Es war „Österreich Rechtsaußen“, das 2023 in einer umfassenden Recherche Vergangenheit und Gegenwart von Walter unter dem Titel „Walter Gerhard Piranty und das Wehrdorf Szőce: Ein militanter Neonazi zwischen Rotlichtkriminalität, organisiertem Betrug und völkischer Landnahme“ veröffentlicht und ihn damit den ziemlich trüben Schatten seiner Vergangenheit entrissen und ans Licht geführt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war klar: Piranty ist noch immer in der Neonazi-Szene aktiv.
Etwa zur selben Zeit ist uns Piranty in einer anderen Rolle untergekommen. Im „blaubraunen Immo-Business“ um Harald Schmidt war er als Entkorker von Champagnerflaschen, Geldscheinzähler und vermutlich auch als Betrogener aufgetaucht. Jedenfalls schwärzte er via Facebook den braunen Harald Schmidt bei seinem Freundeskreis heftig an:
Das die Investoren, Vermieter, Notare,… um ihr Geld gebracht wurden — ok. Aber persönlich sich zu bereichern und mit „Huren & Champagner“ zu feiern während man die Angestellten nicht bezahlt das ist schon grenzwertig. Ich persönlich bekomme von der Firma Dr Schmidt und Partner €22.000,- und von Markus Pospichal €36.600,- was ja keine schlechten Summen sind. (Fehler im Original).
Im Wiederbetätigungsprozess gegen Waltraud Piranty tauchten einige der Namen aus ihrem Facebook-Freundeskreis als Adressaten der braunen WhatsApp-Botschaften, die sich über einen Zeitraum von acht Jahren (2015–2023) erstreckten, wieder auf. 39 Delikte nach dem Verbotsgesetz wurden Piranty vorgehalten und den Geschworenen als Fragen gestellt. 39-mal bejahten die Geschworenen einstimmig die Schuld der Angeklagten, die wie auch der Verteidiger nichts dagegen einzuwenden hatte. Ganz im Gegenteil: Der Verteidiger empfahl den Geschworenen sogar, die 39 Schuldfragen 39-mal mit Ja zu beantworten. Sogar ihre Aussagen im Ermittlungsverfahren, wonach sie ihre Nazi-Messages als Humor verstanden wissen wollte, nehme sie zurück, denn seit 2023 habe sie sich von ihrem braunen Gedankengut befreit.
Eine zweite wundersame Häutung also, die der anderen – von Walter zu Waltraud – zeitlich sogar vorausgegangen wäre. Wer soll das ernstnehmen? Schließlich ist Piranty 2020 auch schon wegen NS- Wiederbetätigung verurteilt worden – damals zu 18 Monaten Haft, davon sechs Monate unbedingt, weil er auf Instagram unter anderem über Hitler geschrieben hatte, dass der „viel zu gutmütig“ gewesen sei.
Die Gutmütigkeit des Gerichts 2020 hat bei Piranty wohl keinen Eindruck hinterlassen. Auf WhatsApp postete er munter seinen braunen Mist weiter, und in Ungarn baute er an seinem Wehrdorf für Neonazis.
Deshalb beließ es das Gericht am 12.12. nicht bei den 20 Monaten unbedingt für die 39 Delikte, sondern widerrief die bedingte Strafe von 2020: Macht zwölf weitere Monate Haft. Dazu kommen noch vier Monate unbedingt aus einem Urteil des Bezirksgerichts Favoriten von 2023 wegen Betrugs. Insgesamt summierte sich die Strafe auf 36 Monate unbedingt, die Waltraud nun für den Walter aus der Vergangenheit irgendwie abbüßen muss. „Irgendwie“ auch deshalb, weil W. auf Facebook darüber sinniert, ob sich die Haftstrafe nicht mit einer Fußfessel abwenden ließe. Auch diese Aussicht stimmt sie nicht fröhlich, weil selbst damit die Ungarn-Exkursionen flachfallen werden. Und auf Facebook ist sie wieder zur Humor-Variante seiner Nazi-Chatnachrichten zurückgekehrt.
P.S.: Wenn Ermittlungsbehörden auch die Telegram-Gruppe, die noch immer von „Walter Gerhard Piranty“ als Inhaber betrieben wird, näher untersuchen würden, könnten sie feststellen, dass W. dort ganz aktuell und nach der angeblichen antinazistischen Häutung mit diversen Nazi-Bekanntschaften wie Franz und Geri Botschaften teilt bzw. weiterleitet, auch Martin Sellner Platz einräumt. Falls Zweifel an der Gesinnung von Walter oder Waltraud bestehen sollten: Es lässt sich dort auch der Eintrag mit dem berüchtigten Goebbels-Zitat aus dessen Rede vom 18. Februar 1943 (Sportpalastrede) finden: „Nun, Volk steh auf und Sturm brich los!“
Ist das nun neuerlich NS-Wiederbetätigung oder nicht? Das nur halb verdeckte Hakenkreuz sollte alle Zweifel beseitigen.

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