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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 2 Minuten

Der Burschiball, Darabos und die „feige Bourgeoisie“

Mar­tin Graf, der Vor­kämp­fer aller Bur­schien­schaf­ter im Par­la­ment, ist seit Wochen völ­lig aus dem Häus­chen. Seit­dem die Betriebs­ge­sell­schaft der Hof­burg bekannt­ge­ge­ben hat, dass der Ball der Bur­schen ab 2013 nicht mehr in der Hof­burg statt­fin­den wird, geht es rund bei unzensuriert.at, der „E‑Plattform” von Mar­tin Graf & Co. Und jetzt ver­bie­tet Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Dara­bos auch noch das Tra­gen von Uni­for­men am Burschiball!

19. Jan. 2012

In der Beant­wor­tung (pdf) der par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge (pdf) betr. Rechts­extre­mis­mus und Ball des Wie­ner Kor­po­ra­ti­ons­rin­ges erklär­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Dara­bos, dass er den Mili­tär­kom­man­dan­ten von Wien anwei­sen wer­de, die „Teil­nah­me in Uni­form“ am Bur­schen­schaf­ter­ball zu unter­sa­gen. Die Unter­sa­gung wur­de in der Ein­lei­tung der Anfra­ge­be­ant­wor­tung auch kon­kret begründet:

Ein­lei­tend möch­te ich fest­hal­ten, dass Abord­nun­gen des Bun­des­hee­res sowie ein­zel­ne Sol­da­ten in Uni­form gem. § 34 der All­ge­mei­ne Dienst­vor­schrif­ten für das Bun­des­heer (ADV) auf Ein­la­dung der Ver­an­stal­ter an Ver­an­stal­tun­gen des Bun­des, der Län­der oder Gemein­den teil­neh­men oder mit­wir­ken dür­fen. An ande­ren Ver­an­stal­tun­gen dür­fen Sol­da­ten in Uni­form nur mit Bewil­li­gung des zustän­di­gen Mili­tär­kom­man­dan­ten teil­neh­men. Dar­über hin­aus darf die­se Bewil­li­gung nur dann erteilt wer­den, wenn die Ver­an­stal­tung kei­nen par­tei­po­li­ti­schen Cha­rak­ter trägt und erwar­tet wer­den kann, dass sie einen sol­chen auch nicht durch die Ver­an­stal­ter erhält. Nicht uner­wähnt möch­te ich las­sen, dass für Wehr­pflich­ti­ge des Miliz- und des Reser­ve­stan­des im Sin­ne der Aus­füh­run­gen des Wehr­ge­set­zes 2001 eine ähn­li­che Rege­lung gilt.

Über unzensuriert.at lässt Graf jetzt wis­sen, was aus der Unter­sa­gung fol­gen könn­te: Degra­die­rung, Befehls­ver­wei­ge­rung bzw. der offe­ne Aufstand:

Dass sich ein­zel­ne Hee­res­an­ge­hö­ri­ge dem Ver­bot wider­set­zen wer­den, darf ange­nom­men wer­den, wie Unzensuriert.at von ein­zel­nen Stamm­gäs­ten des Bal­les aus den Rei­hen des Bun­des­hee­res erfah­ren hat. All­fäl­li­ge Degra­die­run­gen könn­ten span­nen­de Aus­wir­kun­gen haben, ins­be­son­de­re dann wenn die Betrof­fe­nen Lei­tungs­funk­tio­nen inner­halb des Bun­des­hee­res inne­ha­ben. Dara­bos‘ ideo­lo­gisch moti­vier­ter Vor­stoß wür­de dann auch die Orga­ni­sa­ti­on des Hee­res gehö­rig durch­ein­an­der wir­beln, in ein­zel­nen Trup­pen­tei­len ver­mut­lich gänz­lich lahm­le­gen, wenn das Ver­bot gänz­lich igno­riert wer­den sollte.

Was darf noch alles „ange­nom­men“ wer­den? Eine Pro­test­wel­le, emp­foh­len von „betrof­fe­nen Offi­zie­ren“, natür­lich! Für­sorg­lich, wie unzensuriert.at nun ein­mal ist, wer­den auch gleich die Mail-Adres­sen der Mili­tär­kom­man­den bereit­ge­stellt, bei denen „die Bür­ger“ (nicht die „betrof­fe­nen Offi­zie­re“) pro­tes­tie­ren sol­len. Die „Bür­ger“ sol­len mutig sein, die „betrof­fe­nen Offi­zie­re“ sich aber fei­ge hin­ter den Bür­gern ver­ste­cken können?

Die „Bür­ger“? Mar­tin Graf hat schon Anfang Dezem­ber sei­nen „erbit­ter­ten Wider­stand“ gegen die Aus­la­dung durch die Hof­burg Betriebs­ge­sell­schaft ab 2013 ange­kün­digt und die „fei­ge Bour­geoi­sie” gegei­ßelt: „Es ist trau­rig fest­zu­stel­len, dass die Eigen­tü­mer­ver­tre­ter der Betrei­ber, die alle­samt zur fei­gen Bour­geoi­sie gehö­ren, einem extre­mis­ti­schen Druck von links nach­ge­ben.“ Des­we­gen baut Graf ver­mut­lich den rechts­extre­mis­ti­schen Druck auf, der sich inter­es­san­ter­wei­se am meis­ten gegen den kleins­ten Anteils­eig­ner der Hof­burg Betriebs­ge­sell­schaft, die Casi­nos Aus­tria, richtet.

Hängt das viel­leicht auch damit zusam­men, dass sich die FPÖ vom Glücks­spiel-Kon­kur­ren­ten der Casi­nos Aus­tria, der Novo­ma­tic, bes­ser betreut und umsorgt fühlt?

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