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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Die FPÖ und ihr „Extremismus“ – eine Entlarvung

Wenn die FPÖ das Eti­kett „rechts­extrem“ von sich weist, wird der Begriff auf Gewalt zusam­men­ge­stampft. Wenn sie ande­re des „Links­extre­mis­mus“ bezich­tigt, rei­chen ein Bericht, ein selbst­ge­wähl­tes Pro­no­men, ein Insta­gram-Like oder eine anti­fa­schis­ti­sche Platt­form. Eine klei­ne Leh­re in poli­ti­scher Etikettierung.

23. März 2026
Die FPÖ auf der Couch (KI-generiert)
Die FPÖ auf der Couch (KI-generiert)

Die FPÖ hat in der Extre­mis­mus­de­bat­te einen plum­pen Trick ent­wi­ckelt. Der ers­te Teil die­ses Drehs funk­tio­niert so: Die FPÖ greift aus der Ver­fas­sungs­schutz-Defi­ni­ti­on bevor­zugt den engs­ten, für sie nütz­lichs­ten Teil her­aus. Dort heißt es, Rechts­extre­mis­mus bekämp­fe den demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staat „mit Mit­teln bzw. Gut­hei­ßung oder Inkauf­nah­me von Gewalt“. Auf die­sen Halb­satz stützt sich die Par­tei regel­mä­ßig, wenn sie das Eti­kett „rechts­extrem“ zurückweist.

Nur: Der Ver­fas­sungs­schutz hört dort nicht auf. Auf der­sel­ben Sei­te nennt er als prä­gen­de Bestand­tei­le rechts­extre­mer Ideo­lo­gie auch Dik­ta­tur­be­für­wor­tung, Islam- und Frem­den­feind­lich­keit, Anti­se­mi­tis­mus, Chau­vi­nis­mus, Sozi­al­dar­wi­nis­mus, Ras­sis­mus, Revi­sio­nis­mus, völ­ki­schen Natio­na­lis­mus sowie anti­de­mo­kra­ti­sche und anti­plu­ra­lis­ti­sche Gesell­schafts­auf­fas­sun­gen. Mit ande­ren Wor­ten: Die FPÖ zitiert die Defi­ni­ti­on gern so, als wäre Rechts­extre­mis­mus vor allem eine Fra­ge kon­kre­ter Gewalt. Der Ver­fas­sungs­schutz beschreibt jedoch ein viel wei­ter­ge­fass­tes ideo­lo­gi­sches Muster.

Auch poli­tik­wis­sen­schaft­lich ist die Sache deut­lich brei­ter ange­legt. Das Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (DÖW) stützt sich auf Wil­li­bald I. Hol­zer, der Rechts­extre­mis­mus als Syn­drom­phä­no­men beschreibt: zusam­men­ge­hal­ten durch Natu­ra­li­sie­rung sozia­ler Ungleich­heit, durch „Volk“ und „Volks­ge­mein­schaft“, durch Eth­no­zen­tris­mus, Aus­gren­zung, Auto­ri­ta­ris­mus und die Ableh­nung plu­ra­lis­ti­scher Demo­kra­tie. Da geht es um Welt­bil­der, Herr­schafts­vor­stel­lun­gen und Ungleich­heits­ideo­lo­gien, nicht bloß um die Fra­ge, ob gera­de jemand mit einem Base­ball­schlä­ger und Lons­da­le-T-Shirt herumläuft.

Und damit beginnt der Spaß. Denn wäh­rend die FPÖ bei sich selbst nach der defi­ni­to­ri­schen Pin­zet­te greift, ver­teilt sie „links­extrem“ mit der Bag­ger­schau­fel. Hier ein paar aus­ge­wähl­te Beispiele.

Nor­bert Neme­th, FPÖ-Klub­di­rek­tor und Nationalratsabgeordneter
zum Vor­wurf des Rechtsextremismus:
Ich neh­me mich in keins­ter Wei­se als rechts­extre­men Poli­ti­ker wahr. Die Gren­ze zwi­schen Extre­mis­mus und Nicht-Extre­mis­mus liegt für mich in der Gewalt­be­reit­schaft. (Kurier, 28.1.26)

Sebas­ti­an Schwaig­ho­fer, Nationalratsabgeordneter
zur Bun­des-ÖH wegen frei­er Wahl von Namen bei der Brief­wahl­be­an­tra­gung und Pro­no­men auf Moodle:

Es han­delt sich um klas­si­sche Ele­men­te des Kul­tur­mar­xis­mus, mit denen die ÖH ihre links­extre­me Gesin­nung unge­niert aus­lebt – finan­ziert durch die Pflicht­bei­trä­ge aller Stu­den­ten. (Pres­se­aus­sendung, 10.4.25)

Chris­ti­an Hafenecker, FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär und Nationalratsabgeordneter
zum DÖW-Rechtsextremismus-Bericht:

Der Bericht beschreibt zu 99 Pro­zent Per­so­nen und Posi­tio­nen, die ein­deu­tig nicht unter die vom öster­rei­chi­schen Staatschutz DSN offi­zi­ell ver­tre­te­ne und ver­öf­fent­lich­te Rechts­extre­mis­mus-Defi­ni­ti­on fal­len. Die­se setzt näm­lich vor­aus, dass nur wer den Ver­fas­sungs­staat ‚mit Mit­teln bzw. Gut­hei­ßung oder Inkauf­nah­me von Gewalt bekämp­fen‘ will, rechts­extrem ist. (Pres­se­aus­sendung, 24.1.25)

Harald Ste­fan, Nationalratsabgeordneter
zum DÖW-Rechtsextremismus-Bericht:

Beim Bericht han­delt es sich um eine pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Agi­ta­ti­on von Links­extre­men, die sich hier mit Steu­er­geld aus­to­ben dür­fen. (Pres­se­aus­sendung, 25.4.25)

Susan­ne Fürst, Nationalratsabgeordnete
im Natio­nal­rat zur Defi­ni­ti­on von Extremismus:
Es braucht das Ele­ment der Gewalt­be­reit­schaft und die Absicht, einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Umbruch her­bei­zu­füh­ren. Das ist extre­mis­tisch und das ist radi­kal. (Ste­no­gra­phi­sches Pro­to­koll des Natio­nal­rats, 23.10.19)

Mar­tin Graf, Nationalratsabgeordneter
im Natio­nal­rat an den Bil­dungs­mi­nis­ter Mar­tin Pola­schek (ÖVP) gerich­te­te Rede:
Ich möch­te nicht, Herr Bun­des­mi­nis­ter, dass Sie in die Geschich­te ein­ge­hen als der geis­ti­ge, ideo­lo­gi­sche Zieh­va­ter des Links­extre­mis­mus an den Uni­ver­si­tä­ten. (Ste­no­gra­phi­sches Pro­to­koll des Natio­nal­rats, 21.11.23)

Her­bert Kickl, FPÖ-Obmann, Nationalratsabgeordneter
in einem Inter­view mit Ser­vus TV:
Das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um für den Rechts­extre­mis­mus ist das Auf­he­ben­wol­len der Demo­kra­tie, (…) es ist der Ein­satz oder das Legi­tim­er­klä­ren von Gewalt als Mit­tel der Poli­tik. (Ser­vusTV, 1.9.24)

Chris­ti­an Hafenecker, FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär und Nationalratsabgeordneter
in einer par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge mit dem Betreff „
links­extre­mer Hot­spot Österreich?“:
Dar­über hin­aus gibt es noch zahl­rei­che links­extre­me Orga­ni­sa­tio­nen und Zusam­men­schlüs­se die sich regel­mä­ßig, zu häu­fig in Gewalt aus­ufern­den, Kra­wal­len oder Kund­ge­bun­gen tref­fen. Dazu zäh­len u.a. fol­gen­de Grup­pie­run­gen: (…) Stoppt die Rech­ten. (Anfra­ge, 26.2.25)

In der Anfra­ge will Hafenecker wis­sen: „Wie vie­le und wel­che Straf-/Ver­wal­tungs­straf­ta­ten wur­den in den letz­ten 5 Jah­ren im Umfeld von ‚Stoppt die Rech­ten‘ regis­triert?“* Das ist fast schon Real­sa­ti­re in Amts­spra­che. Wäh­rend die FPÖ beim Wort „rechts­extrem“ für sich selbst auf die engst­mög­li­che Aus­le­gung pocht, lan­det eine anti­fa­schis­ti­sche Doku­men­ta­ti­ons­platt­form (aber auch Men­schen­rechts- und Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen wie SOS Mit­mensch und Glo­bal 2000) im „links­extre­men Hot­spot Öster­reich“.

Ein Schmankerl zum Schluss

Weil die Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Eva-Maria Holz­leit­ner (SPÖ) unter ein Spie­gel-Pos­ting, das den Sän­ger Felix Kum­mer zitiert (»Was einen Unter­schied macht, ist eine sta­bi­le Zivil­ge­sell­schaft und eine sta­bi­le Anti­fa«) gelikt hat, rück­ten in Tat­ein­heit der „exx­press“ und dann der FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te und schla­gen­de Bur­schen­schaf­ter Manu­el Litz­ke aus, der aus Holz­leit­ners Like eine klamm­heim­li­che Sym­pa­thie „mit dem links­extre­men Rand“ (fpoe.at, 13.2.26) samt Rück­tritts­auf­for­de­rung ableitet.

Postskriptum

Die FPÖ kann auf eine lang­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on in der Abwehr von Extre­mis­mus zurück­bli­cken: Schon ihr Grün­der­va­ter, der NS-Scher­ge Anton Reinth­al­ler, hat als FPÖ-Obmann „jeden Extre­mis­mus“ abge­lehnt.

* Wir bedau­ern es aus­drück­lich, dass der Innen­mi­nis­ter die Fra­ge nicht beant­wor­tet hat!

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Schlagwörter: FPÖ | Rechtsextremismus

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