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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Ein Professor und seine Zweifel zum Holocaust

Die straf­recht­li­chen Ermitt­lun­gen gegen den Wis­sen­schaf­ter der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät (WU) Wien, der im Jän­ner 2012 „kei­ne Mei­nung zu Gas­kam­mern“ hat­te, wur­den im Mai 2012 ein­ge­stellt, sei­ne Sus­pen­die­rung als Leh­ren­der im März 2013 auf­ge­ho­ben. Jetzt hat aber die Dis­zi­pli­nar­be­hör­de geur­teilt und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Franz Hör­mann zu einer Geld­stra­fe verurteilt.

31. Okt. 2013

Im Jän­ner 2012 hat­te Franz Hör­mann, außer­or­dent­li­cher Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor der WU, in einem Inter­view mit der Stu­den­ten­zeit­schrift „Stand­punk­te“ erklärt: „Ich kann die Fra­ge, ob es wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus Gas­kam­mern gege­ben hat, nicht beant­wor­ten. Die Gescheh­nis­se sind schon zu lan­ge ver­gan­gen; ich bin nicht dabei gewe­sen. Ich habe kei­ne Mei­nung zu Gaskammern.“

Das Inter­view hat­te damals zu etli­chen Reak­tio­nen geführt. Bei der Grup­pe „Occu­py Aus­tria“, für die Hör­mann auch als Vor­tra­gen­der bzw. Red­ner tätig war, gab es hef­ti­ge Debat­ten, bei der Staats­an­walt­schaft eine Anzei­ge nach § 3h NS-Ver­bots­ge­setz, und sei­ne Uni­ver­si­tät reagier­te mit der Sus­pen­die­rung bzw. einem Disziplinarverfahren.

In einem Inter­view mit dem „Stan­dard“ setz­te Hör­mann damals noch nach: „Wie defi­nie­ren Sie Objek­ti­vi­tät? Alles, was wir haben, sind Gebäu­de­res­te, Fotos und Beschreibungen.“


derstandard.at — Occu­py ringt um Posi­ti­on zu Rech­ten und Sektierern

Im Nach­satz bezeich­ne­te Hör­mann den Holo­caust „auf jeden Fall (als) ein Ver­bre­chen“. Hör­mann ver­tei­dig­te in dem Inter­view aber auch die klar anti­se­mi­ti­schen Äuße­run­gen von Hans-Jörg Klauss­ner, der damals als Gene­ral­se­kre­tär der von Hör­mann gegrün­de­ten „Human-Way“-Partei fun­gier­te. Er tei­le zwar nicht alle Ansich­ten von Klauss­ner, aber: „In der Par­tei sind alle will­kom­men, auch Nazis.“ (Der Stan­dard)

Im Mai 2012 stell­te die Staats­an­walt­schaft Wien ihre Ermitt­lun­gen gegen Hör­mann ein, weil der Tat­be­stand der Holo­caust-Leug­nung nicht erfüllt sei. Dem­nach läge „bei (allen­falls auch nur vor­ge­täusch­ter) per­sön­li­cher Unsi­cher­heit hin­sicht­lich der Exis­tenz von Gas­kam­mern weder ein direk­tes noch ein indi­rek­tes Abstrei­ten bzw. Ver­nei­nen, wie es für die Ver­wirk­li­chung des in Rede ste­hen­den Tat­be­stan­des durch ‚Leug­nen’ erfor­der­lich ist, vor“ (APA, 10.5.12).

Im März 2013 wur­de Hör­manns Sus­pen­die­rung als Leh­ren­der an der WU auf­ge­ho­ben, das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ging aller­dings in die Berufung.

„Human-Way“ , die von Hör­mann gegrün­de­te Par­tei bzw. Bewe­gung, ver­such­te zwi­schen­zeit­lich im Rah­men der Platt­form „Mut­bür­ger in Öster­reich“, bei den Land­tags­wah­len in Nie­der­ös­ter­reich bzw. bei den Natio­nal­rats­wah­len 2013 zu punk­ten – ohne Erfolg. Der Par­tei „Mut­bür­ger“ gehö­ren neben „Human Way“ wei­te­re pro­ble­ma­ti­sche „Part­ner“ wie „NFÖ – Bünd­nis Neu­tra­les Öster­reich“ und „willwaehlen.at“ an. „Human-Way“ selbst bie­tet der­zeit neben ein­schlä­gig rechts­extre­men Infos wie etwa von „Honig­mann“ auch Eso­te­ri­sches an. Ganz aktu­ell einen Vor­trag über „spi­ri­tu­el­le Phy­sik“ zum The­ma: „Zei­chen wei­sen uns den Weg — über die Mög­lich­kei­ten des Geis­tes, die Zukunft zu befragen“


„Human Way” und „Honig­mann”

Die „Neue Vor­arl­ber­ger Tages­zei­tung“ berich­tet nun in ihrer Aus­ga­be vom 30.10.2013, dass die Beru­fungs­in­stanz im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, die Dis­zi­pli­na­rober­kom­mis­si­on beim Bun­des­kanz­ler­amt, den Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor zu einer Geld­stra­fe von einem Monats­ge­halt ver­ur­teilt hat. Eigent­lich, so die Behör­de, läge sogar ein „klas­si­scher Kün­di­gungs­grund“ vor, heißt es in der Ent­schei­dung, in der betont wird, dass der Pro­fes­sor „mit sei­ner ‚neu­tra­len‘ Hal­tung zu den Ver­bre­chen im Natio­nal­so­zia­lis­mus (…) dem Anse­hen der Uni­ver­si­tät gescha­det“ (NVT, 30.10.13) habe.

⇒ Ein selt­sa­mer Pro­fes­sor und sein Generalsekretär

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Schlagwörter: Antisemitismus | Anzeige | Holocaustleugnung/-verharmlosung | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung | Wien

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