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Lesezeit: 4 Minuten

FPÖ/Strache: Unser Geld für unsere Parteispitzen

Die FPÖ pla­ka­tier­te jah­re­lang „Unser Geld für unse­re Leut“ – als Schutz­ver­spre­chen für den „klei­nen Mann“. In der Stel­lung­nah­me von Stra­che zur Spe­sen­af­fä­re liest sich die­ses Mot­to wie ein Par­tei­pro­gramm für die eige­ne Funk­tio­närs­klas­se: Male­di­ven- und Nepal-Urlaub, Berg­aus­rüs­tung, Luxus-Uhr. Laut Abschluss­be­richt der Ermitt­ler liegt der Gesamt­scha­den bei mehr als einer Mil­li­on Euro.

9. März 2026
Luxus fuer Parteikader? (Symbolfoto; KI-generiert)
Luxus fuer Parteikader? (Symbolfoto; KI-generiert)

Der Streit zwi­schen Heinz-Chris­ti­an Stra­che und der FPÖ-Spit­ze wirkt fast wie ein Neben­schau­platz. Ent­schei­dend ist das Bild, das aus den Details ent­steht: ein Appa­rat, der Aus­ga­ben, Geschen­ke und pri­va­te Lebens­füh­rung über Jah­re in Par­tei­struk­tu­ren hin­ein­zieht und sich nun gegen­sei­tig die Rech­nung präsentiert.

Spesen als System, abgerechnet über drei Kassen

Die Ermitt­ler hal­ten fest, dass Aus­ga­ben, die offen­sicht­lich pri­va­ter Natur waren, über meh­re­re Orga­ni­sa­tio­nen abge­rech­net wor­den sei­en: Bun­des-FPÖ, Wie­ner Lan­des-FPÖ, Par­la­ments­klub. Schon die­se Streu­ung zeigt: Wer hier von einem Ein­zel­tä­ter spricht, igno­riert die dahin­ter­lie­gen­de Struktur.

Stra­che reagiert dar­auf mit einem 81-sei­ti­gen Schrift­satz und zieht die FPÖ-Spit­ze in sei­ne Ver­tei­di­gung hin­ein, wie der „Stan­dard“ (6.3.26) berich­tet. Stra­che beschreibt par­tei­in­ter­ne Prüf- und Geneh­mi­gungs­me­cha­nis­men und betont „Ent­las­tun­gen“ in Gre­mi­en – als Argu­ment, dass Ver­ant­wor­tung und Kon­trol­le bei meh­re­ren „wei­sungs­frei­en Organ­wal­tern“ lagen.

Kickl im Fadenkreuz von Strache: Gehalt, Feierabend, „Goodies“

Stra­ches rele­van­tes­ter und emo­tio­nals­ter Angriff zielt wohl auf Her­bert Kickl. Der Ex-FPÖ-Chef stellt sich als Obmann im Dau­er­ein­satz dar und zeich­net Kickl als gut bezahl­ten Gene­ral­se­kre­tär, des­sen Arbeits­tag oft zwi­schen 16 und 18 Uhr geen­det habe – bei einem Monats­sa­lär von „net­to über 10.000 Euro plus Spe­sen“. Fest­zu­hal­ten ist, dass die­ses Salär zum auch nicht beschei­de­nen Gehalt eines Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten hin­zu­kam. Das klingt nach bewusst gesetz­ter Demü­ti­gung (fau­ler Kickl, flei­ßi­ger Stra­che), zugleich ein Fin­ger­zeig: Wer so nah am Zen­trum saß, soll von ein­ge­reich­ten Rech­nun­gen nichts mit­be­kom­men haben?

Nebenverdienste Kickl 2013-16 laut Transparenzerklärung: ab 2014 mehr als 10.000 € (Screenshot meineabgeordneten.at)
Neben­ver­diens­te Kickl 2013–16 laut Trans­pa­renz­er­klä­rung: ab 2014 mehr als 10.000 € (Screen­shot meineabgeordneten.at)

Partei als Reisebüro und Badehosen-Gate?

Stra­che, der sich auch für eine Luxus-Arm­band­uhr auf Par­tei­kos­ten ver­tei­di­gen muss, behaup­tet, die Par­tei­kul­tur habe zu bestimm­ten Anläs­sen teu­re Zuwen­dun­gen an Spit­zen­ka­der gekannt: Kickl habe eine Berg­aus­rüs­tung erhal­ten, Hil­mar Kabas einen Urlaub in Nepal, Nor­bert Hofer einen Fami­li­en­ur­laub auf den Male­di­ven, ande­re hät­ten Hand­ta­schen und Gut­schei­ne erhal­ten. Hofer demen­tiert gegen­über dem „Stan­dard“: „Die Par­tei (habe) zwar die Buchung vor­ge­nom­men, er (habe) aber ‚jeden Cent selbst gezahlt‘.“ Die Par­tei also nur als Reisebüro?

Stra­ches Ver­tei­di­gungs­ver­such ver­dich­tet sich in einer Cau­sa auf ihre unfrei­wil­lig komi­sche Essenz: Zur „Mar­ke HC“ hät­ten sogar Bade­ho­sen gehört. Vor­ge­wor­fen wird ihm, zwei die­ser Stü­cke um sat­te 347 Euro auf Par­tei­kos­ten erstan­den zu haben. Die habe er selbst bezahlt, sagt Stra­che, aber es „sei fest­zu­hal­ten, dass Stra­che ‚im Som­mer vor der Natio­nal­rats­wahl 2013 auch medi­al wirk­sam für die FPÖ in Bade­ho­sen auf­ge­tre­ten ist‘“ (derstandard.at).

Eine Baby­par­ty sti­li­siert Stra­che zum wich­ti­gen media­len FPÖ-Event, auch der Nut­zen einer von der Par­tei bezahl­ten Baby­sit­te­rin habe unzwei­fel­haft bei der Par­tei gele­gen. Hier kippt die Insze­nie­rung end­gül­tig in Guts­her­ren­lo­gik: Pri­va­tes wird zum Par­tei­zweck erklärt, sobald eine Kame­ra im Raum denk­bar ist. Der poli­ti­sche Kern aber ist bru­tal schlicht: Wer sich jah­re­lang als Par­tei der „klei­nen Leu­te“ ver­kauft, wäh­rend im Inne­ren offen­bar mit gespon­ser­ter Par­ty, Baby­sit­ting und Life­style han­tiert wird, betreibt ein Klas­sen­pro­jekt von oben – finan­ziert über Par­tei­struk­tu­ren, die wie­der­um aus Steu­er­gel­dern ali­men­tiert sind.

Straches Luxusbadehose im Wahlkampf 2013 (Screenshot "Standard" 23.8.13)
Stra­ches Luxus­ba­de­ho­se im Wahl­kampf 2013 (Screen­shot „Stan­dard” 23.8.13)

Wiener FPÖ als Schaltstelle: Nepp, Nittmann und die Aktenlücke

Die Wie­ner FPÖ spielt in die­ser Affä­re eine Schlüs­sel­rol­le. Domi­nik Nepp war von 2015 bis 2019 Finanz­re­fe­rent der FPÖ Wien und behaup­te­te, von Stra­ches Spe­sen nichts bemerkt zu haben. Heu­te steht er selbst im Fokus der Ermitt­lun­gen. Eine unrühm­li­che Rol­le spielt auch die nicht amts­füh­ren­de Stadt­rä­tin Ulri­ke Nitt­mann: Als Finanz­ver­ant­wort­li­che der Wie­ner FPÖ ab 2019 sag­te sie den Ermitt­lern 2022, es sei­en wesent­li­che Tei­le der Buch­hal­tung ver­nich­tet wor­den – angeb­lich aus Platz­man­gel. Steu­er­be­ra­ter und Wirt­schafts­prü­fer hät­ten das Mate­ri­al als nicht mehr rele­vant eingestuft.

Sol­che Akten­lü­cken sind poli­tisch toxisch: Wenn zen­tra­le Finanz­un­ter­la­gen feh­len, ver­engt sich Auf­klä­rung auf Zeu­gen­aus­sa­gen, inter­ne Macht­kämp­fe und selek­ti­ve Bele­g­res­te. Unbe­kannt bleibt dann, wer wel­che Aus­ga­ben wann frei­gab, dul­de­te oder intern „repa­rier­te“.

Drei Verantwortungsebenen, ein Milieu

Stra­ches Rund­um­schlag legt unfrei­wil­lig fest, wor­um es tat­säch­lich geht: drei Ver­ant­wor­tungs­ebe­nen. Ers­tens Stra­che selbst und sein Umfeld als Ver­an­las­ser und Nutz­nie­ßer jener Aus­ga­ben, die die Ermitt­ler als pri­vat qua­li­fi­zie­ren. Zwei­tens die Spit­zen der Bun­des­par­tei, die Stra­che als ein­ge­bun­de­ne, „wei­sungs­freie“ Organ­wal­ter beschreibt – samt Kickl als dama­li­gem Macht­zen­trum im Gene­ral­se­kre­ta­ri­at. Drit­tens die Wie­ner FPÖ als ope­ra­ti­ve Kas­sa- und Abrech­nungs­dreh­schei­be mit Finanz­ver­ant­wor­tung bei Nepp und Nittmann.

Am Ende lie­fert aus­ge­rech­net die FPÖ den ehr­lichs­ten Kom­men­tar: In der ZiB 2 (6.3.26) sagt FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Hafenecker, für Stra­che gäl­te als Beschul­dig­ter „kei­ne Wahr­heits­pflicht“, insi­nu­iert also, sein ehe­ma­li­ger Par­tei­chef habe die Unwahr­heit gesagt oder gar gelo­gen. Poli­tisch ist es ein Offen­ba­rungs­eid: Wenn der eige­ne Reflex im Skan­dal lau­tet, zuerst die Wahr­heits­pflicht zu rela­ti­vie­ren, dann ist „Unser Geld für unse­re Leut“ längst kein Slo­gan mehr, son­dern kommt als inter­ne Arbeits­wei­se daher – ein Befund, der sich durch den Finanz­skan­dal der Gra­zer und stei­ri­schen FPÖ verstärkt.

Das war wirk­lich ernst gemeint.

www.derstandard.at/story/300000…

[image or embed]

— Armin Wolf (@arminwolf.at) 6. März 2026 um 19:04

Für alle Genannn­ten gilt die Unschuldsvermutung!

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