Immer mehr rechtsextreme Gewalt in Oberösterreich

Lesezeit: 2 Minuten

Das Ober­ös­ter­rei­chi­sche Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus doku­men­tiert in einem Dos­sier, die stei­gen­den rechts­extre­men Akti­vi­tä­ten in Ober­ös­ter­reich. Beson­ders besorg­nis­er­re­gend ist die stei­gen­de Zahl rechts­extre­mer Gewalt­ta­ten. „Mord, Mord­ver­such, Mord­dro­hun­gen, Brand­stif­tung, Kör­per­ver­let­zun­gen, Schüs­se auf ein isla­mi­sches Gebets­haus, eine Atta­cke auf KZ-Über­le­ben­de, Gedenk­stät­ten­schän­dun­gen und vie­les ande­re”, doku­men­tiert das Anti­fa-Netz­werk in sei­nem Dossier.

Dos­sier, OÖ. Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus (pdf)

Pres­se­aus­sendung des OÖ. Netz­werks gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus:

Immer mehr rechtsextreme Gewalt in Oberösterreich — 64 Organisationen fordern Ende des Wegschauens

LINZ. Mord, Mord­ver­such, Mord­dro­hun­gen, Brand­stif­tung, Kör­per­ver­let­zun­gen, Schüs­se auf ein isla­mi­sches Gebets­haus, eine Atta­cke auf KZ-Über­le­ben­de, Gedenk­stät­ten­schän­dun­gen und vie­les ande­re: In Ober­ös­ter­reich haben rechts­extre­me Akti­vi­tä­ten wäh­rend der letz­ten Jah­re nicht nur mas­siv zuge­nom­men, es sind auch immer mehr Gewalt­ta­ten dar­un­ter. Das beweist ein bri­san­tes Dos­sier des OÖ. Netz­werks gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus (Anti­fa-Netz­werks), das Mon­tag­früh an Lan­des­haupt­mann Josef Püh­rin­ger (ÖVP), Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­ter Josef Ackerl (SPÖ) und Klub­ob­mann Gott­fried Hirz (Grü­ne) über­mit­telt wurde.

Das Anti­fa-Netz­werk wur­de 2001 im Bil­dungs­haus Schloss Puch­berg in Wels gegrün­det. Mitt­ler­wei­le gehö­ren ihm 64 poli­ti­sche, kirch­li­che, kul­tu­rel­le und huma­ni­tä­re Orga­ni­sa­tio­nen an – bei­spiels­wei­se die Katho­li­sche Akti­on, die Pfad­fin­der, die Volks­hil­fe, SOS Men­schen­rech­te, die Kul­tur­platt­form, die Kin­der­freun­de, die Gewerk­schafts­ju­gend sowie die Hoch­schü­ler­schaft der Kep­ler-Uni­ver­si­tät und der Kunstuniversität.

Das Netz­werk betrach­tet es als eine sei­ner Auf­ga­ben, rechts­extre­me und ras­sis­ti­sche Akti­vi­tä­ten in Ober­ös­ter­reich zu doku­men­tie­ren. Dabei arbei­tet es mit dem Maut­hau­sen Komi­tee und mit dem Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des zusammen.

Jetzt legt das Netz­werk wie­der ein bri­san­tes Dos­sier vor. Es stützt sich aus­schließ­lich auf öffent­lich zugäng­li­che Infor­ma­tio­nen und belegt mit kon­kre­ten Bei­spie­len aus den letz­ten vier Jah­ren die gefähr­li­che Ent­wick­lung des Rechts­extre­mis­mus in Oberösterreich.

Am feh­len­den Enga­ge­ment offi­zi­el­ler Stel­len übt das Anti­fa-Netz­werk har­te Kri­tik: Der Umgang von Lan­des­re­gie­rung, Sicher­heits­be­hör­den und Straf­jus­tiz mit dem Rechts­extre­mis­mus sei völ­lig unzu­rei­chend. So bestrei­ten Poli­zei­spre­cher sogar die Exis­tenz einer rechts­extre­men Sze­ne. Nach einem ras­sis­tisch moti­vier­ten Mord in Traun wur­de trotz ein­deu­ti­ger Beken­ner­brie­fe und Geständ­nis­se des Täters der poli­ti­sche Hin­ter­grund geleug­net. Neo­na­zi-Delik­te kom­men oft erst nach öffent­li­chen Pro­tes­ten oder gar nicht zur Ankla­ge. „Die­ses Weg­schau­en und Ver­harm­lo­sen muss end­lich auf­hö­ren“, sagt Netz­werk-Spre­cher Robert Eiter.

Das Netz­werk for­dert eine Erklä­rung der Lan­des­re­gie­rung, dass der Rechts­extre­mis­mus auch in Ober­ös­ter­reich ein gra­vie­ren­des Pro­blem dar­stellt, ein umfas­sen­des Maß­nah­men­pa­ket zu sei­ner Bekämp­fung, genü­gend moti­vier­te Beam­te für den Ver­fas­sungs­schutz sowie eine kon­se­quen­te Fahn­dung nach neo­na­zis­ti­schen Tätern. Außer­dem wird eine kla­re Abgren­zung der demo­kra­ti­schen Par­tei­en von der FPÖ ver­langt, die – wie das Dos­sier anhand vie­ler nach­prüf­ba­rer Bei­spie­le auf­zeigt – tief in die rechts­extre­me Sze­ne ver­strickt ist.