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Lesezeit: 3 Minuten

Doku-Tipp: Die Burschentage – Kaderschmiede der neuen Rechten

Spie­gel TV beglei­te­te den Bur­schen­tag der „Deut­schen Bur­schen­schaft“ in Eisen­ach. Die Repor­ta­ge führt in ein Milieu aus schla­gen­den Män­ner­bün­den, AfD-Per­so­nal, Neo­na­zi-Kon­tak­ten und Pres­se­feind­lich­keit – mit öster­rei­chi­scher Beteiligung.

18. Juni 2026
Die Burschentage – Kaderschmiede der neuen Rechten
Die Burschentage – Kaderschmiede der neuen Rechten

Treffpunkt Eisenach: Rechts sein, schweigen, abschotten

Vom 27. bis 31. Mai 2026 traf sich die „Deut­sche Bur­schen­schaft“ in Eisen­ach (Thü­rin­gen) zum all­jähr­li­chen Bur­schen- und Alt­her­ren­tag. Rund 300 Bur­schen­schaf­ter sol­len teil­ge­nom­men haben. Der Dach­ver­band beschreibt sich selbst als Zusam­men­schluss von rund 4.500 Mit­glie­dern in 66 Bur­schen­schaf­ten in Deutsch­land und Öster­reich. Eisen­ach ist daher auch Treff­punkt des öster­rei­chi­schen deutsch­na­tio­na­len Schmiss-Milieus.

Spie­gel TV ver­sucht, Bur­schen­schaf­ter zu inter­view­en. Sobald die Fra­gen kon­kre­ter wer­den, endet die Aus­kunfts­freu­de. Das Kame­ra­team wird vom Gelän­de ver­wie­sen, Nach­fra­gen wer­den abgeblockt.

Ein Teil­neh­mer ord­net sich auf Nach­fra­ge poli­tisch „sehr rechts“ ein. Auf die Fra­ge, ob er für die Vor­stel­lung einer wei­ßen Ras­se ste­he, ant­wor­tet ein ande­rer: „Immer.“ Wie bestellt, doku­men­tiert Spie­gel TV eine White-Power-Ges­te am Rand des Tref­fens. Das „dok­u­netz­werk rhein main“ foto­gra­fier­te einen wei­te­ren Teil­neh­mer mit der White Power-Ges­te: Andre­as Hin­ter­eg­ger. Iden­ti­tä­rer, Mit­glied der rechts­extre­men Bur­schen­schaft Teu­to­nia Wien und par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter der FPÖ.

Andreas Hinteregger mit White-Power-Geste beim Burschentag 2026 in Eisenach (dokunetzwerk rhein main)
Andre­as Hin­ter­eg­ger mit White-Power-Ges­te beim Bur­schen­tag 2026 in Eisen­ach (dok­u­netz­werk rhein main)

Neonazis & AfD

Die Erlan­ger Bur­schen­schaft Fran­ko­nia führt der­zeit den Vor­sitz des Dach­ver­bands „Deut­sche Bur­schen­schaft“ (DB). Der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet die Fran­ko­nia wegen zahl­rei­cher Ver­bin­dun­gen in die rechts­extre­me Sze­ne. Phil­ipp Comp­te, Fran­ko­nia-Bun­des­bru­der und Vor­sit­zen­der des DB, wird in Eisen­ach mit sei­ner Rei­se zum „Tag der Ehre“ in Buda­pest kon­fron­tiert, wo Neo­na­zis aus Euro­pa Wehr­macht und Waf­fen-SS ver­herr­li­chen. Spie­gel TV zeigt außer­dem Auf­nah­men aus dem Umfeld des Erlan­ger Ver­bin­dungs­hau­ses: Unter den Besu­chern befin­det sich Thors­ten Koku­la, Lan­des­chef der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei „Der III. Weg“ in Bay­ern. Ant­wor­ten von Comp­te oder der Fran­ko­nia blei­ben aus.

Die AfD durch­zieht die Repor­ta­ge als par­la­men­ta­ri­scher Arm die­ses Milieus. Ben­ja­min Nol­te, AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in Bay­ern, ist beim Bur­schen­tag anwe­send, möch­te dort aber als „deut­scher Bur­schen­schaft­ler“ ange­spro­chen wer­den. Ben­ja­min Stei­ner aus Rhein­land-Pfalz taucht eben­falls auf. Eben­falls Kevin Dorow, AfD-Nach­wuchs­po­li­ti­ker aus Schles­wig-Hol­stein. Er gehört der Ham­bur­ger Ger­ma­nia an und ist Schrift­lei­ter der „Bur­schen­schaft­li­chen Blät­ter“, des Zen­tral­or­gans der DB.. In sei­ner Rede bei der Grün­dungs­ver­an­stal­tung der neu­en AfD-Par­tei­ju­gend ver­wen­de­te Dorow die Hit­ler­ju­gend-Paro­le „Jugend muss durch Jugend geführt wer­den“; die Staats­an­walt­schaft prüft die Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Organisationen.

Die Messerattacke von Bingen

Schweig­sam geben sich die Bur­schen­schaf­ter in Eisen­ach auch zum Fall Flo­ri­an K. Der hat­te 2023 Leon L., selbst Mit­glied einer libe­ra­len, nicht­schla­gen­den Ver­bin­dung, in Bin­gen (Rhein­land-Pfalz) mit einem Mes­ser ange­grif­fen. K. war damals Teil der Mar­bur­ger Bur­schen­schaft Rheinfran­ken, eben­falls Mit­glied im DB. Das Land­ge­richt Mainz ver­ur­teil­te K. drei Wochen vor dem Bur­schen­tag wegen ver­such­ten Tot­schlags zu vier­ein­halb Jah­ren Haft; die Ver­tei­di­gung leg­te Revi­si­on ein. Der Täter habe zuerst ein NS-Pro­pa­gan­da-Lied abge­spielt und spä­ter mehr­fach zuge­sto­chen – in Tötungs­ab­sicht, wird vom Gericht fest­ge­stellt. Ver­tei­digt wur­de K. von Björn Cle­mens, einem Bur­schen­schaf­ter der Rheinfran­ken und in der Sze­ne bekann­ten Neo­na­zi-Anwalt. In Eisen­ach wird Dorow zum Fall befragt.

Spie­gel TV: Wie haben Sie das denn inner­halb der Bur­schen­schaft diskutiert?
Dorow: War­um soll­ten wir das inner­halb der Bur­schen­schaft diskutieren?

Deutschlandlied im Fackelschein

Am Ende mar­schie­ren die Bur­schen­schaf­ter mit Fackeln zum Denk­mal. Ein Ord­ner aus der Alten Bres­lau­er Bur­schen­schaft der Rac­zeks zu Bonn behin­dert die Pres­se. Spie­gel TV kon­fron­tiert ihn mit Fotos eines White-Power-Gru­ßes und sei­ner mut­maß­li­chen Teil­nah­me bei einer Sonn­wend­fei­er der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der neo­na­zis­ti­schen Par­tei „Die Hei­mat“. „In Eisen­ach weicht der stramm rech­te Bur­schen­schaft­ler Nach­fra­gen dazu aus.“

Beim Bur­schen­schafts­denk­mal auf der Eisen­acher Göpel­skup­pe erklingt die ers­te Stro­phe des Deutsch­land­lieds, seit 1945 ein deutsch­na­tio­na­les Signal mit schwe­rer his­to­ri­scher Belas­tung. Damit und der Fest­stel­lung, „Ein ver­stö­ren­des Schau­spiel, genau wie der Ein­klang aus Bur­schen, AfD und Neo­na­zis“, endet die Reportage.

Die Burschentage – Kaderschmiede der neuen Rechten (Spiegel TV 2026, 15‘)

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Schlagwörter: AfD | Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | Neonazismus/Neofaschismus | Rechtsextremismus | Weite Welt

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