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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Das rechtsterroristische Netzwerk Combat 18 und seine Österreich-Ableger

Das, was da das anti­fa­schis­ti­sche Netz­werk Exif-Recher­che über „Com­bat 18“ zusam­men­ge­tra­gen hat, ist in meh­re­rer Hin­sicht bemer­kens­wert: Es wird nicht nur peni­bel der Wer­de­gang die­ser als Able­ger von Blood & Honour in Eng­land gegrün­de­ten rechts­ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung nach­ge­zeich­net, son­dern vor allem sei­ne Wie­der­be­le­bung seit dem Jahr 2012. Mit dabei sind dem­nach auch min­des­tens fünf Per­so­nen aus Vor­arl­berg. Wir fas­sen den bri­san­ten Öster­reich-Bezug zusammen.

18. Juli 2018

Die Ursprün­ge hat Com­bat 18 („C 18“ – 18 steht für den ers­ten und ach­ten Buch­sta­ben im Alpha­bet und ist ein Code für „Adolf Hit­ler“) bei dem (in Deutsch­land im Jahr 2000 ver­bo­te­nen) rechts­extre­men Netz­werk Blood & Honour (B&H), das vor­nehm­lich über Rock­kon­zer­te und einen CD-Ver­trieb neo­na­zis­ti­sche Ver­bin­dungs­ar­beit leis­te­te. Ende der 1990er-Jah­re wur­de in Vor­arl­berg eine B&H-„Division“ aktiv, die ins­be­son­de­re durch eige­ne ein­schlä­gi­ge Bands und zwei gro­ße Neo­na­zi-Kon­zer­te auf­fiel. Wei­te­re geplan­te grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen wur­den behörd­lich unter­sagt. Der 2007 gegrün­de­ter Tarn­ver­ein „Motor­rad­freun­de Boden­see“ geriet 2009 nach einer Aus­ein­an­der­set­zung, in der ein Neo­na­zi ersto­chen, ein zwei­ter schwer ver­letzt wur­de, ins Visier der Behör­den und wur­de dann nach einem Über­fall auf einen ande­ren Motor­rad­club verboten. 

Com­bat 18 hat sei­ne Ursprün­ge in Eng­land:

Maß­geb­li­che Füh­rungs­per­so­nen waren Paul ‚Char­lie’ Sar­gent und Wil­liam ‚The Beast’ Brow­ning. Brow­ning ver­öf­fent­lich­te in einem C18-Maga­zin eine Anlei­tung zum Bom­ben­bau und eine Lis­te mit poten­zi­el­len Anschlags­zie­len mit dem Kom­men­tar: ‚Jetzt habt ihr die Tech­nik, jagt die Bas­tar­de in die Luft!’ Brow­ning initi­ier­te 1997 in Zusam­men­ar­beit mit Neo­na­zis aus Skan­di­na­vi­en eine Brief­bom­ben-Anschlags­se­rie. Ein Jahr spä­ter zer­strit­ten sich die Füh­rungs­ka­der, infol­ge­des­sen ein Gefolgs­mann Sar­gents einen Anhän­ger Brow­nings töte­te. Der blu­ti­ge Streit lähm­te und spal­te­te jah­re­lang die C18-Struk­tu­ren euro­pa­weit. (antifainfoblatt.de, 16.7.18)

Mit der ab 2012 lau­fen­den Restruk­tu­rie­rung von Com­bat 18 begann auch wie­der die sys­te­ma­ti­sche inter­na­tio­na­le Ver­net­zung, die in einem Tref­fen 2013 in der Schweiz und spä­te­ren Zusam­men­künf­ten struk­tu­riert und ver­fes­tigt wurde.

Ein Schieß­trai­ning fand 2016 im Vor­arl­ber­ge­ri­schen Feld­kirch im Vor­feld eines Kon­zerts der unga­ri­schen Neo­na­zi-Band Indu­lat statt. 

Es nah­men dar­an C18-Ange­hö­ri­ge aus Öster­reich, der Schweiz, Ungarn und Deutsch­land teil. Danach fand in Feld­kirch ein C18-Kon­zert statt, dass ursprüng­lich als pri­va­te ‚Geburts­tags­sau­se’ in Thü­rin­gen ange­kün­digt wor­den war, dann jedoch umor­ga­ni­siert wur­de. Neben der unga­ri­schen C18-Band ‚Indu­lat’ tra­ten die Thü­rin­ger Bands ‚Kom­man­do S3’ und ‚Unbe­lieb­te Jungs’ sowie ein Lie­der­ma­cher auf. Im Hin­ter­grund der Büh­ne hing ein Ban­ner von ‚Blood & Honour/ Com­bat 18 Öster­reich’. (Exif-Recher­che)

Erwäh­nens­wert ist, dass die­ses Tref­fen von Poli­zei und Ver­fas­sungs­schutz unbe­merkt blieb.

Blood & Honour-“Schießwettkampf” auf einem Schieß­stand in Feld­kirch, Quel­le: vol.at
Unga­ri­sche Neo­na­zis in Vor­arl­berg, Quel­le: vol.at

Meh­re­re nament­lich Bekann­te aus dem Vor­arl­ber­ger Netz­werk wur­den im Juli 2017 beim „Rock gegen Über­frem­dung“ im Themar/Thüringen und beim „Rudolf-Heß-Gedenk­marsch“ im August 2017 in Ber­lin-Span­dau gesich­tet. Als sich an Füh­rers Geburts­tag, am 20. April 2018, in Ost­ritz „Com­bat 18“-Netzwerker tra­fen, sol­len auch zwei Ver­tre­ter aus Vor­arl­berg dabei gewe­sen sein.

Beim Kon­zert «Rock gegen Über­frem­dung II» am 15. Juli 2017 kamen Uwe V. und Wolf­gang S. gemein­sam mit Stan­ley Rös­ke am Ver­an­stal­tungs­ort an. Auch S. pflegt exzel­len­te Kon­tak­te ins inter­na­tio­na­le Netz­werk. Er nahm mit André Senn, Uwe V. und Wolf­gang L. am «Rudolf-Heß-Gedenk­marsch» im August 2017 in Ber­lin-Span­dau teil. Als um den 20. April 2018 im säch­si­schen Ost­ritz zahl­rei­che Mit­glie­der aus der C18-Struk­tur zusam­men kamen, saßen auch S. und V. in der ver­trau­ten «Com­bat 18»-Runde. (Exif-Recher­che)

Laut Exif-Recher­che spie­len die Vor­arl­ber­ger Mit­glie­der in den finan­zi­el­len Akti­vi­tä­ten von Com­bat 18 eine tra­gen­de Rolle: 

V. und S. sind mög­li­cher­wei­se Schlüs­sel­per­so­nen in den Geschäf­ten der inter­na­tio­na­len C18-Struk­tur. Allei­ne das Kon­zert im schwei­ze­ri­schen Tog­gen­burg am 15. Okto­ber mit ‚Amok’ und ande­ren Bands, das von 5.000 Neo­na­zis besucht und von C18-Struk­tu­ren mit­or­ga­ni­siert wor­den war, erbrach­te einen sech­stel­li­gen Gewinn. Aus der Sze­ne kom­men Hin­wei­se, dass gro­ße Geld­sum­men von C18 über Schein­fir­men im Vor­arl­berg gewa­schen wer­den, hin­ter denen W. S., U. V. sowie des­sen Ehe­frau N. V. ste­hen. (Exif-Recher­che)

Die Gel­der sol­len zum Ankauf von Immo­bi­li­en und zur Unter­stüt­zung inhaf­tier­ter Neo­na­zis dienen.

Auf einer inter­ak­ti­ven Kar­te zeigt Exif-Recher­che die Ver­net­zun­gen von 80 Per­so­nen auf, dar­un­ter fünf aus Öster­reich. Hier wird deut­lich, wie weit gestreut deren Kon­tak­te ver­lau­fen und dass sie teil­wei­se zu zen­tra­len Per­so­nen von „Com­bat 18“ – wie etwa zu des­sen ein­gangs erwähn­ten Mit­be­grün­der Wil­liam Brow­ning – bestehen.

Kar­te Europa
Kar­te Vorarlberg

Wie auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne per­so­nel­le Über­lap­pun­gen zum alten Com­bat 18-Netz­werk fest­zu­stel­len sind, sind auch Kon­ti­nui­tä­ten beim Vor­arl­ber­ger Per­so­nal bemerk­bar: Eini­ge Namen sind bereits aus den Früh­zei­ten von B&H Vor­arl­berg bekannt.

Wei­te­re Bezü­ge zwi­schen B&H bzw. Com­bat 18 und Öster­reich sind mit Cor­ry­na Görtz, die enge Ver­wick­lun­gen zum deut­schen NSU, ins­be­son­de­re zum Kern­trio Böhn­hardt, Mund­los und Zsch­ä­pe auf­weist, gege­ben: Sie hat nicht nur Anfang der 2000er-Jah­re in Öster­reich gelebt, um in Deutsch­land einer Haft zu ent­ge­hen, son­dern unter­hielt (oder unter­hält) wohl auch enge Kon­tak­te zur öster­rei­chi­schen B&H‑Szene.

Eine gute Zusam­men­fas­sung der Geschich­te von Blood & Honour Vor­arl­berg bie­tet die­ser Arti­kel der Anti­fa-Recher­che Wien.

Eine Zusam­men­fas­sung des umfang­rei­chen Arti­kels von Exif-Recher­che zu Com­bat 18 ist hier zu fin­den.

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Schlagwörter: Blood & Honour/Combat 18 | Neonazismus/Neofaschismus | NSU | Rechtsterrorismus | Vorarlberg | Weite Welt

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