Der „Arsch lecken“-Wirt aus Ternitz

Er beze­ich­net sein Gasthaus „Siga Siga“ in Ter­nitz als „Asyl­heim für Ungeimpfte“, Partei ‑und Vere­inslokal, nach­dem er wed­er über eine Gewer­be­berech­ti­gung noch über eine Betrieb­sstät­ten­genehmi­gung ver­fügt. Let­zte Woche war zum wieder­holten Mal die Polizei bei dem Wirt, der nun kein­er mehr sein will – kurz vor einem Vor­trag der recht­sex­tremen Noch-Min­is­te­ri­al­rätin Don­ner, zu dem auch der Neon­azi Küs­sel angereist ist. Des Ex-Wirten Spiel: Pro­voka­tio­nen und Übertre­tun­gen pro­duzieren, um sich immer weit­er als Opfer insze­nieren zu können.

Wann der Besitzer des griechis­chen Lokals „Siga Siga“ in Ter­nitz, Ioan­nis P., sein Lokal ges­per­rt hat oder sper­ren musste und nur mehr für „Fre­unde“ als „Asyl­heim für Ungeimpfte“ öffnet, haben wir nicht eruiert. Schon aber, dass er bere­its mehrfach Besuch von der Polizei hat­te: wegen Nichtein­hal­tung der Coro­na-Maß­nah­men und auch, weil keine Betrieb­sstät­ten­genehmi­gung vorgele­gen sein soll. Und es hat unzäh­lige Strafver­fü­gun­gen gegeben, von denen P. einige mit dem von ihm sehr beliebten „Arsch leck­en“ als Zusatz veröf­fentlicht hat und über die er sagt, dass „alles ungültig” sei: „Ich habe mich vom Sys­tem ver­ab­schiedet, ich zahle keine Strafe. (…) Eine Strafe wird Strafe genan­nt, wenn es bezahlt wird”, erzählt er in einem Video. „Auf der Gren­ze kom­men jeden Tag 400 Ille­gale”, phanat­siert der aus Griechen­land nach Öster­re­ich zuge­wan­derte Mann, „und die [die Polizei] stür­men im Lokal hier”.

In seinem an sich recht ein­töni­gen, fäkal geprägten Beschimp­fungsreper­toir befind­et sich auch „du Schwuch­tel, du“; jeden­falls hat der selb­ster­nan­nte Kämpfer für Men­schen­rechte P. damit einen Polizeibeamten bedacht und dafür eine Ver­wal­tungsstrafe wegen Ver­let­zung des öffentlichen Anstands kassiert. Aber P. scheint es ohne­hin auf Pub­lic­i­ty anzule­gen, die er reich­lich durch seine Pro­voka­tio­nen und Kon­fronta­tio­nen mit den Behör­den erhält. Strafver­fü­gun­gen wer­den dann auf Telegram präsen­tiert, was ihm in der ein­schlägi­gen Szene fort­laufend­en Applaus einträgt.

Strafe wegen Anstandsverletzung: "du Schwuchtel, du"

Strafe wegen Anstandsver­let­zung: „du Schwuch­tel, du”

P. auf TG: "70 bewaffnete Schwuchtel"

P. auf TG: „70 bewaffnete Schwuchtel”

Nach­dem am 11. Feb­ru­ar mehr als 40 Beamt*innen dem Lokal einen Besuch abges­tat­tet hat­ten, war es gle­ich zwei Tage später wieder so weit. Am 13. Feb­ru­ar verzichtete die Polizei jedoch darauf, das Lokal zu betreten, son­dern zog es vor, durchs Fen­ster hineinzuschauen.

Ankündigung Monika Donner im Siga Siga

Ankündi­gung Moni­ka Don­ner im Siga Siga

Am 11. Feb­ru­ar gab’s jeden­falls offen­bar Hochbe­trieb im „Siga Siga“. Angekündigt war ein Abend mit der vom Vertei­di­gungsmin­is­teri­um nach jahre­langem Treiben gekündigten Min­is­te­ri­al­rätin Moni­ka Don­ner, die nun fleis­sig durchs Land tourt, um vier- bis fün­f­stündi­ge Vorträge zur „Coro­na-Dik­tatur“ zu hal­ten. Für das ver­sproch­ene „sen­sa­tionelle Erleb­nis“ wird davor manch­mal Speis und Trank ange­boten – ver­mut­lich gegen Spenden. Don­ner selb­st ver­langt laut Web­site Ein­tritts­geld – geschmalzene 20 € bis 25€ pro Event.

Eintritte für Donner-Vorträge: 20.- und 25.-

Ein­tritte für Don­ner-Vorträge: 20.- und 25.-

Beim Griechen-Wirt in Ter­nitz befan­den sich im Vor­feld zum Don­ner-Abend mehr als 100 Per­so­n­en, um sich am Buf­fet zu laben, als um 18 Uhr die Polizei zu ein­er Razz­ia eintraf.

Küssel im Siga Siga

Küs­sel im Siga Siga

TG-Chat: "I kenn den Küssel ned amoi. war der wirklich dort ??" "Ja wegen Monika Donner"

TG-Chat: „I kenn den Küs­sel ned amoi. war der wirk­lich dort ??” „Ja wegen Moni­ka Donner”

Auf Twit­ter machte die Razz­ia, von der der Wirt live via Telegram berichtete, schnell die Runde, nach und nach wur­den weit­ere Details zum Ter­nitzer Gasthaus bekan­nt: die Anwe­sen­heit von Got­tfried Küs­sel, der sich bei der Essen­szu­fuhr offen­bar gestört fühlte und wegen Anstandsver­let­zung eine Anzeige kassiert haben soll, eine bemerkenswerte Schreib­weise der zwei S beim Lokalna­men, die in gemis­chter Typografie frap­pant an eine ver­brecherische Organ­i­sa­tion der Nation­al­sozial­is­ten erin­nert oder auch ein selt­samer Vere­in, der selt­same Pässe ausstellt und der uns daher noch beschäfti­gen wird.

"Siga Siga" mit 2 runenähnlichen "S"

„Siga Siga” mit 2 runenähn­lichen „S”

Die Lat­te an Ver­fehlun­gen, die seit­ens der Polizei am 11. Feb­ru­ar fest­gestellt wur­den, ist lang

.) unbefugte Gewer­beausübung ein­er Gaststätte,
.) Betrieb ein­er Gast­stätte ohne aufrechter Betriebsanlagengenehmigung,
.) Ver­dacht der Abgaben­hin­terziehung und Bes­tim­mungen nach dem ASVG,
.) 2 Betreiber des Gasthaus­es wegen Ver­stoß gegen das COVID-19-Maß­nah­menge­setz (mehrere Delikte),
.) 61 Anzeigen (Per­so­n­en) wegen Aufen­thalt in einem Gast­be­trieb ohne gülti­gen 2‑G- Nach­weis und
.) 6 Anzeigen wegen Anstandsverletzung.
Im gegen­ständlichen Lokal wur­den wider­rechtlich Speisen und Getränke aus­geschenkt und ein Küchen­be­trieb war ein­deutig wahrnehm­bar. Es waren außer­dem mehrere ille­gal beschäftigte Per­so­n­en im Lokal tätig. (Pressemel­dung 12.2.22 LPD NÖ)

„Die Lokalbe­treiber wiesen die Vor­würfe zurück: Es han­dle sich auss­chließlich um pri­vate Räum­lichkeit­en. Diese wür­den vom ‚Bünd­nis für Grun­drechte und Frei­heit’ und dem Vere­in ‚Triv­i­um inter­na­tion­al’ genutzt. Der griechis­che Betreiber nan­nte die Räum­lichkeit­en zudem ‚Asyl­heim für Ungeimpfte’.” (nachrichten.at, 14.2.22)

Der Gasthof soll nun also ein Lokal jen­er Partei („Bünd­nis”) sein, die die Schwurbler*innen der ersten Stunde, Kon­stan­ti­na Rösch und Roman Schiessler, ins Leben gerufen haben, nach­dem sie bei „MFG“ raus­ge­flo­gen sind. Mit der Organ­i­sa­tion „Triv­i­um inter­na­tion­al“, bei der P. Mit­glied ist, wer­den wir uns in einem zweit­en Teil beschäfti­gen, denn die weist wie P. auch selb­st starke reichs­bürg­er­liche Frag­mente auf.

➡️ Abzocke durch Reichs­bürg­er: Triv­i­um und Abakkana