Gloria TV verharmlost sexuellen Missbrauch und hetzt

Die katholische Kirche Deutschlands hat am 25.9. eine Studie zum sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Mitglieder des Klerus vorgestellt – mit erschreckenden Ergebnissen. Während für die StudienautorInnen die erhobenen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs darstellen, wird der massive Missbrauch von „Gloria TV“, einem Online-Medium am äußersten rechten Rand der Kirche, zynisch verharmlost und noch dazu der angeblichen Homosexualität der Täter in die Schuhe geschoben.

3.677 Kinder und Jugendliche wurden von 1.670 Klerikern im Zeitraum zwischen 1946 und 2014 sexuell missbraucht – so das Ergebnis der Studie im Auftrag der Bischofskonferenz der katholischen Kirche Deutschlands. Viele unter den Opfern wurden nicht einmal, sondern über Jahre hinweg oftmals missbraucht. Während die StudienautorInnen ausdrücklich festhalten, dass es sich nicht um eine repräsentative Studie handle und somit maximal die Spitze eines Eisbergs durch die erhobenen Zahlen sichtbar wurde, weil es zum Beispiel keinen Zugang zu Unterlagen der Ordenseinrichtungen gegeben hat, wird der sexuelle Missbrauch von den Rechtsauslegern bei „gloria.tv“ in skandalöser Weise verharmlost, und die Täter werden im zweiten Schritt die Täter als Homosexuelle bezeichnet.

Logo gloria.tv "the more catholic the better"

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„Gerade mal 3.677 homosexuelle Übergriffe, fast alle unbestätigt und von unbedeutender Natur. Nur bei rund 600 Opfern – kam es zu einer Form von Vergewaltigung“ – mit dieser unglaublich zynischen und hetzerischen Feststellung will „gloria.tv“ in der Sendung „Gloria Global“ vom 13.9.2018 den massiven sexuellen Missbrauch einerseits verharmlosen und andererseits den Tätern eine homosexuellen Orientierung unterschieben. Das ist zwar unrichtig, hilft „gloria.tv“ aber dabei, den Fokus seiner Hetze auf homosexuelle Menschen zu lenken. Dazu wird der 2009 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof ernannte und aufgrund von Protesten innerhalb weniger Tage wieder abgesetzte „Monsignore“ Gerhard Wagner zitiert:

„Homosexuelle wollten Lärm machen und anderen ihren perversen und satanischen Lebensstil aufzwingen, weil sie Feinde Gottes sind. Wagner betont, dass es nicht wahr ist, dass die Strafe Gottes nicht existiere. Es genüge zu lesen, was mit Sodom und Gomorra geschah. Strafen Gottes wie Unfälle, Kriege, Erdbeben, Brände seien Einladung, den Kurs zu ändern, stellt Mons. Wagner fest.“

Wagners schwachsinnige und zynische Bemerkungen zu Gottesstrafen könnte man vielleicht ignorieren, aber im Kontext mit seinen hetzerischen Bemerkungen über den „perversen und satanischen Lebensstil“ von Homosexuellen, die „Feinde Gottes“ seien, die auch die erwähnten Gottesstrafen hervorrufen würden, erinnert man sich daran, dass diese Hetze bei Wagner bzw. „gloria.tv“ Methode hatte. Den Hurrikan „Katrina“ brachte Wagner in Zusammenhang mit Abtreibungskliniken und einer bevorstehenden (!) Schwulenparade in New Orleans. Beim Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 war für ihn der Umstand „interessant“, dass auf Haiti 90 Prozent Anhänger von „Voodoo“-Kulten seien. Die Lektüre von Harry Potter war für ihn ein Einfallstor für Satanismus und Okkultismus.

Screenshot gloria.tv Nachrichten 13.9.18

Screenshot gloria.tv Nachrichten

Bei „gloria.tv“ hat Wagner den zu ihm passenden Resonanzboden gefunden. Das rechte und fundamentalistische Webportal, das in erster Linie Video-Nachrichten vertreibt, hat sich in den letzten Jahren immer deutlicher in Stil und Sprache dem 2012 verblichenen antisemitischen, schwulenfeindlichen und rechtsextremen Webportal „kreuz.net“ angenähert. Vermutlich gibt es auch personelle Überschneidungen. Obwohl „gloria.tv“ mitten aus dem zweiten Wiener Gemeindebezirk agiert, versucht es schon seit Jahren sich einer strafrechtlichen Verfolgung dadurch zu entziehen, dass es sowohl seine Internetadresse als auch Impressum in andere Länder verlagert.

kreuz.net: Schwulenfeindliche Hetze gegen einen Toten

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2013 kam es in den Räumen von „gloria.tv“ in der Wiener Leopoldstadt und in Grieskirchen (OÖ) zu Hausdurchsuchungen wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung gegen Kleriker, die „gloria.tv“ zugeordnet werden können. So wie bei den Ermittlungen zu „kreuz.net“, die 2017 noch immer gegen sieben Beschuldigte liefen, ohne dass ein Resultat in Form einer Anklage sichtbar gewesen wäre, scheinen auch die Ermittlungen zu „gloria.tv“ ohne Fortschritte zu sein.

Zu dem Beitrag von „gloria.tv“ in der Nachrichtensendung „Gloria Global“ vom 13.9. 2018 haben wir nun eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht.

Bericht im Standard