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Lesezeit: 3 Minuten

Stopline Jahresbericht 2017: Der Dreck kommt aus den USA und der EU

Stopli­ne, die von den öster­rei­chi­schen Inter­net-Pro­vi­dern gegrün­de­te Mel­de­stel­le gegen Kin­der­por­no­gra­fie und gegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung, hat die­ser Tage ihren Jah­res­be­richt für das Jahr 2017 ver­öf­fent­licht. Gegen­über 2016 haben die Mel­dun­gen mas­siv, näm­lich um 60 Pro­zent zuge­nom­men, wobei der Zuwachs fast aus­schließ­lich auf die Kin­der­por­no­gra­fie zurück­zu­füh­ren ist. Eine Erklä­rung für den star­ken Anstieg lie­fert der Bericht nicht.

29. Juni 2018

Was soll auf den weni­gen Sei­ten des Jah­res­be­richts auch schon aus­ge­sagt wer­den kön­nen? Nach Abzug von Deck­blatt, Rück­sei­te, Inhalts­an­ga­be und einer Sei­te, auf der die Betrei­ber und Part­ner von stopline.at vor­ge­stellt wer­den, blei­ben vier Sei­ten für den eigent­li­chen Bericht. Das ist völ­lig unbe­frie­di­gend, weil die tau­sen­den Mel­dun­gen (2017: 8.333 gegen­über 4.980 für 2.016), die Stopli­ne jedes Jahr – seit mitt­ler­wei­le 20 Jah­ren – erhält, ja auch die Aneig­nung von Wis­sen und Kom­pe­tenz mit sich brin­gen müss­ten. Wenn sie bei Stopli­ne vor­han­den ist – was wir nicht bezwei­feln –, dann wird sie jeden­falls gekonnt verschwiegen.

Auf den vier Sei­ten des eigent­li­chen Berichts wer­den nicht ein­mal Ver­gleichs­zah­len mit dem Vor­jahr ange­bo­ten. Damit wird der Bericht auch jen­seits der unbe­han­del­ten Fra­ge zum exor­bi­tan­ten Anstieg der Mel­dun­gen ins­ge­samt ziem­lich unin­ter­es­sant. Bei­spie­le? Stopli­ne ver­öf­fent­licht jedes Jahr auch Zah­len über die Ursprungs­län­der der Mel­dun­gen, aber eine Ver­gleich­bar­keit der Zah­len oder gar eine Inter­pre­ta­ti­on über die Jah­re hin­weg ist fak­tisch nicht mög­lich. Seit Jah­ren füh­ren die USA mit gewal­ti­gem Abstand die Sta­tis­tik der Län­der an, über deren Pro­vi­der Kin­der­por­no­gra­fie und NS-Wie­der­be­tä­ti­gung gehos­tet wird (2017: 57 %, 2016: 69%). Frü­her folg­te regel­mä­ßig Russ­land am zwei­ten Platz, aber deut­lich abge­schla­gen. Mitt­ler­wei­le läuft Russ­land unter fer­ner lie­fen bei den Mel­dun­gen (3 Pro­zent 2017). Am zwei­ten Platz lagen 2017 die Nie­der­lan­de „sta­bil“ mit 12 Pro­zent (2016 eben­falls 12 %). Am drit­ten Platz folgt Rumä­ni­en mit 11 Pro­zent, das 2016 noch gar nicht in der Sta­tis­tik aufscheint.

Da hät­te man doch ger­ne etwas mehr dar­über erfah­ren, wie sich Stopli­ne die­se Ver­än­de­run­gen erklärt – auch durch Zah­len aus Part­ner­län­dern. Außer­dem soll­te ja das hef­ti­ge Pro­blem, dass sowohl die Kin­der­por­no­gra­fie als auch der brau­ne Dreck mitt­ler­wei­le fast aus­schließ­lich über Pro­vi­der der USA und der EU ver­brei­tet wer­den, irgend­wie zu Kon­se­quen­zen führen.

Das alles wird im Jah­res­be­richt von Stopli­ne lei­der nicht ange­spro­chen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben wir schon des Öfte­ren dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es dem Bericht auch gut anstün­de, das Bewer­tungs­sys­tem für die ein­ge­lang­ten Mel­dun­gen etwas trans­pa­ren­ter zu machen. Von den 8.333 Mel­dun­gen 2017 bewer­tet Stopli­ne 1.822 als zutref­fend. Nach wel­chen Kri­te­ri­en? Schon allein Bei­spie­le könn­ten hel­fen, die Mel­de­qua­li­tät zu ver­bes­sern. Oder gibt es ein Feed­back­sys­tem? Auch dar­über schweigt sich der Bericht aus.

Uns bleibt nur noch übrig, die dür­ren Zah­len, die NS-Wie­der­be­tä­ti­gung betref­fen, hier wie­der­zu­ge­ben. Von den 1.822 Mel­dun­gen, die Stopli­ne für 2017 als zutref­fend klas­si­fi­zier­te, betra­fen 1.759 Kin­der­por­no­gra­fie (2016: 644) und 63 NS-Wie­der­be­tä­ti­gung (2016: 57). Das wür­de rein sta­tis­tisch einen Anstieg von rund 10 Pro­zent bei laut Stopli­ne zutref­fen­den Mel­dun­gen für Wie­der­be­tä­ti­gung erge­ben, aber ers­tens ist der Sam­ple zu gering und zwei­tens ist der gefühl­te und tat­säch­li­che Anstieg bei Wie­der­be­tä­ti­gung und ande­ren For­men der NS-Ver­herr­li­chung und Ver­het­zung (die Stopli­ne nicht erfasst) um eini­ges höher – da sind wir uns sicher!

Stoppt die Rech­ten über Stopline:

Jah­res­be­richt 2016
Jah­res­be­richt 2014
Jah­res­be­richt 2013

 

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