Strache, das System, der Hund und die Wanze

Das fehlte noch! Der zurückgetretene Vizekanzler Strache wird vom „Wochenblick“ interviewt und brabbelt dabei von fassungslosen Entwicklungen und einem politischen Attentat, das auf ihn ausgeführt worden sei. Der Interviewer nickt, man versteht sich! Kein Wunder, denn es handelt sich um Stefan Magnet, in den 2000er Jahren Kader beim neonazistischen Bund freier Jugend, der in den letzten Jahren auch als „Berater“ und „Gastautor“ der rechtsextremen Zeitschrift „info-direkt“ aufgetreten ist.

Bevor Magnet das Video-Interview mit HC Strache beginnt, erklärt er sich noch kurz dazu, weist darauf hin, dass das „System“ mit „perfekter Manipulation“ arbeite, um im Fall „Ibiza“ Strache den „finalen Stoß“ zu geben und die FPÖ zu kriminalisieren: „Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, die Mechanismen und Kriminalisierungsversuche des Systems, des tiefen Staates, des alten Establishments genauer zu beleuchten.“

Titel Strache-Interview im Wochenblick: "Stand er Globalisten im Weg?"

Titel Strache-Interview im Wochenblick: „Stand er Globalisten im Weg?“

Magnet kündigt für das rund 50-minütige Interview an, „deshalb keine Verhörmethode“ anwenden zu wollen: „Wir haben ihn ausreden lassen.“ Das war vielleicht ein Fehler, denn Strache brabbelt im Interview tatsächlich drauf los, spricht von „fassungslosen Entwicklungen“, mit denen „man“ konfrontiert sei, ist „peinlich berührt“ von seinem Auftritt auf Ibiza, hinter dem „natürlich ein politisches Attentat“ auf ihn stehe. „Man“ habe über „das Ausland“ eine Regierung zu Fall gebracht. Und wie? Vielleicht habe „man“ ihm etwas untergejubelt in seinem Getränk.

Etwas weinerlich dann: „Da will man jemanden, der in den letzten zwei Jahren Tag und Nacht für die österreichische Bevölkerung unterwegs war, politisch ausschalten.“ Schnief, da ist es wieder, das Opfer! Etwas später erhöht er dann seinen Einsatz noch: „Ich bin nicht vierzehn Jahre für die Partei und das Land gelaufen“, um sich diese Arbeit dann gefährden zu lassen.

Stefan Magnet ist mit dem unbestimmten „man“ unzufrieden. Er will es konkreter: „Sie haben die globalistische Agenda nicht mitgespielt.“ Da fällt es Strache dann wie Schuppen von den Augen: Ja, da war ja die Sache mit der Abhöranlage in den Räumlichkeiten des Palais Dietrichstein. Damals, zu Beginn seiner Amtszeit, sei eine funktionsfähige Abhöranlage entdeckt worden (die sich dann als Parlamentslautsprecher herausgestellt hat). Wir erinnern uns alle noch etwas besser als Strache: Als die Sache mit dem antisemitischen Liederbuch der „Germania“ in Wiener Neustadt hochkochte, fiel dem HC die Abhörwanze in seinem Büro ein und zur Draufgabe auch noch ein huschender Schatten, ein „Einbrecher“, der über die Nottreppe verschwunden sein soll. Was hat der Einbrecher mitgenommen damals? „Man“ weiß es nicht – jedenfalls nicht das Handy, das ist erst jetzt bei der Hausdurchsuchung beim HC beschlagnahmt worden. Für Strache ein Skandal damals und ein Skandal jetzt: „Man ist entsetzt“, Frau und Kind haben bei der Hausdurchsuchung noch geschlafen, der „Hund [war[ aufgeregt“.

Ein Hund huscht durch das Interview, wird von Strache gestreichelt, ist daher überhaupt nicht aufgeregt und trottet wieder ab. Als sich Strache dann für seine „despektierlichen Worte“ gegenüber Journalisten entschuldigt („Ich habe das nie pauschal gemeint“), regt sich nicht einmal Magnet auf, der zuvor noch fest auf sie geschimpft hat. Leider bleiben die „despektierlichen Worte“ gegenüber Journalisten aus dem Ibiza-Auftritt auch ausgespart. Damals hat Strache, dem „man“ vielleicht etwas untergejubelt hat in sein Getränk, die Journalisten im Kontext der Übernahme der Kronen-Zeitung in drei Gruppen eingeteilt und die so plastisch veranschaulicht, dass es auch die falsche Oligarchin mit den dreckigen Zehen verstehen musste. Grün waren für Strache diejenigen, die schon auf Linie sind, orange jene, die noch auf Linie gebracht werden können und rot die Gruppe, die aufs Abstellgleis gehört. Eigentlich einfach zu verstehen. Das hat er dann noch textlich so ausgeführt: „Journalisten sind sowieso die größten Huren auf dem Planeten. Sobald sie wissen, wohin welche Reise geht, funktionieren sie so oder so.

Das war natürlich alles nie und nimmer pauschal gemeint und wäre eigentlich schon ein großartiger Schluss für diesen Bericht, gäbe es nicht noch ein echtes Schlusswort, in dem Strache versichert: „Für Spekulationen werde ich nicht zur Verfügung stehen.“ Worauf Magnet – unter beiderseitigem Gelächter – antwortet: „Versuchen darf man’s.“

Strache mit Magnet im Wochenblick, wo er "nicht spekulieren" will: "In diesem spekuliert er gemeinsam mit dem Leiter des „Wochenblick“-Clubs, Stefan Magnet, ob hinter den Aktionen gegen seine Person vielleicht ein Plan stehen könnte, ihn mit allen Mitteln los zu werden."

Strache mit Magnet im Wochenblick, wo er „nicht spekulieren“ will: „In diesem spekuliert er gemeinsam mit dem Leiter des „Wochenblick“-Clubs, Stefan Magnet, ob hinter den Aktionen gegen seine Person vielleicht ein Plan stehen könnte, ihn mit allen Mitteln los zu werden.“

Ja, so sind sie halt, unsere beiden Schlingel, „spekulieren“ ein bisschen über das „System“, das „so brutal“ und aus dem „Ausland“ den HC und die FPÖ aus der Regierung „weggeputscht“ habe, weil sie der „globalistischen Agenda“ im Wege stünden. „Versuchen darf man’s“ ja, oder? Hahaha! Die Spekulationen sind nicht mehr ganz so primitiv und krass wie in den Jugendjahren der beiden, wo „man“ noch ganz andere Töne hören konnte. Damals sind sie sich zwar generationenmäßig noch aus dem Weg gegangen, aber nicht ideell. Strache bei Wehrsportübungen, „Wiking-Jugend“ und Widerstand gegen den „Heldenplatz“, Magnet etliche Jahre später beim „Bund freier Jugend“ mit Küssel & Co und FPÖ-Podgorschek demonstrierend in Braunau/Inn. Jetzt trifft man sich bei der Systemkritik.

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau