Villach: Ein Augenzeuge ist traurig

Scheuch-Kri­tik­er soll­ten großräu­mig Kärn­ten auswe­ichen, wenn sie Kri­tik äußern wollen. Das kön­nte man als Kon­se­quenz aus den Vor­fällen der Tage nach dem Urteil gegen Uwe Scheuch sehen. Da ver­flucht zunächst der Chauf­feur von Uwe Scheuch den Richter und nimmt damit nur das ernst, was seine Parteioberen an Ver­wün­schun­gen der Gerichts­barkeit von sich gegeben haben. Beim Vil­lach­er Kirch­tag­sumzug am ver­gan­genen Woch­enende attack­ieren FPK-Aktivis­ten einen Mann, der ein T‑Shirt mit der Auf­schrift „Uwe geh in Häfn!“ trägt. Sie rem­peln ihn, treten ihn, wollen ihm das T‑Shirt zer­reißen. Ein Augen­zeuge und ein Polizist sehen das anders.

Der Chauf­feur von Uwe Scheuch hat sich für seinen Ban­n­fluch gegen den Richter („Daher wün­sche ich Ihnen, um das so schön wie möglich auszu­drück­en, alles Pech dieser Welt, das man haben kann. Und bei jed­er Panne, bei jedem Miss­geschick oder ein­fach bei allem was schiefge­ht bei Ihnen, sollen Sie sich an meinen Leser­brief erin­nern und an einen, wenn es das auch nie im Leben geben kann, „Fluch”, der an Ihnen kleben soll..“) wenig­stens nachträglich entschuldigt.

Der Polizist, der den T‑Shirt-Träger festgenom­men hat, nicht. Wie die „Kleine Zeitung“ (9.8.2011) meldet, wird der T‑Shirt-Träger Wolf­gang S. nach § 81 Sicher­heit­spolizeige­setz angezeigt. Von ein­er Anzeige wegen Wider­stand gegen die Staats­ge­walt ist nicht die Rede. Der Stadt­polizeikom­man­dant von Vil­lach: “Ein Kol­lege stellte fest, dass der Umzug durch diesen Her­rn hätte gestört wer­den kön­nen. Auf die Auf­forderung des Beamten wollte ihn der Mann aber nicht begleit­en und sich nicht ausweisen. Seine Ver­let­zun­gen wur­den doku­men­tiert, jet­zt erheben wir.“ (Neue Kärnt­ner Tageszeitung, 9.8.2011).

Ob bei den Erhe­bun­gen auf die Aus­sage des Augen­zeu­gen Hein­rich Stra­che zurück­ge­grif­f­en wird, scheint fraglich. Stra­che hat­te am Mon­tag, 8.8.2011 die Berichter­stat­tung zu dem Vor­fall als „völ­lig abseits der Wahrheit“ kri­tisiert. Er habe den Vor­fall als „Augen­zeuge“ mit­bekom­men und sei „trau­rig“ über die „völ­lig falsche Darstel­lung“ durch die Medi­en. Der T‑Shirt-Träger sei „mit Fäusten gegen den Exeku­tivbeamten los­ge­gan­gen“ (Quelle: derstandard.at).

Ein schw­er­er Vor­wurf, den man nur deshalb etwas leichter nehmen kann, weil schon ein­mal ein anderes Sin­nesor­gan des Parteivor­sitzen­den Stra­che eigen­tüm­liche Wahrnehmungen gemacht hat. Hin­ter einem Schnaufer wollte er „Sieg Heil“ oder „Heil Hitler“ ent­deckt haben und strengte ein Wieder­betä­ti­gungsver­fahren (wegen Ans­tiftung) gegen den ORF-Redak­teur Ed Moschitz an. Gegen den Ohren­zeu­gen läuft noch ein Ver­fahren wegen des Ver­dachts der falschen Zeu­ge­naus­sage und Ver­leum­dung, das Ver­fahren gegen Ed Moschitz wurde eingestellt.

Nach den Ohren jet­zt die Augen! Nicht nur trau­rig, son­dern tragisch!