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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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FPÖ: Einschüchtern und Drohen bis zur Lächerlichkeit

Wegen „War­tungs­ar­bei­ten“ ist die blaue Mel­de­stel­le ‚Par­tei­freie Schu­le‘, über die man dem FPÖ-OÖ-Par­tei­chef Haim­buch­ner irgend­wel­che Vor­komm­nis­se an ober­ös­ter­rei­chi­schen Schu­len mel­den kann, seit eini­gen Tagen geschlos­sen. Offen­sicht­lich stockt das Pro­jekt. Dar­über kön­nen auch die wüten­den par­la­men­ta­ri­schen Anfra­gen von FPÖ-Abge­ord­ne­ten nicht hin­weg­täu­schen. Sie geben aller­dings eine Ahnung, was die FPÖ mit Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten vorhat.

25. Mai 2017

Es hat gar nicht den Vor­trag des Rechts­extre­mis­mus-Exper­ten Tho­mas Ram­mer­stor­fer am BORG Honau­er­stra­ße am 8.März gebraucht, um die FPÖ in Alarm­zu­stand zu ver­set­zen. Als Anfang Febru­ar am Bun­des­re­al­gym­na­si­um Wörgl im Rah­men eines Eng­lisch-Tests der vier­ten Klas­se der Satz „Unter den Gemein­den ist Wörgl die, wo die meis­ten Asyl­su­chen­den zusam­men­ge­schla­gen wer­den“ zum Über­set­zen vor­ge­legt wur­de, tob­te die FPÖ wochen­lang. Obwohl sich Schu­le und Lehr­kraft sofort für das sinn- und fak­ten­freie Über­set­zungs­ge­bil­de ent­schul­dig­ten, beharr­te die FPÖ-Abge­ord­ne­te Schi­ma­nek dar­auf, dass es sich dabei um eine „links­ideo­lo­gi­sche Ent­glei­sung“ gehan­delt habe. Wochen spä­ter, nach­dem der Satz an der Schu­le und in der Lokal­pres­se schon längst abge­han­delt war, stell­te Schi­ma­nek dann sogar eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge an die Bildungsministerin.

"Meldestelle 'Parteifreie Schule'" der FPÖ in OÖ ist "vorübergehend außer Betrieb."
„Mel­de­stel­le ‚Par­tei­freie Schu­le’ ” der FPÖ in OÖ ist „vor­über­ge­hend außer Betrieb.”

Der Vor­trag von Tho­mas Ram­mer­stor­fer am BORG Honau­er­stra­ße zum The­ma „Die extre­mis­ti­sche Her­aus­for­de­rung“ ver­setz­te nicht nur den FPÖ-Abge­ord­ne­ten Roman Hai­der so in Wal­lung, dass er über tele­fo­ni­sche Inter­ven­tio­nen den Abbruch der Ver­an­stal­tung erzwang, son­dern die gesam­te FPÖ. Die FPÖ-OÖ bas­tel­te ihre Ver­na­de­rungs­sei­te, die jetzt off­line ist, und diver­se FPÖ-Abge­ord­ne­te par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen, über die nicht nur der Abge­ord­ne­te Roman Hai­der, der mitt­ler­wei­le Gegen­stand einer Sach­ver­halts­dar­stel­lung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums ist, ent­las­tet wer­den soll­te, son­dern vor allem eine Droh- und Ein­schüch­te­rungs­ku­lis­se gegen­über allen und jedem, was Kri­tik an der FPÖ bedeu­tet, auf­ge­baut wer­den sollte.

Einen ers­ten Erfolg erziel­te die FPÖ ja dadurch, dass es ihrem Abge­ord­ne­ten Hai­der gelun­gen ist, die Ver­an­stal­tung mit Ram­mer­stor­fer nach des­sen Vor­trag und vor der Dis­kus­si­on abbre­chen zu las­sen. Wie der ober­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­schul­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me für den Lan­des­haupt­mann fest­stell­te, war der Abbruch der Ver­an­stal­tung in kei­ner Wei­se gerecht­fer­tigt. Die von der Schul­auf­sicht befrag­ten Klas­sen­spre­che­rIn­nen der an der Ver­an­stal­tung betei­lig­ten Klas­sen beur­teil­ten die Ver­an­stal­tung völ­lig anders als der Sohn von Roman Hai­der, der die Inter­ven­ti­on veranlasste.

Auch gegen diese Diskussionsveranstaltug ging die FPÖ mit allen Mitteln vor... (Ganze Einladung hier zur Ansicht)
Auch gegen die­se Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tug ging die FPÖ mit allen Mit­teln vor.(Gan­ze Ein­la­dung hier zur Ansicht)

Als Resü­mee bleibt, dass dem Vor­tra­gen­den Tho­mas Ram­mer­stor­fer zwar nichts, aber auch schon gar nichts wegen sei­nes Vor­trags vor­ge­wor­fen wur­de (von den Schü­le­rIn­nen) bzw. wer­den kann (vom Lan­des­schul­rat), aber die FPÖ jeden Auf­tritt von Ram­mer­stor­fer bei einer Bil­dungs­ein­rich­tung am liebs­ten ver­hin­dern möch­te. Weil Ram­mer­stor­fer am 6. April an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Wien zum The­ma „Was darf Poli­ti­sche Bil­dung?“ refe­rier­te, stell­te die FPÖ auch zu die­sem Vor­trag eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge. Ram­mer­stor­fer ist auch ein Ken­ner des tür­ki­schen Rechts­extre­mis­mus. Passt das der FPÖ nicht?

Par­al­lel zu den Droh­ge­bär­den im Schul­be­reich arbei­tet die FPÖ auch einer ent­spre­chen­den Droh­ku­lis­se im Bereich Uni­ver­si­tä­ten und Wis­sen­schaft. Vor allem der Zahn­arzt Andre­as Karls­böck zeich­net sich durch par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen der unters­ten Klas­se aus. Ende März echauf­fier­te er sich in einer Anfra­ge betref­fend „ideo­lo­gisch gefärb­te Erklä­rung von öffent­lich-recht­li­chen Uni­ver­si­täts-Insti­tu­ten zu Flucht und Migra­ti­on“ über eine gemein­sa­me Erklä­rung von Uni­ver­si­täts­in­sti­tu­ten, Muse­en, Ver­ei­nen und Fach­ver­bän­den zum The­ma Flucht und Migration.

Schon vor­her wet­ter­te er in par­la­men­ta­ri­schen Anfra­gen gegen den Uni­ver­si­täts­lek­tor Tho­mas Schmi­din­ger, des­sen „Dul­dung“ als „weit links­ste­hen­der“ Wis­sen­schaf­ter er auch des­we­gen in Fra­ge stellt, weil sich Schmi­din­ger angeb­lich den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Repu­bli­ka­ni­schen Schutz­bund zurück­wünscht. Karls­böck in bes­ter aus­tro­fa­schis­ti­scher Tra­di­ti­on: „Dass der Repu­bli­ka­ni­sche Schutz­bund schwer bewaff­net und bes­tens ver­netzt in Öster­reich agier­te und ins­ge­heim eine sozia­lis­ti­sche Revo­lu­ti­on nach dem Vor­bild Lenins in Russ­land und der Räte­re­pu­blik in Bay­ern plan­te, spielt für Schmi­din­ger offen­sicht­lich kei­ne Rol­le.“ Schmi­din­ger ist einer der ganz weni­gen in Öster­reich, die hohe Exper­ti­se zum The­ma Jiha­dis­mus und Aus­stiegs­be­ra­tung haben. Das passt der FPÖ anschei­nend nicht.

Den vor­läu­fig ein­sa­men Höhe­punkt sei­nes par­la­men­ta­ri­schen Kön­nens erreich­te Karls­böck aber mit sei­ner Anfra­ge zur Mode­ra­ti­on der Tagung „Fremd­spra­chi­ges Leh­ren, Ler­nen & For­schen“ an der TU Graz“. Da es sich bei die­ser Ver­an­stal­tung am 21. April um eine der für den Erhalt der deut­schen Spra­che bedeu­tends­ten gehan­delt haben dürf­te, sind natür­lich die Fra­gen zur Mode­ra­ti­on die­ser Ver­an­stal­tung gera­de­zu exis­ten­zi­ell für den Erhalt der deut­schen Sprache:

Zwei­fel­los eine inter­es­san­te Dis­kus­si­on, die durch­aus frucht­bar und erhel­lend sein kann, wenn sie nicht inter­es­sen­ge­lei­tet ist und frei von ideo­lo­gi­schen Vor­ga­ben geführt wird. Umso wich­ti­ger scheint dabei eine objek­ti­ve Mode­ra­ti­on, die sich trotz wider­strei­ten­der Argu­men­te um Aus­ge­wo­gen­heit und Sach­lich­keit bemüht.

Der blaue Abge­ord­ne­te Karls­böck möch­te daher nicht nur wis­sen, war­um die „Standard“-Journalistin Colet­te Schmidt als Mode­ra­to­rin aus­ge­wählt wur­de („Wel­che Qua­li­fi­ka­ti­on befä­higt Frau Mag. Colet­te Schmidt aus Sicht der Tagungs­ver­an­stal­ter zur Mode­ra­ti­on der Ver­an­stal­tung?“), son­dern auch (Fra­ge 6), ob die „Funk­ti­on des Mode­ra­tors bzw. der Mode­ra­to­rin aus­ge­schrie­ben“ wur­de? Wer im all­fäl­li­gen „Wahl­vor­schlag“ für die Mode­ra­ti­on sonst noch ver­tre­ten war und wenn nein, war­um nicht (Fra­gen 7 und 8). Schließ­lich die Ham­mer-Fra­ge: „Wer hat die Wahl zuguns­ten von Frau Mag. Colet­te Schmidt getrof­fen?“ Geht’s noch plumper?

Frei­heit­li­che Droh-Anfra­gen der letz­ten drei Monate:
Anfra­ge Schi­ma­nek vom 22.2. betref­fend „poli­ti­sche (Un)bildung im Eng­lisch­un­ter­richt am BRG Wörgl“
Anfra­ge Karls­böck vom 2.3. betref­fend „Dul­dung des mar­xis­tisch ein­ge­stell­ten und weit links ste­hen­den Tho­mas Schmi­din­ger als Lek­tor an der Uni­ver­si­tät Wien“.
Anfra­ge Karls­böck vom 16.3. betref­fend „Ver­ga­be von öffent­li­chen Auf­trä­gen an den mar­xis­tisch ein­ge­stell­ten und weit links ste­hen­den Vor­tra­gen­den und Stu­di­en­au­tor Tho­mas Schmidinger“
Anfra­ge Möl­zer vom 24.3. betref­fend „Schü­ler­bei­trä­ge für exter­ne Vortragende“.
Anfra­ge Möl­zer vom 24.3. betref­fend „eines grü­nen Vor­tra­gen­den an einer Mit­tel­schu­le in Oberösterreich“.
Anfra­ge Karls­böck vom 30. 3. betref­fend „ideo­lo­gisch gefärb­te Erklä­rung von öffent­lich-recht­li­chen Uni­ver­si­täts-Insti­tu­ten zu Flucht und Migration“
Anfra­ge Karls­böck vom 3.4. betref­fend „Mode­ra­ti­on der Tagung „Fremd­spra­chi­ges Leh­ren, Ler­nen & For­schen“ an der TU Graz“.
Anfra­ge Möl­zer vom 20.4. betref­fend „die Dis­kus­si­on „Was darf Poli­ti­sche Bil­dung?“ an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Wien“
Anfra­ge Kickl vom 27.4. betref­fend „mög­li­cher Vor­trä­ge von angeb­li­chen Links­extre­mis­mus-Exper­ten an Öster­reichs Bundesschulen“
Anfra­ge Kickl vom 28.4. betref­fend „mög­li­cher Vor­trä­ge von angeb­li­chen Rechts­extre­mis­mus-Exper­ten an Öster­reichs Bundesschulen“

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