt natür­lich Aufmerk­samkeit . Auch die Hitler- und die Hak­enkreuz-Tätowierung auf seinem Ober­schenkel, dazu noch zahlre­iche Daten­träger mit ein­schlägiger Musik, z.B. von „Gestapo“ und „Arische Jugend“ haben die Behör­den reg­istri­ert. Drei beschlagnahmte Hak­enkreuz­fah­nen liegen dem Gericht vor, die will er nicht zurück, aber das Handy hätte er gerne wieder.

Ein Richter ist von dem ange­blich geläuterten Angeklagten nicht sehr überzeugt: „Ich weiß nicht, woran es liegt, aber so beson­ders geläutert kom­men Sie mir nicht vor“ (OÖN, 22.1.2014).

Der Richter kön­nte Recht haben, obwohl B. betont, dass er nach der Sint­flut jet­zt ein nor­males Leben führen möchte. In den let­zten Monat­en hat­te er dafür allerd­ings keine Zeit: er habe seine Lebens­ge­fährtin bei Behör­dengän­gen unter­stützt und 25.000 Euro in das gemein­same Haus gesteckt. Die 700 Euro für die Ent­fer­nung sein­er Tat­toos war da allerd­ings nicht mehr drin­nen, aber sobald er das Geld beisam­men habe, werde er das machen lassen.

Das kön­nte schwierig wer­den, denn Chris­t­ian B. müsste dafür wohl nicht nur seine Hitler- und Hak­enkreuz-Tat­toos ent­fer­nen, son­dern auch seine Fre­unde. Die sind auch so ein­schlägig wie die Tat­toos. Einige von ihnen sind aus der Road Crew bekan­nt, einem „Freizeitvere­in“, der sich im oberöster­re­ichis­chen Chap­ter haupt­säch­lich aus Neon­azis und Hooli­gans rekru­tiert (dazu ein andermal).

Für die Bewährung wäre es auch gün­stig, wenn Chris­t­ian B. die ein­schlägi­gen Markierun­gen aus seinem Face­book-Kon­to ent­fer­nen würde, etwa den Hin­weis auf Adolf Hitlers „Mein Kampf“, ein Buch, das ihm offen­sichtlich gefällt.

Die vor­sitzende Rich­terin hat ihn ohne­hin schon nach dem Urteil g ermahnt:

„Sie müssen jet­zt extrem auf­passen. Dort drüben in der Jus­ti­zanstalt haben wir immer einen Platz für Sie frei“ (OÖN, 22.1.2014). Ob Chris­t­ian B. as wirk­lich ver­standen hat? Das Urteil ist jeden­falls noch nicht rechtskräftig.