„Sehr eindeutig Verhetzung, Aufstacheln zum Hass“, sei es, was der Angeklagte gemacht habe, befand die Richterin. Franz Christian Veber, der am 13. Juli in Innsbruck vor Gericht stand, publiziert(e) als „Chris Veber” regelmäßig für die Desinformationsplattform Report24 und den ähnlich gelagerten Der Status. Beide Plattformen werden im Kapitel „Heterodoxer Extremismus“ des aktuellen Verfassungsschutzberichts erwähnt. Report24 verbreite „rechtsextremes, staatsfeindliches sowie verschwörungsideologisches Gedankengut“, DerStatus hingegen „eine Kombination aus Kritik am ‚Mainstream‘, verschwörungsideologischen Inhalten und rechtsextremen Parolen“. Mit „über 500 Artikeln“, die er gratis verfasst habe, wie er vor Gericht behauptete, ist Veber dort beileibe kein Gelegenheitsautor, sondern offenbar ein beliebter Content-Lieferant für die Fakenews-Schleudern.
Topfen statt Fakten
Liest man Vebers mittlerweile gelöschten Post, der ihn vor Gericht brachte, verwundert die Einschätzung der Richterin kaum: „Wir importieren Asylanten mit einem durchschnittlichen IQ an der Debilitätsgrenze. Die Asylanten vergewaltigen Kinder. Aufgrund ihrer Debilität werden die Asylanten von der Justiz geschont.”
In einem ähnlichen Duktus geht es weiter: Veber schreibt von „dummen, mittelalterlich gewalttätig sozialisierten, islamischen Kulturen“. Der „Schwachsinn“ sei „in diesen Ländern“ gang und gäbe. Da bleibt nicht mehr viel zu sagen.
Auslöser seines Postings war ein Artikel über einen in Norwegen verurteilten syrischen Sexualstraftäter – verfasst just von einem rechtsextremen Journalisten, der im letzten Jahr eine Haftstrafe wegen schweren Betrugs absitzen musste.

Die Verteidigungslinie des Innsbruckers mit seinem ausgeprägten Sendungsbedürfnis war so klar wie vorhersehbar: Er habe nichts gegen „Asylanten“ allgemein, kenne „Kubaner und Afghanen persönlich“ und natürlich: „Meinungsfreiheit!“ Weiters behauptete Veber, seine Aussagen seien „Fakten und keine Verhetzung“. Dem widersprach die Richterin entschieden: „Das ist ein Topfen, was Sie sagen.“ Dass dieser Prozess mit einer Verurteilung endete, ist vielleicht weniger überraschend als die Vorgeschichte des Angeklagten.
„Ex-Grüner“
Veber lässt kaum eine Gelegenheit aus, unerwähnt zu lassen, dass er früher bei den Grünen war. Laut seinen eigenen Angaben soll er ab 2010 Bundeskongressdelegierter der Innsbrucker Grünen gewesen sein – wobei das mit den Fakten bei Chris Veber ja relativ ist. Sie liegen bei ihm bekanntlich nahe am „Topfen“. Belegt ist jedenfalls, dass sich Veber im Jahr 2017 um die Spitzenkandidatur der Tiroler Grünen bewarb, damit aber scheiterte. Schon damals begann Vebers Fixierung auf das Thema Anti-Migration, was letztlich zum Bruch mit den Grünen führte.
Gescheitert ist Vebers politische Laufbahn aber nicht nur einmal. 2019 gab er bekannt, künftig mit der Kleinstpartei „TUN – Transparente Unabhängige Neue Gesellschaft“ politisch aktiv zu sein. Mit TUN machte er 2024 Stimmung gegen die Aufnahme von Asylsuchenden und wetterte gegen die Vergabe städtischer Fördergelder für die Regenbogenparade. In einem Interview äußerte er seine Angst vor einem „Klimafaschismus“. Vebers Verschwörungstheorie zur Corona-Pandemie rundet das Bild ab: „Corona war geplant als ewige Geschichte.“ Mit dieser wilden Mischung kündigte er an, Innsbrucks Bürgermeister werden zu wollen. Auch daraus wurde nichts: Mit nur 204 Stimmen (ganzen 0,34 Prozent) scheiterte die Liste TUN deutlich am Einzug in den Innsbrucker Gemeinderat und er selbst mit noch weniger Stimmen bei der Bürgermeisterwahl.
Beruflich ist Veber im Immobilien-Business und an einem Spiele- und Filmversand beteiligt, dessen aktueller Topseller kaum zufällig der Anti-Migranten-Selbstjustiz-Thriller „Citizen Vigilante“ ist.
Urteil und Nachgang
Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Verhetzung zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro. Weil Veber unmittelbar nach der Verhandlung Berufung ankündigte, ist die Entscheidung nicht rechtskräftig.
Aber es wäre nicht Veber, würde er es beim Rechtsstreit belassen. Schon zwei Tage nach dem Gerichtsprozess postete er auf all seinen Kanälen ellenlange Beiträge und Videos zu seiner Verurteilung „durch die Schergen des Terrorstaates“, wie er das nennt.

Darin heißt es: „Der Souverän wird Österreich gründlich entwokeisieren müssen, um das Land wieder auf die richtige Spur zu bringen.“ Und selbst das Kernthema seines Gerichtsprozesses lässt er nicht unangetastet, sondern schüttet weiter Öl ins juristische Feuer: „Wenn sie einem Syrer auf der Straße begegnen, steigt Ihr STATISTISCHES Vergewaltigungsrisiko um das 10-Fache. Wenn sie fünf Syrern begegnen, sollten Sie rennen.”
Es bleibt damit zu befürchten, dass wir Franz Christian Veber nicht das letzte Mal vor Gericht erleben werden.
Vielen Dank für die Prozessbeobachtung!
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