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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Gloria TV verharmlost sexuellen Missbrauch und hetzt

Die katho­li­sche Kir­che Deutsch­lands hat am 25.9. eine Stu­die zum sexu­el­len Miss­brauch an Kin­dern und Jugend­li­chen durch Mit­glie­der des Kle­rus vor­ge­stellt – mit erschre­cken­den Ergeb­nis­sen. Wäh­rend für die Stu­di­en­au­torIn­nen die erho­be­nen Zah­len nur die Spit­ze des Eis­bergs dar­stel­len, wird der mas­si­ve Miss­brauch von „Glo­ria TV“, einem Online-Medi­um am äußers­ten rech­ten Rand der Kir­che, zynisch ver­harm­lost und noch dazu der angeb­li­chen Homo­se­xua­li­tät der Täter in die Schu­he geschoben.

26. Sep. 2018
Logo gloria.tv "the more catholic the better"
Logo gloria.tv

3.677 Kin­der und Jugend­li­che wur­den von 1.670 Kle­ri­kern im Zeit­raum zwi­schen 1946 und 2014 sexu­ell miss­braucht – so das Ergeb­nis der Stu­die im Auf­trag der Bischofs­kon­fe­renz der katho­li­schen Kir­che Deutsch­lands. Vie­le unter den Opfern wur­den nicht ein­mal, son­dern über Jah­re hin­weg oft­mals miss­braucht. Wäh­rend die Stu­di­en­au­torIn­nen aus­drück­lich fest­hal­ten, dass es sich nicht um eine reprä­sen­ta­ti­ve Stu­die hand­le und somit maxi­mal die Spit­ze eines Eis­bergs durch die erho­be­nen Zah­len sicht­bar wur­de, weil es zum Bei­spiel kei­nen Zugang zu Unter­la­gen der Ordens­ein­rich­tun­gen gege­ben hat, wird der sexu­el­le Miss­brauch von den Rechts­aus­le­gern bei „gloria.tv“ in skan­da­lö­ser Wei­se ver­harm­lost, und die Täter wer­den im zwei­ten Schritt die Täter als Homo­se­xu­el­le bezeichnet.

Logo gloria.tv "the more catholic the better"
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„Gera­de mal 3.677 homo­se­xu­el­le Über­grif­fe, fast alle unbe­stä­tigt und von unbe­deu­ten­der Natur. Nur bei rund 600 Opfern – kam es zu einer Form von Ver­ge­wal­ti­gung“ – mit die­ser unglaub­lich zyni­schen und het­ze­ri­schen Fest­stel­lung will „gloria.tv“ in der Sen­dung „Glo­ria Glo­bal“ vom 13.9.2018 den mas­si­ven sexu­el­len Miss­brauch einer­seits ver­harm­lo­sen und ande­rer­seits den Tätern eine homo­se­xu­el­len Ori­en­tie­rung unter­schie­ben. Das ist zwar falsch, hilft „gloria.tv“ aber dabei, den Fokus sei­ner Het­ze auf homo­se­xu­el­le Men­schen zu len­ken. Dazu wird der 2009 von Papst Bene­dikt XVI. zum Bischof ernann­te und auf­grund von Pro­tes­ten inner­halb weni­ger Tage wie­der abge­setz­te „Mon­si­gno­re“ Ger­hard Wag­ner zitiert:

Homo­se­xu­el­le woll­ten Lärm machen und ande­ren ihren per­ver­sen und sata­ni­schen Lebens­stil auf­zwin­gen, weil sie Fein­de Got­tes sind. Wag­ner betont, dass es nicht wahr ist, dass die Stra­fe Got­tes nicht exis­tie­re. Es genü­ge zu lesen, was mit Sodom und Gomor­ra geschah. Stra­fen Got­tes wie Unfäl­le, Krie­ge, Erd­be­ben, Brän­de sei­en Ein­la­dung, den Kurs zu ändern, stellt Mons. Wag­ner fest.

Wag­ners schwach­sin­ni­ge und zyni­sche Bemer­kun­gen zu Got­tes­stra­fen könn­te man viel­leicht igno­rie­ren, aber im Kon­text mit sei­nen het­ze­ri­schen Bemer­kun­gen über den „per­ver­sen und sata­ni­schen Lebens­stil“ von Homo­se­xu­el­len, die „Fein­de Got­tes“ sei­en, die auch die erwähn­ten Got­tes­stra­fen her­vor­ru­fen wür­den, erin­nert man sich dar­an, dass die­se Het­ze bei Wag­ner bzw. „gloria.tv“ Metho­de hat­te. Den Hur­ri­kan „Kat­ri­na“ brach­te Wag­ner in Zusam­men­hang mit Abtrei­bungs­kli­ni­ken und einer bevor­ste­hen­den Schwu­len­pa­ra­de in New Orleans. Beim Erd­be­ben in Hai­ti im Jahr 2010 war für ihn der Umstand „inter­es­sant“, dass auf Hai­ti 90 Pro­zent Anhän­ger von „Voodoo“-Kulten sei­en. Die Lek­tü­re von Har­ry Pot­ter war für ihn ein Ein­falls­tor für Sata­nis­mus und Okkultismus.

Screenshot gloria.tv Nachrichten 13.9.18
Screen­shot gloria.tv Nachrichten

Bei „gloria.tv“ hat Wag­ner den zu ihm pas­sen­den Reso­nanz­raum gefun­den. Das rech­te und fun­da­men­ta­lis­ti­sche Web­por­tal, das in ers­ter Linie Video-Nach­rich­ten ver­treibt, hat sich in den letz­ten Jah­ren immer deut­li­cher in Stil und Spra­che dem 2012 ver­bli­che­nen anti­se­mi­ti­schen, schwu­len­feind­li­chen und rechts­extre­men Web­por­tal „kreuz.net“ ange­nä­hert. Ver­mut­lich gibt es auch per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen. Obwohl „gloria.tv“ mit­ten aus dem zwei­ten Wie­ner Gemein­de­be­zirk agiert, ver­sucht es schon seit Jah­ren sich einer straf­recht­li­chen Ver­fol­gung dadurch zu ent­zie­hen, dass es sowohl sei­ne Inter­net­adres­se als auch Impres­sum in ande­re Län­der verlagert.

kreuz.net: Schwulenfeindliche Hetze gegen einen Toten
kreuz.net: Schwu­len­feind­li­che Het­ze gegen einen Toten

2013 kam es in den Räu­men von „gloria.tv“ in der Wie­ner Leo­pold­stadt und in Gries­kir­chen (OÖ) zu Haus­durch­su­chun­gen wegen des Ver­dachts der NS-Wie­der­be­tä­ti­gung gegen Kle­ri­ker, die „gloria.tv“ zuge­ord­net wer­den kön­nen. Wie bei den Ermitt­lun­gen zu „kreuz.net“, die 2017 noch immer gegen sie­ben Beschul­dig­te lie­fen, ohne dass ein Resul­tat in Form einer Ankla­ge sicht­bar gewe­sen wäre, schei­nen auch die Ermitt­lun­gen zu „gloria.tv“ ohne Fort­schrit­te zu sein.

Zu dem Bei­trag von „gloria.tv“ in der Nach­rich­ten­sen­dung „Glo­ria Glo­bal“ vom 13.9.2018 hat „Stoppt die Rech­ten” nun eine Sach­ver­halts­dar­stel­lung bei der Staats­an­walt­schaft Wien eingebracht.

➡️ Bericht im „Stan­dard” (26.9.18): Die Stra­fe Got­tes und Olig­ar­chen­me­di­en in der Welt von Glo­ria TV

 

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