Ein seltsamer Professor und sein Generalsekretär

26. January 2012

Der „Standard“ berichtet unter dem Titel „Occupy ringt um Position zu Rechten und Sektierern“ über die seltsamen Positionen des Ökonomen und WU-Professors Franz Hörmann und seines Generalsekretärs Klaussner zu Antisemitismus, Shoah bzw. den Konzentrations-und Vernichtungslagern der Nazis. Was bisher als „Missverständnis“ gehandelt wurde, wird jetzt zu einer Position, die den Verdacht der NS-Wiederbetätigung begründet.

In einem bisher unveröffentlichten Protokoll, das Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien für die Zeitung „Standpunkte“ führten, sagte Hörmann, er habe keine Meinung zu Gaskammern und die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus sei nicht endgültig geklärt. Gegenüber dem „Standard“ präzisierte Hörmann seine „Nicht-Meinung“: „Alles, was wir haben, sind Gebäudereste, Fotos und Beschreibungen“.

Hörmann ist Präsident der Human Way-Partei Österreich (HPÖ), die er gemeinsam mit seinem Generalsekretär Hans-Jürgen Klaussner im Vorjahr gegründet hat. Klaussner ist schon vorher durch antisemitische Äußerungen über das „Geldjudentum“ und das „neue Wirtschaftssystem“ der Nazis aufgefallen:

„Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist. Sie hatten berechtigt die nackte Angst im Nacken gespürt, als das neue Wirtschaftssystem des Deutschen Reiches ab 1933 die Arbeitslosigkeit mit fast zinslosem Geld ohne Golddeckung beseitigte und damit ein überragendes Beispiel für alle freiheitsliebenden Völker in Europa erschuf, das nur mit dem zweiten Weltkrieg wieder zum Verschwinden gebracht werden konnte.“ (zitiert nach Bernhard Jenny) .

Das ist nicht mehr verschwommener, sondern eindeutiger Revisionismus und eine Verharmlosung des Nazi-Regimes! Klaussner zieht schon eine breite Spur von Unternehmensgründungen und -liquidationen hinter sich her (siehe z.B. das Bieler Tagblatt, dessen Bericht nur über Google Cache abrufbar ist) und wird auch. so wie Hörmann selbst, vom Co-Autor des Buches „Das Ende des Geldes“, Otmar Pregetter wegen deren Positionen heftig angegriffen.

Spannend ist noch die Frage, ob die Parteigründung von der Behörde akzeptiert wurde. Zum einen gibt es schon eine rechtsextreme Partei, die das gleiche Kürzel hat, zum zweiten dürfte die Behörde die Partei nicht akzeptieren, wenn schon vor ihrer Gründung bzw. in den Statuten „Einschlägiges“ aufgetaucht ist. Ein Posting im „Standard“ deutet auch darauf hin, dass es sich bei der Parteigründung möglicherweise um ein neues Geschäftsmodell von Klaussner handelt.

Die Wirtschaftsuniversität Wien hat jedenfalls angekündigt, dass sie – sollten sich die Aussagen Hörmanns als authentisch erweisen – die Suspendierung von Hörmann einleiten und Strafanzeige nach dem Verbotsgesetz einleiten will.

Occupy Austria, wo Hörmann als Redner aufgetreten ist, diskutiert derzeit jedenfalls in den verschiedensten Foren (Jenny und Sonderegger) über Hörmann, Klaussner und den Antisemitismus. Dass der Antisemitismus auch etwas mit den geld- bzw. kredittheoretischen Positionen der beiden zu tun haben könnte – diese Diskussion steht noch an. Hier deshalb ein Link zu Beiträgen von Elmar Altvater bzw. Exner/ Grohmann, die sich mit der Freiwirtschaftslehre und deren Geld- und Zinstheorie auseinandersetzen.

userpage.fu-berlin.de – Elmar Altvater, Eine andere Welt mit welchem Geld?
streifzuege.org – Andreas Exner, Stephanie Grohmann, Bye Bye Zinskritik