Wattens/ Innsbruck: Das „sexuelle Missverständnis“ eines Neonazi

Im Prozess vor dem Lan­des­gericht Inns­bruck am 8.November ging es „nur“ um bru­tale Verge­wal­ti­gung und Kör­per­ver­let­zung. Die NS-Wieder­betä­ti­gung des Wat­ten­er (22) war schon im Vor­jahr von einem Geschwore­nen­gericht abge­han­delt worden.

„Er hat mich über mehrere Monate hin­weg immer wieder verge­waltigt und mich stun­den­lang zusam­mengeschla­gen“ (Kro­ne Tirol, 9.11.2011), erzählte die junge Frau, die ein­mal seine Fre­undin war, dem Gericht über Video-Ein­spielung. Die Frau wurde geschla­gen, gewürgt, mit dem Kopf gegen Möbel gedroschen und immer wieder verge­waltigt. Erst auf Drän­gen der Mut­ter und Schwest­er entsch­ied sich die junge Frau für die Anzeige.

Der Angeklagte wollte seine Gewalt­tat­en völ­lig anders sehen: “Ang’riffen hab i sie schon, aber verge­waltigt sich­er nit“ (Kro­ne), erk­lärte er dem Gericht. Mehrere Zeu­gen, darunter eine Nach­barin und auch ein Fre­und des Angeklagten, sagten aber anderes aus.

Die Vertei­di­gung sprach zynisch von einem „Missver­ständ­nis in der Sex­u­al­prak­tik“ und der Angeklagte erk­lärte:“Wir hat­ten härteren Sex, aber im gegen­seit­i­gen Ein­ver­ständ­nis“ (Kro­ne). Über den Urteilsspruch des Schöf­fense­n­ats (zehn Jahre Haft, noch nicht recht­skräftig) wurde auch klar, dass es sich bei dem Angeklagten um einen im Jahr 2010 wegen NS- Wieder­betä­ti­gung zu 6 Monat­en bed­ingt verurteil­ten Neon­azi han­delte. Der Schöf­fense­n­at wider­rief näm­lich auch diese bed­ingte Haft­strafe. Damals war der Angeklagte dafür verurteilt wor­den, dass er im Jahr 2009 mit ein­er Gruppe Burschen, Nazi-Lieder grölend, durch Wat­tens marschiert war. Bei dem Verge­waltiger waren auch neon­azis­tis­che T‑Shirts mit der Auf­schrift „Ohne Sonne braun“ und „88“ bzw. „Com­bat 18“ gefun­den worden.

Quellen: Kro­ne Tirol,9.11.2011 bzw. 13.11.2010, Tirol­er Tageszeitung, 9.11.2011