Innsbruck: Grillfest mit Hitler und RFJ

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Die Grill­fei­er im Steinacher Wald im Jahr 2008 war hef­tig. Ein bereits ein­schlä­gig Ver­ur­teil­ter hat ein Haken­kreuz in den Boden ein­ge­brannt, es gab laut Ankla­ge „Heil Hit­ler“ und „Sieg Heil“-Rufe, Würs­tel und etli­che frei­heit­li­che Jung­funk­tio­nä­re, dar­un­ter auch den Ange­klag­ten Chris­ti­an H.

Der Ring Frei­heit­li­cher Jugend (RFJ) Tirol hat­te sich im Früh­jahr 2010 nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Tiro­ler FPÖ um „rech­te Umtrie­be“ von sei­nem Dach­ver­band getrennt, der neue RFJ ist noch nicht recht in die Gän­ge gekom­men (sei­ne „Heim­sei­te“ ist noch immer in Über­ar­bei­tung) und die alten RFJ-Funk­tio­nä­re hal­ten ihre Tref­fen haupt­säch­lich vor Gericht ab.

Chris­ti­an H. hat­te im Jän­ner 2012 zwei sol­che Tref­fen. Am 19.1. bestä­tig­te das Ober­lan­des­ge­richt Inns­bruck die Ver­ur­tei­lung von sie­ben ehe­ma­li­gen RFJ-Funk­tio­nä­ren, dar­un­ter Chris­ti­an H. wegen Falsch­aus­sa­gen, die sie zu einem Vor­trag über den Holo­caust und die Waf­fen-SS im ehe­ma­li­gen Frei­heit­li­chen Frei­zeit­zen­trum gemacht hatten.

Das nächs­te Tref­fen fand dann eine Woche spä­ter vor einem Geschwo­re­nen­ge­richt in Inns­bruck statt. Dies­mal ging es um das besag­te Grill­fest im Wald und eini­ge „Vor­glüh­par­tys“, deren Gemein­sam­keit die ein­schlä­gi­gen Tat­hand­lun­gen laut Ankla­ge waren. Ein Kame­rad – der mit den pikan­ten Tat­toos – hat­te sei­ne Ver­hand­lung schon hin­ter sich, Chris­ti­an H. hat noch ein wei­te­res Tref­fen vor sich. Der Pro­zess wur­de näm­lich zur Ladung neu­er Zeu­gen vertagt.

Chris­ti­an H., der auch als FPÖ-Gemein­de­rat tätig war, ist im Jahr 2011 „aus eige­nen Stü­cken“ (FPÖ Tirol) aus der Par­tei aus­ge­tre­ten. Die Ver­stim­mung zwi­schen ihm und der Par­tei kann also nicht so groß gewe­sen sein. Ähn­li­ches gilt ja auch für den Kame­ra­den mit den pikan­ten Tat­toos, Sebas­ti­an F., der im Juni 2011 bei einer FPÖ-Orts­grup­pe gesich­tet wur­de.

Vor Gericht stritt Chris­ti­an H. ab, an dem besag­ten Grill­fest über­haupt anwe­send gewe­sen zu sein. Auf Fes­ten der FPÖ und des RFJ sei er hin­ge­gen schon gewe­sen, aber dort habe es nie der­ar­ti­ge „Vor­fäl­le“ gege­ben. Rund drei­mal habe er auch mit Sebas­ti­an F. gefei­ert und dabei „so zwei Bier“ getrun­ken und dazu laut „Ramm­stein“ gehört, „was ja nicht ver­bo­ten ist“.

In den poli­zei­li­chen Ein­ver­nah­men hat­ten meh­re­re Zeu­gen aber aus­ge­sagt, dass Chris­ti­an H, der Roll­stuhl­fah­rer ist, nicht nur „Heil Hit­ler“ und „Sieg Heil“ geru­fen, son­dern auch auf den Füh­rer ange­sto­ßen habe. Die Ver­hand­lung wur­de des­halb zur Ladung von Zeu­gen vertagt.

(Quel­len: Stan­dard, 27.1.2012, Tiro­ler Tages­zei­tung, 20. und 27.1.2012)