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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Udo Ulfkotte: Dem Strache sein Epimenides

Heinz-Chris­ti­an Stra­che ist begeis­tert: Auf der Suche nach Unter­stüt­zung für sei­nen Russ­land-Kurs hat er jetzt einen Jour­na­lis­ten vom Kopp-Ver­lag gefun­den. Udo Ulfkot­te, der gera­de sein jüngs­tes Buch „Gekauf­te Jour­na­lis­ten“ ver­kauft, hat in Stra­che einen beherz­ten Für­spre­cher gefun­den. Hat der Ober­blaue eine Ahnung, auf wen er sich da ein­ge­las­sen hat?

15. Okt. 2014

Stra­che ist regel­recht enthu­si­as­miert: „Ein west­li­cher Jour­na­list mel­det sich mutig zu Wort! Respekt!”, ver­kün­det er sei­nen Face­book-Fans und prä­sen­tiert ihnen zum Beweis ein Video-Inter­view mit Udo Ulfkot­te vom rus­si­schen Nach­rich­ten­sen­der Rus­sia Today. Der erklärt dort in drei­zehn Minu­ten unter ande­rem, dass Jour­na­lis­ten wie er aus­ge­bil­det wur­den, um zu lügen und zu betrü­gen. Die­ser Satz erin­nert an das Para­do­xon von Epi­men­i­des, dem Kre­ter, der sag­te, dass alle Kre­ter lügen.

Was sol­len wir uns den­ken über Ulfkot­te, den Jour­na­lis­ten, der sagt, dass alle Jour­na­lis­ten zum Lügen, Betrü­gen und Mani­pu­lie­ren aus­ge­bil­det wer­den, dass sie von Mil­li­ar­dä­ren und von den USA besto­chen wer­den? Wir ver­su­chen zunächst ein­mal, uns dem Jour­na­lis­ten bio­gra­phisch zu nähern. Wiki­pe­dia bleibt ziem­lich vage über die letz­ten zehn Jah­re des Udo Ulfkot­te. Vor­her war Ulfkot­te Redak­teur bei der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. Im Inter­view mit Rus­sia Today „ent­hüllt“ Ulfkot­te, dass er für die FAZ einen Bericht über Liby­en gezeich­net habe, der kom­plett vom Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) stamm­te. Ulfkot­te ent­hüllt damit sich selbst und sei­ne kor­rup­ten Prak­ti­ken, ver­mut­lich auch die von Wesens­ver­wand­ten, aber sicher nicht die von allen.

Oder ist er doch ein Aus­stei­ger, einer, der aus­pa­cken und abrech­nen will, der mit sei­ner Ver­gan­gen­heit radi­kal gebro­chen hat? Im Inter­view mit Rus­sia Today nennt er als sein Motiv den angeb­li­chen Ver­such der euro­päi­schen und US-Medi­en, „Krieg zu den Men­schen in Euro­pa und nach Russ­land zu brin­gen“. Dage­gen will er auf­ste­hen und sein Bekennt­nis able­gen, so Ulfkot­te. Das sagt auch Stra­che so ähn­lich und setzt sich dann mit Alex­an­der Dugin und einem rus­si­schen Olig­ar­chen an einen Tisch, die das Eura­si­en-Pro­jekt über die Unter­stüt­zung der pro­rus­si­schen Sepa­ra­tis­ten und einen schmut­zi­gen Krieg in der Ukrai­ne vor­wärts brin­gen wollen.

Auf Ulfkot­tes Home­page, mit der er in ers­ter Linie sei­ne Bücher bewirbt, prä­sen­tiert sich ein ande­rer Ulfkot­te. Da zeigt Ulfkot­te stolz sei­ne Ver­bin­dun­gen zu einem Estab­lish­ment, mit dem er doch angeb­lich gebro­chen hat:

Ulfkot­te ist Fel­low des Mar­shall Memo­ri­al Fund der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Er war Mit­glied im Pla­nungs­stab der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung. (…) Seit 2008 unter­rich­tet er an einer kali­for­ni­schen Uni­ver­si­tät Kon­kur­renz­be­ob­ach­tung, Abwehr von Wirt­schafts­spio­na­ge, Mer­gers & Acqui­si­ti­ons sowie Wirtschaftsethik.

Im Rus­sia Today-Inter­view beklagt Ulfkot­te, dass „alle Jour­na­lis­ten der wirk­lich respek­tier­ten und renom­mier­ten gro­ßen deut­schen Zei­tun­gen, Maga­zi­ne, Radio- und Fern­seh­sta­tio­nen (…) Mit­glie­der oder Gäs­te die­ser gro­ßen trans­at­lan­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen“ sind, in denen man auf den pro­ame­ri­ka­ni­schen Kurs getrimmt wird. Der Mar­shall Memo­ri­al Fund, des­sen” Fel­low” Ulfkot­te angeb­lich ist, gehört zu jenen Orga­ni­sa­tio­nen, die die trans­at­lan­ti­schen Bezie­hun­gen stär­ken wol­len. Was macht Ulfkot­te dort?

Das haben sich auch jene Neu­gie­ri­gen gefragt, die wis­sen woll­ten, ob Ulfkot­te wirk­lich an einer kali­for­ni­schen Uni­ver­si­tät das unter­rich­tet, was er auf sei­ner Home­page angibt. Die pri­va­te Oli­vet-Uni­ver­si­ty, die von Wiki­pe­dia als evan­ge­li­kal – pres­by­te­ria­nisch und „vom Pie­tis­mus geprägt“ beschrie­ben wird, weist in ihrer Such­funk­ti­on Ulfkot­te nicht aus. Die Inter­net­re­cher­che ergibt wenig Schmei­chel­haf­tes über Udos uni­ver­si­tä­re Kar­rie­re, es sei denn, Refe­ra­te in einer Bibel­schu­le zäh­len auch dazu.

Die Ein­bli­cke in den Lebens­lauf von Ulfkot­te geben nicht unbe­dingt Anlass dafür, irgend­ei­ne Form des Ver­trau­ens in sei­ne Aus­sa­gen zu ent­wi­ckeln – es sei denn, man will inbrüns­tig wie Stra­che und des­sen Fans dar­an glau­ben. Ulfkot­te selbst sieht sich als Spe­zia­list in Sachen Glau­ben. In den letz­ten Jah­ren ist er durch sei­ne „Islam-Kri­tik“ einer spe­zi­fi­schen Öffent­lich­keit und damit wohl auch Stra­che bekannt gewor­den. Aber was hat der fol­gen­de Satz mit Islam-Kri­tik zu tun?: „Wir müs­sen die Heu­schre­cken der Migra­ti­ons- und Inte­gra­ti­ons­in­dus­trie mit­samt ihren gefrä­ßi­gen Mit­es­sern auf strengs­te Diät set­zen und sie so schnell wie mög­lich und auf Dau­er los­wer­den.“ (Ulfkot­te, Kein Schwarz. Kein Rot. Kein Gold, S. 319)

Der deut­sche Jour­na­list Ste­fan Nig­ge­mei­er hat Ulfkot­te unmit­tel­bar beim Lügen (und Het­zen!) erwischt und dazu einen detail­lier­ten Bei­trag ver­fasst: „So lügt Udo Ulfkotte”

Stra­che ficht das natür­lich nicht an. Haupt­sa­che, er hat einen, dem er glau­ben will. Der Satz von Epi­men­i­des bzw. Ulfkot­te stimmt doch, oder ?

➡️ Anti­fa­in­fo­blatt (4.12.09): Udo Ulfkot­te und der KOPP-Verlag

 

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