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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Identitäre in der Leopoldstadt: Nicht willkommen!

Nach­dem sich die iden­ti­tä­re Mar­ke spä­tes­tens nach Bekannt­wer­den der Spen­de des Christ­church-Atten­tä­ters und dem Mail-Ver­kehr zwi­schen ihm und Sell­ner zer­brö­selt hat­te, muss­ten sich Sell­ner und sei­ne Trup­pe neu erfin­den. Unter neu­em Namen und alten Inhal­ten ver­su­chen sie sich nun wie­der­zu­be­le­ben. Ein „Bür­ger­treff“ in der Leo­pold­stadt ist gründ­lich in die Hose gegan­gen. Ein Bericht.

20. Feb. 2020
Uschi Lichtenegger und Niki Kunrath (rechts) im Gespräch mit der Wirtin des Gasthauses Reinthaler (links)
Uschi Lichtenegger und Niki Kunrath (rechts) im Gespräch mit der Wirtin des Gasthauses Reinthaler (links)

Wir wis­sen ja, dass bei Kame­rad Sell­ner die Wen­dung „in die Hose gehen“ durch­aus sei­ne ursprüng­li­che Bedeu­tung haben kann und seit­her „ange­sell­nert“ zu einer Duft­mar­ke gewor­den ist – aber das mei­nen wir dies­mal nicht. Ges­tern, 19. Febru­ar 2020, woll­te die Sellner’sche Trup­pe mit­tels eines Bür­ger­treffs wie­der ein­mal den gro­ßen Bevöl­ke­rungs­aus­tausch unter die Bür­ger brin­gen, und zwar im Stu­wer­vier­tel in der Wie­ner Leo­pold­stadt. Auf­merk­sa­me Nach­ba­rIn­nen aus der loka­len Initia­ti­ve des „Stu­werk­o­mi­tee“ hat­ten kei­ne Lust auf die unge­be­te­nen Gäs­te und ersuch­ten das Gast­haus „Zum Mäh­ri­schen Spat­zen“, die iden­ti­tä­re Reser­vie­rung zu stor­nie­ren samt dem Ange­bot, den Ver­dienst­ent­gang durch ein spon­ta­nes Come Tog­e­ther von Anrai­ne­rIn­nen und Freun­dIn­nen zu kom­pen­sie­ren. Unter­stüt­zung gab’s dafür sei­tens der Bezirks­vor­ste­he­rin Uschi Lichtenegger.

Der Wirt lud die Gäs­te, die sich ganz iden­ti­täts­los bei ihm ange­mel­det hat­ten, wie­der aus. Dar­auf folg­te ein durch einen Auf­ruf von Sell­ner aus­ge­lös­ter Tele­fon­ter­ror, der – ganz iden­ti­tä­rer Stil – umge­deu­tet wur­de: Es sei­en Dro­hun­gen von „Links­extre­mis­ten“ gewe­sen, die das Lokal zur Aus­la­dung von Sell­ner und Kon­sor­ten gebracht hätten.

Identitäre Täterumkehr: Das Stuwerkomitee "drohte" mit der Kompensation des Verdienstentgangs, die Identitären realisierten Telefonterror und zudem die Täuschung, man würde sich vor dem Lokal treffen, obwohl schon länger zuvor in einem anderen Lokal reserviert wurde.
Iden­ti­tä­re Täter­um­kehr: Das Stu­werk­o­mi­tee „droh­te” mit der Kom­pen­sa­ti­on des Ver­dienst­ent­gangs, die Iden­ti­tä­ren rea­li­sier­ten Tele­fon­ter­ror und zudem die Täu­schung, man wür­de sich vor dem Lokal tref­fen, obwohl schon län­ger zuvor in einem ande­ren Lokal reser­viert wurde.

Wäh­rend sich also beim „Mäh­ri­schen Spat­zen“ eine Rei­he von Stu­wer­viert­le­rIn­nen mit auf Links­extrem gepol­tem Kind und Kegel zum typisch links­extre­men Schweinsbraten‑, Knö­del- und Sau­er­kraut­ver­zehr ein­fan­den, die Poli­zei vor dem Lokal Auf­stel­lung nahm und ein paar Iden­ti­tä­re eben­falls – die hat­ten näm­lich als Treff­punkt offi­zi­ell noch immer das Lokal ange­ge­ben –, war bereits längst klar, dass anders­wo reser­viert wor­den war: näm­lich in dem nahe­ge­le­ge­nen Gast­haus Rein­th­a­ler, des­sen Wir­tin dann angab, die Reser­vie­rung sei bereits fünf oder sechs Tage zuvor erfolgt – was vor dem Pro­test durch die Anrai­ne­rIn­nen und der Aus­la­dung durch den Spat­zen-Wirt gewe­sen wäre.

Identitäre Verlagerung des Treffens
Iden­ti­tä­re Ver­la­ge­rung des Treffens

Ein „Niko­laus Schmied“ habe bei ihr ange­ru­fen und ohne Anga­be des eigent­li­chen Zwecks, eine poli­ti­sche Ver­samm­lung durch­füh­ren zu wol­len, für ca. 50 Per­so­nen reser­viert, erzähl­te die empör­te Wir­tin. Als jedoch vor ihrem Lokal Poli­zei, Jour­na­lis­tIn­nen, eine Rei­he von Stu­wer­viert­le­rIn­nen, ande­re Anti­fa­schis­tIn­nen samt der Bezirks­vor­ste­he­rin auf­tauch­ten, ent­schloss sich auch die­se Wir­tin kur­zer­hand, die Iden­ti­tä­ren wie­der aus­zu­la­den. Sie ersuch­te die unge­be­te­nen Gäs­te, das Lokal zu ver­las­sen. Die wei­ger­ten sich unter Andro­hung, die Rech­nung für die bis dort­hin getä­tig­ten Kon­su­ma­tio­nen nicht zu bezah­len. Die inzwi­schen völ­lig ver­zwei­fel­te Wir­tin ver­si­cher­te vor dem Lokal mehr­fach, von den Iden­ti­tä­ren miss­braucht wor­den zu sein und dass sie befürch­te, dadurch in ihrer Exis­tenz bedroht zu sein. Sie sei unpo­li­tisch und wol­le kei­ne Radi­ka­len in ihrem Gast­haus sehen.

Nach­dem die iden­ti­tä­re Info-Ver­an­stal­tung gefloppt ist und kei­ne Infos an die Ohren der Anwe­sen­den drin­gen konn­ten, weil die iden­ti­tä­re Ener­gie auf Dis­kus­sio­nen mit den Wirts­leu­ten und hek­ti­sche Tele­fo­na­te gerich­tet wer­den muss­te, ver­ließ die Crew ganz patrio­tisch-mann­haft das Lokal: „High­light des Abends: Beim geschlos­se­nen Ver­las­sen des Lokals kam von einem der Kader das Kom­man­do ‚Män­ner nach vor­ne, Frau­en nach hin­ten’. Gedacht war das wohl als ‚Sicher­heits­maß­nah­me’.“

High­light des Abends: Beim geschlos­se­nen Ver­las­sen des Lokals kam von einem der Kader das Kom­man­do „Män­ner nach vor­ne, Frau­en nach hin­ten“. Gedacht war das wohl als „Sicher­heits­maß­nah­me“.

— Anti­fa-Prin­zes­sin (@_schwarzeKatze) Febru­ary 19, 2020

Was bleibt: Zwei Gast­häu­ser, deren Besit­ze­rIn­nen Opfer des iden­ti­tä­ren Ein­falls gewor­den waren und die sich nun in ihrer Exis­tenz bedroht füh­len. Der Tele­fon­ter­ror aus der iden­ti­tä­ren Ecke an den Wirt des „Mäh­ri­schen Spat­zen“ geht wei­ter. Aber auch Bewoh­ne­rIn­nen, die in ihrem Vier­tel dar­auf schau­en, dass Rechts­extre­me hier nichts zu sagen haben.

Die Bezirks­vor­ste­he­rin Uschi Lich­ten­eg­ger, die schon vor­ab im Gespräch mit dem Wirt des „Mäh­ri­schen Spat­zen“ und ges­tern auch vor Ort war, hat eben­falls eine ein­deu­ti­ge Mei­nung: „Ich bin in der Ver­gan­gen­heit immer gegen Het­zer und Spal­ter vor­ge­gan­gen und tue das nun selbst­ver­ständ­lich auch als Vor­ste­he­rin eines Bezirks, der im Fokus natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­nich­tungs­po­li­tik war. Das sind wir den Opfern von Ras­sen­wahn schul­dig. Ich will hier ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben und unter­stüt­ze daher jede Initia­ti­ve, die die­ses Ziel auch verfolgt.“

Uschi Lichtenegger und Niki Kunrath (rechts) im Gespräch mit der Wirtin des Gasthauses Reinthaler (links)
Uschi Lich­ten­eg­ger und Niki Kun­rath (rechts) im Gespräch mit der Wir­tin des Gast­hau­ses Rein­th­a­ler (links)

Der Wie­ner Gemein­de­rats­ab­ge­ord­ne­te Niki Kun­rath war ges­tern eben­falls im Stu­wer­vier­tel. Er brach­te in die­ser Woche eine Anzei­ge ein, weil „Die (iden­ti­tä­ren) Öster­rei­cher“ offen­bar die öster­rei­chi­sche Geset­zes­la­ge igno­rie­ren und ihr Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al ohne Impres­sum unter die Leu­te brin­gen – auch ges­tern prang­ten Zet­tel mit den wahn­haf­ten Bevöl­ke­rungs­aus­tausch­phan­ta­sien hin­ter den Wind­schutz­schei­ben zahl­rei­cher PKW im Stu­wer­vier­tel. Wie­der ille­gal, weil ohne Impres­sum. Kun­rath hat die Zet­tel ein­ge­sam­melt und wird sie sei­ner Anzei­ge beilegen.

Anzeige Niki Kunrath gegen Identitäre wegen illegaler Flugblätter
Anzei­ge Niki Kun­rath gegen Iden­ti­tä­re wegen ille­ga­ler Flugblätter

Und die Moral von der Geschicht: Lie­be Wir­te, Obacht! Wenn sich bei Euch ein Niko­laus mel­det, könn­te es dazu füh­ren, dass sich ein Hau­fen Kram­pus­se ein­fin­det, die dann die Zeche prel­len und nicht mehr ver­schwin­den wollen!

P.S.: Wäh­rend sich der iden­ti­tä­re Web­auf­tritt im Umbau befin­det, ist der Face­book-Auf­tritt von „Die (iden­ti­tä­ren) Öster­rei­cher“ off­line gegan­gen. Sicher nicht freiwillig.

Die Identitären im Umbau
Die Iden­ti­tä­ren im Umbau

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