Das Neonazi-Forum und sein Mann im Hintergrund

Was soll man davon halten, dass im Fall des Neonazi-Forums RR-Load zwei bis drei Jahre lang einfach nicht ermittelt wurde, obwohl Hakenkreuze, SS-Rangbezeichnungen und einschlägige Sprüche sofort ins Auge springen? Der „Standard“ hat mit einem Anruf bei der FPÖ Dietmanns mehr herausgefunden als die Ermittlungsbehörden in drei Jahren.


RRLoad auf einem neuen Server und mit neuer Adresse

Seit 2009 ist dem Verfassungsschutz bekannt, dass die FPÖ Dietmanns (NÖ) mit einer Webadresse unterwegs war, die vorher zum Neonazi-Forum „RR-Load“ gehört hat. Seit 2009 ist auch der FPÖ bekannt, dass der Administrator der FPÖ-Homepage Dietmanns Administrator des Neonazi-Forums war. 2010 wurde von der Anwaltskanzlei Dr. Zanger eine Anzeige zur FPÖ-Dietmanns bzw. zu RR-Load eingebracht. 2012 muss die Justizministerin erklären, dass es bisher keinen einzigen Ermittlungsschritt zur Anzeige gegeben hat, aber jetzt mit den Ermittlungen begonnen werde.

Die „Standard“-Redakteurin Colette M. Schmidt greift am Donnerstag, 15.März zum Telefon und ruft bei der FPÖ Dietmanns an. Die Klubobfrau der FPÖ im Gemeinderat, gibt Auskunft und erklärt, ihr Vorgänger sei zur Webadresse „wie die Jungfrau zum Kind gekommen weil er die Dienste eines jungen Mannes für die Seite in Anspruch nahm“. Der „junge Mann“ sei mittlerweile nicht mehr FPÖ-Mitglied.

Ein Anruf klärt : die FPÖ weiß um das Problem mit ihrem ehemaligen Mitglied und Administrator. Hat sie ihn auch angezeigt?


Ein Nazi aus Wien

„Iceman“, so sein Nickname in den alten Foren der FPÖ Dietmanns und bei RR-Load , ist mittlerweile wieder beschäftigt mit dem neuen RR-Load-Forum, das jetzt über einen anderen Provider und andere Webadresse läuft. Er ist der „Mann im Hintergrund“ und für den Server zuständig.


Neues Forum, die gleichen Nazis

Auch sonst ist – mit Ausnahme des verschwurbelten Outfits der Homepage – fast alles beim Alten geblieben: Neonazis aus dem deutschsprachigen Raum freuen sich, dass sie wieder „ihr“ Forum gefunden haben und dort alte Nazi-Kameraden antreffen. Die Hakenkreuzfahnen wehen und die Grußformeln bewegen sich im üblichen Bereich. Natürlich sind auch Österreicher dabei und der „Mann im Hintergrund“. Wie lange will man ihm noch zuschauen bei seiner Arbeit?