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Waltraud, die Nazi-Tante

Über die selt­sa­me Ände­rung im Per­so­nen­stands­re­gis­ter von Wal­ter Ger­hard Piran­ty zu Wal­traud Ger­hard Piran­ty haben sich die Bou­le­vard-Medi­en schon die Fin­ger wund­ge­schrie­ben. Eigent­lich, so dach­ten wir, ist die Geschich­te des Neo­na­zis Wal­ter Piran­ty auch schon fast aus­er­zählt. Aber dann muss­te Wal­traud am 12.12. vor dem Lan­des­ge­richt Wien wegen Wie­der­be­tä­ti­gung antan­zen und fass­te eine Stra­fe für etwas aus, was noch der Wal­ter ver­bro­chen hatte.

17. Dez. 2025
Landesgericht Wien, Eingang Wickenburggasse (© SdR)
Landesgericht Wien, Eingang Wickenburggasse (© SdR)

Es war „Öster­reich Rechts­au­ßen“, das 2023 in einer umfas­sen­den Recher­che Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart von Wal­ter unter dem Titel „Wal­ter Ger­hard Piran­ty und das Wehr­dorf Szőce: Ein mili­tan­ter Neo­na­zi zwi­schen Rot­licht­kri­mi­na­li­tät, orga­ni­sier­tem Betrug und völ­ki­scher Land­nah­me“ ver­öf­fent­licht und ihn damit den ziem­lich trü­ben Schat­ten sei­ner Ver­gan­gen­heit ent­ris­sen und ans Licht geführt hat­te. Ab die­sem Zeit­punkt war klar: Piran­ty ist noch immer in der Neo­na­zi-Sze­ne aktiv.

Etwa zur sel­ben Zeit ist uns Piran­ty in einer ande­ren Rol­le unter­ge­kom­men. Im „blaubrau­nen Immo-Busi­ness“ um Harald Schmidt war er als Ent­korker von Cham­pa­gner­fla­schen, Geld­schein­zäh­ler und ver­mut­lich auch als Betro­ge­ner auf­ge­taucht. Jeden­falls schwärz­te er via Face­book den brau­nen Harald Schmidt bei sei­nem Freun­des­kreis hef­tig an:

Das die Inves­to­ren, Ver­mie­ter, Nota­re,… um ihr Geld gebracht wur­den — ok. Aber per­sön­lich sich zu berei­chern und mit „Huren & Cham­pa­gner“ zu fei­ern wäh­rend man die Ange­stell­ten nicht bezahlt das ist schon grenz­wer­tig. Ich per­sön­lich bekom­me von der Fir­ma Dr Schmidt und Part­ner €22.000,- und von Mar­kus Pospich­al €36.600,- was ja kei­ne schlech­ten Sum­men sind. (Feh­ler im Original).

Im Wie­der­be­tä­ti­gungs­pro­zess gegen Wal­traud Piran­ty tauch­ten eini­ge der Namen aus ihrem Face­book-Freun­des­kreis als Adres­sa­ten der brau­nen Whats­App-Bot­schaf­ten, die sich über einen Zeit­raum von acht Jah­ren (2015–2023) erstreck­ten, wie­der auf. 39 Delik­te nach dem Ver­bots­ge­setz wur­den Piran­ty vor­ge­hal­ten und den Geschwo­re­nen als Fra­gen gestellt. 39-mal bejah­ten die Geschwo­re­nen ein­stim­mig die Schuld der Ange­klag­ten, die wie auch der Ver­tei­di­ger nichts dage­gen ein­zu­wen­den hat­te. Ganz im Gegen­teil: Der Ver­tei­di­ger emp­fahl den Geschwo­re­nen sogar, die 39 Schuld­fra­gen 39-mal mit Ja zu beant­wor­ten. Sogar ihre Aus­sa­gen im Ermitt­lungs­ver­fah­ren, wonach sie ihre Nazi-Mes­sa­ges als Humor ver­stan­den wis­sen woll­te, neh­me sie zurück, denn seit 2023 habe sie sich von ihrem brau­nen Gedan­ken­gut befreit.

Eine zwei­te wun­der­sa­me Häu­tung also, die der ande­ren – von Wal­ter zu Wal­traud – zeit­lich sogar vor­aus­ge­gan­gen wäre. Wer soll das ernst­neh­men? Schließ­lich ist Piran­ty 2020 auch schon wegen NS- Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ur­teilt wor­den – damals zu 18 Mona­ten Haft, davon sechs Mona­te unbe­dingt, weil er auf Insta­gram unter ande­rem über Hit­ler geschrie­ben hat­te, dass der „viel zu gut­mü­tig“ gewe­sen sei.

Die Gut­mü­tig­keit des Gerichts 2020 hat bei Piran­ty wohl kei­nen Ein­druck hin­ter­las­sen. Auf Whats­App pos­te­te er mun­ter sei­nen brau­nen Mist wei­ter, und in Ungarn bau­te er an sei­nem Wehr­dorf für Neonazis.

Des­halb beließ es das Gericht am 12.12. nicht bei den 20 Mona­ten unbe­dingt für die 39 Delik­te, son­dern wider­rief die beding­te Stra­fe von 2020: Macht zwölf wei­te­re Mona­te Haft. Dazu kom­men noch vier Mona­te unbe­dingt aus einem Urteil des Bezirks­ge­richts Favo­ri­ten von 2023 wegen Betrugs. Ins­ge­samt sum­mier­te sich die Stra­fe auf 36 Mona­te unbe­dingt, die Wal­traud nun für den Wal­ter aus der Ver­gan­gen­heit irgend­wie abbü­ßen muss. „Irgend­wie“ auch des­halb, weil W. auf Face­book dar­über sin­niert, ob sich die Haft­stra­fe nicht mit einer Fuß­fes­sel abwen­den lie­ße. Auch die­se Aus­sicht stimmt sie nicht fröh­lich, weil selbst damit die Ungarn-Exkur­sio­nen flach­fal­len wer­den. Und auf Face­book ist sie wie­der zur Humor-Vari­an­te sei­ner Nazi-Chat­nach­rich­ten zurückgekehrt.

P.S.: Wenn Ermitt­lungs­be­hör­den auch die Tele­gram-Grup­pe, die noch immer von „Wal­ter Ger­hard Piran­ty“ als Inha­ber betrie­ben wird, näher unter­su­chen wür­den, könn­ten sie fest­stel­len, dass W. dort ganz aktu­ell und nach der angeb­li­chen anti­na­zis­ti­schen Häu­tung mit diver­sen Nazi-Bekannt­schaf­ten wie Franz und Geri Bot­schaf­ten teilt bzw. wei­ter­lei­tet, auch Mar­tin Sell­ner Platz ein­räumt. Falls Zwei­fel an der Gesin­nung von Wal­ter oder Wal­traud bestehen soll­ten: Es lässt sich dort auch der Ein­trag mit dem berüch­tig­ten Goeb­bels-Zitat aus des­sen Rede vom 18. Febru­ar 1943 (Sport­pa­last­re­de) fin­den: „Nun, Volk steh auf und Sturm brich los!“

Ist das nun neu­er­lich NS-Wie­der­be­tä­ti­gung oder nicht? Das nur halb ver­deck­te Haken­kreuz soll­te alle Zwei­fel beseitigen.

Piranty mit Goebbels-Zitat und Titelblatt einer NS-Propagandabroschüre auf Telegram (21.8.25)
Piran­ty mit Goeb­bels-Zitat und Titel­blatt einer NS-Pro­pa­gan­da­bro­schü­re auf Tele­gram (21.8.25)

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Schlagwörter: Neonazismus/Neofaschismus | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung | Wien

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