Klagenfurt: Ehrenbürger Hitler gefunden!

Kla­gen­furt hat einige bekan­nte Ehren­bürg­er: Udo Jür­gens, Repub­lik­grün­der Karl Ren­ner und der Alt- und Langzeit­bürg­er­meis­ter Leopold Guggen­berg­er natür­lich. Jet­zt ist ein ander­er aufge­taucht: Adolf Hitler. Auf einem Bild­doku­ment, so der Vizedi­rek­tor des Kärnt­ner Lan­desarchivs, Wil­helm Deuer, ist zu sehen, wie der Fürst­bischof Adam Hefter Hitler bei dessen Kla­gen­furtbe­such zur Ehren­bürg­er­schaft gratulierte.

Jet­zt wird im Mag­is­trat Kla­gen­furt nach Doku­menten gesucht, denn noch ist man sich im Unklaren, ob Hitler damals die Ehren­bürg­er­schaft per Beschluss oder „sym­bol­isch“ ver­liehen wurde. Im Gold­e­nen Buch der Stadt Kla­gen­furt muss man jeden­falls nicht mehr zu suchen, denn die Seite mit Hitlers Ein­trag wurde dort nach 1945 ein­fach herausgeschnitten.

Für den Beschluss des Gemein­der­ates sollte es eigentlich keine Rolle spie­len, ob die Ehren­bürg­er­schaft sym­bol­isch oder über einen Beschlus­sakt ver­liehen wurde. Aber auch in Kla­gen­furt ist es nicht so ein­fach: Zunächst hieß es noch aus dem Büro des Bürg­er­meis­ters Chris­t­ian Schei­der (FPK), es gebe keine Hin­weise für eine Ehren­bürg­er­schaft. Kurz darauf eine Erk­lärung der Vize­bürg­er­meis­terin Math­i­aschitz (SPÖ) mit dem Ver­weis auf das im Lan­desarchiv gefun­dene Bild­doku­ment. Danach eine neuer­liche Erk­lärung des Bürg­er­meis­ters: Es gebe noch immer keine Beweise für eine Ehren­bürg­er­schaft, aber „Jubel­berichte in den Medi­en der Nazi-Dik­tatur über einen ange­blichen Kla­gen­furter Ehren­bürg­er­brief“ (APA, 26.5.2011). Der Bürg­er­meis­ter äußerte dann noch die nicht uno­rig­inelle Rechtsmei­n­ung, dass die Ehren­bürg­er­schaft ohne­hin ungültig sei, weil es im April 1938 keine ord­nungs­gemäße Stadtregierung mehr gab. Damit fügte der Bürg­er­meis­ter den zahlre­ichen Erk­lärun­gen, warum man die Ehren­bürg­er­schaft Hitlers nicht aufheben müsse, eine weit­ere hinzu.


Die Gemein­de­ord­nun­gen sind unbes­timmt, was die zeitliche Wirkung von Ehren­bürg­er­schaften betrifft

Zur Erin­nerung: Die FPÖ Amstet­ten ist der Mei­n­ung, dass die Direk­tive 38 des Alli­ierten Kon­troll­rates aus 1946 die Ehren­bürg­er­schaft für Hauptschuldige des Nazi-Regimes schon aufge­hoben habe. Das Prob­lem dabei: Der Kon­troll­rat hat­te Befug­nisse für Deutsch­land, nicht für Öster­re­ich, und Hitler war nicht davon betrof­fen, weil er sich ein­er Verurteilung durch Selb­st­mord ent­zo­gen hatte.

Mit­tler­weile dürfte die Sache in Kla­gen­furt aber selb­st für den FPK-Bürg­er­meis­ter klar sein: In der näch­sten Gemein­der­atssitzung soll die Aberken­nung beschlossen wer­den. Ein Hin­weis ist noch bemerkenswert: Wil­helm Deuer vom Lan­desarchiv emp­fahl „allen Gemein­den, sich sorgfältig mit ihrer Geschichte zu befassen und bei Unsicher­heit­en einen ‚klaren Schnitt‘ zu set­zen“ (Kleine Zeitung, 26.5.2011).

Das empfehlen auch His­torik­er aus Salzburg, wo jet­zt neben Mautern­dorf mit Göring auch Tweng mit Hitler in der Liste der Verdächti­gen aufge­taucht ist: „Angesichts der Mil­lio­nen Men­schen, die dem Nation­al­sozial­is­mus durch Ver­fol­gung von Ander­s­denk­enden und Min­der­heit­en sowie durch den Krieg zum Opfer gefall­en sind, soll­ten sich Gemein­den dem stellen und solche Ehren­bürg­er­schaften auch offiziell und öffentlich aberkennen.”

In Niederöster­re­ich will Waidhofen/Ybbs jet­zt doch zumin­d­est einen Fest­stel­lungs­beschluss fassen, dass Hitler kein Ehren­bürg­er mehr ist.