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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

FPÖ-Chats: „Reizt dich irgendein ein Aufsichtsrat?“

Die neu­en FPÖ-Chats ent­blö­ßen nichts Gerin­ge­res als die Ibi­za-Men­ta­li­tät, die sich in Zack-Zack-Zack-Manier haupt­säch­lich gegen den ORF und beson­ders gegen ein­zel­ne von der FPÖ zu Ober­fein­den erklär­te Journalist*innen rich­ten. Es kom­mu­ni­ziert ein macht­gei­ler Hau­fen, dem das Wohl der Repu­blik nie ein Anlie­gen scheint, son­dern aus­schließ­lich, wer aus den eige­nen Rei­hen wo unter­ge­bracht und wie Ein­fluss aus­ge­übt wer­den kann. Und das geht auf allen Ebe­nen so.

3. Apr. 2024

Ein Aufsichtsrat zum Geburtstag?

Die letz­te Woche öffent­lich gewor­de­nen FPÖ-Chats hin­ter­las­sen das Gefühl, dass ein ein­zi­ges Inter­es­se bei den FPÖ-Gran­den vor­herrscht: Blaue sol­len in Pos­ten gebracht wer­den – über­all hin, wo es nur mög­lich ist. Die Kon­ver­sa­tio­nen sind eine Mischung zwi­schen Krie­che­rei­en und groß­zü­gi­ger Ver­scherb­le­rei: Im Jän­ner 2019 gra­tu­liert Stra­che dem durch die „Hump-Dump-Affä­re“ berühmt gewor­de­nen Hil­mar Kabas zum 77. Geburts­tag und offe­riert qua­si ein Geschenk: „Reizt dich eigent­lich irgend­ein Auf­sichts­rat?“ Die Ant­wort: „Sehr geehr­ter Herr Vize­kanz­ler, lie­ber HC. Herz­li­chen Dank für die lie­ben Geburts­tags­wün­sche. Wenn du mich fragst wür­de ich ger­ne wie­der ein­mal eine sol­che Funk­ti­on im Sin­ne der Par­tei über­neh­men . LG (…) Hilmar“

Spä­ter ging’s dann noch um einen Pos­ten für Kabas‘ Sohn. Aber weni­ge Mona­te danach war der Gra­tu­lant als Vize­kanz­ler Öster­reichs Geschich­te – und damit auch die Mög­lich­keit, Auf­sichts­rats­pos­ten und der­glei­chen nach blau­er Guts­her­ren­art zu vergeben.

Strache an Hilmar Kabas: "Reizt dich eigentlich irgendein Aufsichtsrat?" (6.1.2019; Grafik SdR)
Stra­che an Hil­mar Kabas: „Reizt dich eigent­lich irgend­ein Auf­sichts­rat?” (6.1.2019; Gra­fik SdR)

Bundesheergeneral „eh einer von uns“

Am 16. Juli 2018 wur­de unter Ex-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Kuna­sek Robert Brie­ger zum Gene­ral­stabs­chef und damit zum rang­höchs­ten Offi­zier des öster­rei­chi­schen Bun­des­hee­res beför­dert. In sei­nen Antritts­in­ter­views erklär­te Brie­ger, die Mas­sen­mi­gra­ti­on sei „die größ­te gegen­wär­ti­ge Bedro­hung“. Weni­ge Wochen spä­ter chat­tet Stra­che Kuna­sek an:

„Sag, der neue GenStb­Chef Brie­ger ist eh einer von uns, oder?“
„Selbst­ver­ständ­lich… Hat auch in sei­nen ers­ten Aus­sa­gen kla­re Aus­sa­gen getrof­fen: ‚Migra­ti­on als größ­te Bedro­hung‘ etc. War­um? Gibt’s Stim­men die was ande­res behaupten?“
„Nein, woll­te nur sicher gehen! Lg“

Strache an Kunasek zum neu ernannten Generalstabschef Brieger: "Brieger eh einer von uns, oder?" Kunasek: "Selbstverständlich" (16.8.18; Grafik SdR)
Stra­che an Kuna­sek zum neu ernann­ten Gene­ral­stabs­chef Brie­ger: „Brie­ger eh einer von uns, oder?” Kuna­sek: „Selbst­ver­ständ­lich” (16.8.18; Gra­fik SdR)
Titel Meldung vienna.at: "Generalstabschef: Migration 'größte gegenwärtige Bedrohung' für Österreich" (25.7.18)
Titel Mel­dung vienna.at: „Gene­ral­stabs­chef: Migra­ti­on ‚größ­te gegen­wär­ti­ge Bedro­hung’ für Öster­reich” (25.7.18)

Bestellladen für Strache- und Parteifreunde

Aber die Schache­rei betraf nicht nur höhe­re Pos­ten der Repu­blik, auch Par­tei­freun­de aus unte­ren Ebe­nen klopf­ten für ihre Anlie­gen an: ein Leh­rer, der als Abtei­lungs­vor­stand einer Schu­le abbe­ru­fen wer­den soll­te und sich bei Stra­che dar­über beschwert (Stra­che an Hofer: „Faß­mann soll da bit­te ein­schrei­ten!“), ein ehe­mals hoher FPÖ-Par­tei­funk­tio­när aus Tirol, der sei­nen Nef­fen als Prak­ti­kant im Außen­mi­nis­te­ri­um unter­brin­gen will, ein wei­te­rer Tiro­ler Par­tei­funk­tio­när, der sich eine Ver­set­zung ins Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um wünscht („Ich wer­de über das LV-Minis­te­ri­um inter­ve­nie­ren und dei­nen Fall und dei­ne Tele­fon­num­mer wei­ter geben. Lg Hc“).

Ein ande­rer lob­by­iert für Auf­trä­ge an die Fir­ma sei­nes Vaters und erhält prompt einen Ter­min beim Gene­ral­se­kre­tär in Hofers Minis­te­ri­um. Jemand will die Ver­set­zung eines Poli­zis­ten von Nie­der­ös­ter­reich in die Stei­er­mark erwir­ken, weil sich sei­ne stei­ri­sche Bekann­te in den Poli­zis­ten ver­liebt hat­te, und ein wei­te­rer will einen Res­sort­wech­sel für einen „guten Freund von K.“ erwir­ken: „Hab dich noch nie um etwas gebe­ten“ (…) „Ver­set­zung ist am Lau­fen, höre ich! Lg“, schreibt Stra­che weni­ge Tage spä­ter retour.

Ein Beam­ter der Frem­den­po­li­zei gibt gute Tipps, wor­auf die FPÖ ach­ten müs­se, dass etwa die Fami­li­en­quo­te, also der Zuzug von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, „dras­tisch zu sen­ken“ sei. Stra­che: „Her­bert Kickl möch­te ger­ne mit dir reden und die Cau­sa in Angriff neh­men. Lg Hc“ Nach wei­te­ren Kon­ver­sa­tio­nen kommt der Poli­zist zur Sache: „Hast viel­leicht an Job für mich ?“ „Wel­cher Job inter­es­siert dich? Lg Hc“

Herbert Kickl: „Brauchen jemanden mit Biss u der parteipol agiert”

Und wie reagiert die FPÖ auf die neu­en Chats? Sie sieht etwa in Kick­ls Trei­ben eine „kon­se­quen­te Amts­füh­rung (…) im Inter­es­se der öster­rei­chi­schen Sicher­heit“ (puls24.at, 31.3.24). Das Inter­es­se liest sich aller­dings mehr als Revan­che­akt denn als Dienst an der öster­rei­chi­schen Sicher­heit. Über Mikl-Leit­ner, die angeb­lich einen ÖVP-Mann als Poli­zei­chef von Nie­der­ös­ter­reich durch­set­zen woll­te, schreibt Kickl an Stra­che: „Ich las­se sie zap­peln, es gibt auch noch ande­re Optio­nen. Wir soll­ten nicht ver­ges­sen, wie die Dame mit Udo umge­gan­gen ist.” Und: „Wir haben dzt die Leu­te mit Vor­aus­set­zun­gen nicht. Daher muss Zeit gewon­nen wer­den“ Bei „wir“ ist wohl die FPÖ gemeint.

Bezüg­lich der Beset­zung der Volks­an­walt­schaft sin­niert Kickl am 14. Mai 2019: „Wer ist dein Kand? Dag­mar? Brau­chen jeman­den mit Biss u der par­tei­pol agiert“ Wer sagt dem selbst­er­nann­ten „Volks­kanz­ler“, dass gera­de die Volks­an­walt­schaft kei­ne par­tei­po­li­ti­sche Insti­tu­ti­on sein darf, son­dern für Ange­le­gen­hei­ten des Vol­kes zustän­dig sein sollte?

Kickl an Strache bzgl. FPÖ-Besetzung Volksanwaltschaft: "Brauchen jemanden mit Biss u der parteipol agiert" (14.5.19; Grafik SdR)
Kickl an Stra­che bzgl. FPÖ-Beset­zung Volks­an­walt­schaft: „Brau­chen jeman­den mit Biss u der par­tei­pol agiert” (14.5.19; Gra­fik SdR)

Weitere Berichte zu den FPÖ-Chats (Auswahl):

➡️ pro­fil 29.3.24: FPÖ-Chats zu ORF: „Wra­betz weg“, „Thür ver­hin­dern“, „Gaba­lier auf Ö3“
➡️ Stan­dard 29.3.24: Chats blau­er ORF-Hoff­nungs­trä­ger – und wie die FPÖ den ORF zer­le­gen wollte
➡️ pro­fil 29.3.24: Stra­che: „Wehr­schütz wür­de ger­ne als Unter­hal­tungs­chef im ORF ausmisten“
➡️ Fal­ter 30.3.24: Gehei­me FPÖ-Chats zum ORF: „Wir müssen sie abschie­ßen!” (Pay­wall)
➡️ pro­fil 2.4.24: Stra­che an Teu­fel: „Wohin kann ich eine Inter­ven­ti­on schicken?”
➡️ Kurier 3.4.24: Fell­ner und Stra­che: „Patho­lo­gi­scher Hass” und „Koope­ra­ti­on im Übermaß”

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