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Lesezeit: 4 Minuten

Die blauen Abkassierer: Die schärfsten Kritiker der Elche sind selber welche!

1997 wur­de das alte Poli­ti­ker­pen­si­ons­sys­tem eigent­lich abge­schafft. Eigent­lich. Denn wie eine aktu­el­le Recher­che des ORF offen­legt, bezie­hen auch heu­te noch immer fast 500 Per­so­nen eine Poli­ti­ker­pen­si­on. In den Jah­ren vor der Abschaf­fung 1997 gehör­ten FPÖ-Poli­ti­ker zu den hef­tigs­ten Kri­ti­kern des alten Sys­tems. 1997 stimm­ten sie aber gegen ein neu­es Sys­tem und damit gegen die Abschaf­fung der alten Poli­ti­ker­pen­sio­nen. War­um das? Die Daten des ORF lie­fern eine Erklä­rung. FPÖ-Poli­ti­ker gehö­ren zu den unver­schäm­tes­ten Abkas­sie­rern. Eine Recher­che von Karl Öllinger.

20. Dez. 2025
Geldgeschenk (Symbolbild; pixabay neelam279; Hintergrundnachbearbeitung SdR)
Geldgeschenk (Symbolbild; pixabay neelam279; Hintergrundnachbearbeitung SdR)

462 Per­so­nen auf Bun­des- und auf Län­der­ebe­ne bezie­hen aktu­ell eine alte Poli­ti­ker­pen­si­on, hat der ORF (17.12.25) recher­chiert. Dazu kommt noch eine unbe­kann­te Anzahl an Per­so­nen, die eine Bür­ger­meis­ter­pen­si­on oder eine für die Tätig­keit als Gemein­de­arzt (gesi­chert in OÖ) erhal­ten (haben). Alles völ­lig legal, weil sich die Politiker:innen ihre Pen­si­ons­re­ge­lun­gen und ‑pri­vi­le­gi­en selbst geschrie­ben und beschlos­sen haben.

Das ist der ers­te gro­ße Unter­schied zu den Pen­si­ons­re­ge­lun­gen für den Groß­teil der Bevöl­ke­rung (ASVG, APG, GSVG usw.): Da beschlie­ßen Politiker*innen für andere.

Der zwei­te – rie­si­ge – Unter­schied: Die alten Poli­ti­ker­pen­sio­nen (vor­nehm „Ruhe­be­zü­ge“ genannt) gab es schon nach vier Jah­ren Tätig­keit als Regie­rungs­mit­glied oder zehn Jah­ren als Abge­ord­ne­te (Natio­nal­rat, Bun­des­rat, Land­tag), nicht erst nach drei­ßig, vier­zig oder fünf­zig Jah­ren Arbeit wie bei „nor­ma­len“ Pen­si­ons­ver­si­cher­ten. Die alte Poli­ti­ker­pen­si­on war fast aus­schließ­lich ein fet­tes „Zubrot“ zur außer­po­li­ti­schen Pen­si­on oder zu einem Aktiveinkommen.

Drit­ter Unter­schied: Die alte Poli­ti­ker­pen­si­on konn­te man schon im frü­hen Alter von 55 Jah­ren bean­spru­chen. Konn­te man, muss­te man aber nicht – und da nähern wir uns den blau­en Kri­ti­kern an, denn wie das schö­ne Sprich­wort sagt: Die schärfs­ten Kri­ti­ker der Elche sind sel­ber welche.

Als im Mai 1997 das alte Poli­ti­ker­ein­kom­mens- und ‑pen­si­ons­sys­tem abge­schafft wur­de, don­ner­te der dama­li­ge geschäfts­füh­ren­de Klub­ob­mann der FPÖ, Ewald Stad­ler, in der Ple­nar­sit­zung des Natio­nal­rats am 15.5.97:

Schäbig ist Ihre Art und Weise, wie Sie den Bürgern in die Taschen greifen und sich selber bedienen! Das ist schäbig, meine Damen und Herren! Damit Sie wissen, was schäbig ist! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Nie­mand hät­te damals ange­nom­men, dass Stad­ler nur weni­ge Mona­te nach die­ser Rede für das alte Sys­tem „optie­ren“, also für spä­ter eine Poli­ti­ker­pen­si­on bean­spru­chen wür­de. Heu­te wis­sen wir dank der ORF-Recher­che, dass Ewald Stad­ler seit 2023 eine Poli­ti­ker­pen­si­on erhält. Weil zumin­dest die Alters­gren­zen, ab denen eine der­ar­ti­ge Pen­si­on bean­sprucht wer­den kann, ange­ho­ben wur­den, muss­te Ewald Stad­ler immer­hin war­ten, bis er 62 wurde.

Das unter­schei­det ihn doch sehr deut­lich von Micha­el Schmid. Der war im Jahr 2000 rund zehn Mona­te FPÖ-Ver­kehrs­mi­nis­ter in der Regie­rung Schüs­sel I (Schwarz­blau). Für die­se kur­ze Zeit bean­spruch­te er noch im Jahr 2000, im Alter von 55 Jah­ren, eine fet­te Minis­ter­pen­si­on. Wie das ging? Schmid war zuvor, von Novem­ber 1990 bis Okto­ber 1991, Abge­ord­ne­ter im Natio­nal­rat und wech­sel­te dann als Lan­des­rat in die stei­ri­sche Lan­des­re­gie­rung, bis er mit der Mini-Minis­ter­tä­tig­keit sei­ne poli­ti­sche Kar­rie­re abschloss und die üppi­ge Minis­ter­pen­si­on aus­lös­te. Die Zei­ten als Natio­nal­rat und stei­ri­scher Lan­des­rat wur­den näm­lich auf die zehn Mona­te ange­rech­net und beweg­ten Schmid fünf Jah­re spä­ter (also mit 60) auch dazu, eine Pen­si­on als stei­ri­scher Lan­des­rat zu beanspruchen.

Die­ses damals völ­lig lega­le Kunst­stück, zwei Pen­sio­nen für weni­ge Jah­re zu erzie­len, beherrsch­ten auch ande­re Blaue – schon vor Schmid. Der erst vor weni­gen Wochen ver­stor­be­ne FPÖ-Poli­ti­ker Gerulf Murer (Sohn des „Schläch­ters von Wil­na“, Franz Murer) war 44 Mona­te lang Staats­se­kre­tär. Das war zwar um etli­che Mona­te län­ger als Schmid, aber doch zu kurz, um eine Poli­ti­ker­pen­si­on als Regie­rungs­mit­glied (vier Jah­re Mini­mum) zu lukrie­ren. Durch die Anrech­nung sei­ner Jah­re als Abge­ord­ne­ter schaff­te er es aber sofort nach dem Abgang aus dem Natio­nal­rat 1996, mit 55 Jah­ren, eine fet­te Pen­si­on als Staats­se­kre­tär aus­zu­lö­sen und für sei­ne 13 Jah­re als Natio­nal­rat noch eine zwei­te Politikerpension.

Hol­ger Bau­er war – wie Murer – FPÖ-Staats­se­kre­tär in der rot­blau­en Regie­rung Sino­watz: eben­falls für 44 Mona­te, also eigent­lich auch zu kurz. Weil er aber noch bis 1999 etwa 16 Jah­re lang Abge­ord­ne­ter war, wur­den ihm die­se Zei­ten ange­rech­net, und so schaff­te er die Staats­se­kre­tärs­pen­si­on bereits 1998 im Alter von 56 Jah­ren und eine fet­te Abge­ord­ne­ten­pen­si­on 1999 – mit 57 Jah­ren. Für letz­te­re wur­den ihm näm­lich auch sei­ne sie­ben Jah­re als Gemein­de­rat in Wien angerechnet.

Harald Ofner war in der rot­blau­en Regie­rung Sino­watz Jus­tiz­mi­nis­ter für 44 Mona­te – eben­falls zu kurz, um eine Minis­ter­pen­si­on zu erhal­ten. Bei sei­nem Aus­schei­den aus der Regie­rung war er 55 Jah­re alt, wech­sel­te in den Natio­nal­rat und setz­te sei­ne Rechts­an­walts­lauf­bahn fort. Das hin­der­te ihn nicht dar­an, sofort eine Minis­ter­pen­si­on zu bean­tra­gen (mit 55) und dann, nach dem Aus­schei­den aus dem Natio­nal­rat im Dezem­ber 2002, mit 70 Jah­ren noch eine zusätz­li­che Nationalratspension.

Nor­bert Ste­ger, Vize­kanz­ler in der rot­blau­en Regie­rung, schaff­te auch nur 44 Mona­te als Regie­rungs­mit­glied, war also eigent­lich nicht bezugs­be­rech­tigt. Weil er aber vor­her rund 90 Mona­te Abge­ord­ne­ter gewe­sen war (zu kurz für eine Abge­ord­ne­ten­pen­si­on), wur­den ihm die­se Mona­te ange­rech­net, und so ging sich für ihn immer­hin eine üppi­ge Poli­ti­ker­pen­si­on aus, die er mit 55 Jah­ren, ab 1999, ein­sa­cken durfte.

Reicht es schon? Einer geht noch! Wal­ter Prinz kennt zwar kaum jemand, aber er schaff­te es immer­hin zwi­schen Novem­ber 1996 und April 2001 zum nicht amts­füh­ren­den Stadt­rat in Wien. Das reicht für eine Pen­si­on als Mit­glied der Wie­ner Lan­des­re­gie­rung. Und weil er zuvor schon rund neun Jah­re als Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter bzw. Gemein­de­rat in Wien abge­dient hat­te, auch für eine als Abge­ord­ne­ter; bei­de Pen­sio­nen bean­trag­te er sofort bei sei­nem Aus­schei­den als Stadt­rat, bei ihm (Geburts­jahr­gang 1935) war das im Alter von 66 Jahren.

Die­se Lis­te ist bei wei­tem nicht kom­plett, aber doch sehr aus­s­sa­ge­kräf­tig. Immer­hin reden wir bei fast allen Genann­ten von (Zusatz-)Pensionen, die bis an die Decke­lungs­gren­zen (maxi­mal 18.000 Euro monat­lich, 14 x im Jahr) heranreichen.

➡️ derstandard.at (19.12.25): Grü­ne wol­len mehr Geld von „alten” Polit-Pensionisten

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