Bad Goisern/Wels: Odins seltsame Neigungen

Bei vie­len sein­er alten Neon­azi-Fre­un­den ist er kaum mehr aufzufind­en. Möglicher­weise ist ihnen ein wenig pein­lich, dass Roland S. aus Bad Gois­ern vor weni­gen Tagen in Wels nicht nur wegen NS-Wieder­betä­ti­gung vor Gericht stand, son­dern auch wegen des Besitzes von kinder­pornographis­chem Mate­r­i­al.

Roland S. (30) ist schon seit Jahren ein­schlägig unter­wegs. In der Face­book-Gruppe „Besseres Europa“ hat­te er sich zeitweise sog­ar zum Admin­is­tra­tor hochgear­beit­et. Jet­zt stand er vor Gericht: wegen des Ver­dachts der NS-Wieder­betä­ti­gung und des Besitzes von kinder­pornographis­chem Material.

Auf sein­er Face­book-Seite war er jahre­lang mit dem Mot­to: “Trau keinem Fuchs auf grün­er Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ vertreten. Das allein reicht eigentlich schon. Der zulet­zt als Türste­her tätige Neon­azi aus Bad Gois­ern hat­te aber auch noch den leicht abge­wan­del­ten Wahlspruch der SS „Deine Ehre heißt Treue“ öffentlich gemacht.

Im August 2010 schrieb er auf seine Pin­nwand bei Face­book: „Was für unsere Großel­tern war der Jud ist für uns die Moslem­brut“. Das ist der Spruch, der in leicht abgeän­dert­er Form 2009 auch auf die Außen­mauer des KZ Mau­thausen geschmiert wor­den war.

Das NS- Konzen­tra­tionslager Mau­thausen ist ihm jeden­falls bekan­nt. Eine Mel­dung über radikalen Islamis­mus kom­men­tiert er mit: “Ich sag nur eines, Mau­thausen. Stelle mich auch gerne als Auf­se­her zur Ver­fü­gung“.

2011 erregte er sich über die Mel­dung eines recht­sex­tremen Por­tals, wonach Türken in der „Unrecht­sre­pub­lik Öster­re­ich“ Kinder verge­walti­gen dürften: „Das pack gehört aus­gerot­tet in Europa“ und set­zt dann nach: “Unsere Poli­tik­er sind über­bezahlte schwachköpfe die dort hin gehören wo man bis 1945 eine gewisse Volks­gruppe einges­per­rt hat“.

Nun ja….! Da het­zt der Richtige! Die Staat­san­waltschaft lastete dem Angeklagten nicht nur Ver­het­zung und NS-Wieder­betä­ti­gung an, son­dern auch den Besitz von kinder­pornographis­chen Bildern und Videos. Rund 8.000 kinder­pornographis­che Dateien wur­den bei ihm sichergestellt und dazu noch cir­ca 150 Musik­dateien mit NS-Bezug.

Die Kinder­pornos wur­den bei ein­er Haus­durch­suchung wegen NS-Wieder­betä­ti­gung gefun­den – Bin­go! Die Ermit­tler dürften nicht schlecht ges­taunt haben.

Mit­tler­weile gibt es Roland, der sich auch „Odin“ nan­nte, etwas bil­liger. Keine NS-Post­ings mehr, son­dern viel rotweißrot­er Patri­o­tismus und viel FPÖ: “Ich bin nicht per­fekt, aber ich bin Öster­re­ich­er“ oder „Mein Herz schlägt rot-weiss-rot“. Naja, ihm gefällt nach wie vor „Das Buch Hitler“.

„Roland Odin“ ist etwas vor­sichtiger gewor­den. Sein Face­book-Kon­to ist nicht mehr so ein­fach zugänglich –der Fre­un­deskreis ist hand­ver­lesen. Eine FPÖ-Abge­ord­nete ist noch immer mit ihm befre­un­det – „durchgerutscht“ wird das in der Regel genannt.

Vor dem Geschwore­nen­gericht in Wels gab der Angeklagte das Unschuld­slamm. Obwohl er sich sog­ar einen Bild­schirm­schon­er mit kinder­pornographis­chem Mate­r­i­al ein­gerichtet hat­te, bestritt er jegliche pädophile Nei­gung eben­so wie die NS-Wieder­betä­ti­gung. Die Geschwore­nen sprachen ihn den­noch für schuldig im Sinne der Anklage. Das Urteil: 18 Monate bed­ingt und eine unbe­d­ingte Geld­strafe. Das Urteil ist bere­its rechtskräftig.

Quelle: Kuri­er OÖ, 17.7.2013