Korneuburg (NÖ): Drei Jahre für den „Reichstrunkenbold“

Sechs Personen mussten sich seit Mittwoch vor einem Geschworenengericht in Korneuburg wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung verantworten, unter ihnen der als „Reichstrunkenbold“ in einschlägigen Kreisen bekannte Philip T.. Der ursprünglich auf drei Tage anberaumte Prozess endete schon am Donnerstag mit Schuldsprüchen.

Böse Ahnungen plagten die braunen Fans von Philip T. schon seit längerem. Mit einem Freispruch für den braunen Sänger und Nazi-Devotionalienhändler, der seit Sommer 2013 in Untersuchungshaft war, rechnete niemand auf der Seite „Freiheit für Philip“: “Ein Freispruch ist ausgeschlossen dafür sind die Beschuldigungen zu hart. Er ist dort der einzige Deutsche und hat niemanden zum Reden“.

Philip T. war in den letzten Jahren auch im Umfeld der Objekt 21-Neonazis zu finden. Dort wurden auch die zwei Nazi-Alben mit dem Pseudonym „Reichstrunkenbold“ produziert. Philip T. gestand zwar vor Gericht, als “Reichstrunkenbold“ aufgetreten zu sein, wollte aber mit der Produktion der Alben nichts zu tun haben, sondern sie „nur“ vertrieben zu haben. In der Szene war er als Nazi-Gemischtwarenhändler bekannt. Von Waffen über Geschirr mit Nazi-Aufdruck und „Hitler-Wein“ bis hin zu braunen Schriften war alles bei ihm zu erwerben. Unterkunft fand der umtriebige Neonazi bei einer jungen Oberösterreicherin in Wels und bei einem Pärchen in Mistelbach (NÖ). In deren Wohnungen lagerte und vertrieb er auch den Nazi-Schrott.


„Reichstrunkenbold“

Die Rolle der fünf Mitangeklagten wurde in dem Prozess bzw. in der Berichterstattung darüber nicht sehr klar. Sie wollten von der Nazi-Gesinnung des Hauptangeklagten nichts oder erst sehr spät etwas mitbekommen haben, sie jedenfalls nicht geteilt haben, wurden aber von Philip T. belastet, der erklärte, dass sie über seine Auftritte als „Reichstrunkenbold“ informiert waren.

Philip T. bekannte sich im Sinne der Anklage schuldig und verklickerte dem Gericht auch, dass er in Zukunft einen völlig unpolitischen Lebenswandel zu führen gedenke: „Ich bin nicht fixiert auf den Nationalsozialismus, dass ich ihn wiederbeleben möchte. Ich betrachte ihn als Teil der Geschichte“.

Nach vierstündiger Beratung dann die Urteile der Geschworenen: die Angeklagten wurden im Sinne der Anklage schuldig gesprochen. Die Strafen bewegen sich zwischen drei Jahren (unbedingt-für den „Reichstrunkenbold“ ) und sechs Monaten (bedingt). Fünf Angeklagte nahmen die Strafen an, eine erbat sich Bedenkzeit – der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, die Strafen sind daher noch nicht rechtskräftig.

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