Korneuburg: 12 Monate für sichtbare Nazi-Devotionalien

Die Polizei wurde auf den 37-Jähri­gen aufmerk­sam, weil ihm ein in Wien im Dezem­ber 2016 wegen Wieder­betä­ti­gung Verurteil­ter eine Fahne der Waf­fen-SS und Hitler-Bilder geschenkt hat. Die knappe Beschrei­bung des Wieners passt eigentlich nur zu Mar­tin S., der damals 18 Monate aus­ge­fasst und die Wieder­betä­ti­gung sozusagen weit­erg­ere­icht hat­te. In Kisten, die der obdachlose Wiener bei dem Angeklagten eingestellt hat­te. War das schon die Wiederbetätigung?

Die Fahne der Waf­fen-SS, die ihm Mar­tin S. in einem Mail als Schenkung angekündigt hat­te, ist bei dem Angeklagten anscheinend nie angekom­men. Der Mail­verkehr allerd­ings bei der Polizei. Die hielt daraufhin in dessen Woh­nung Nach­schau und wurde fündig. In sein­er Woh­nung im Bezirk Bruck an der Lei­tha waren NS-Devo­tion­alien so gut platziert, dass sie für BesucherIn­nen und Pas­san­tInnen gut sicht­bar waren. Ein ähn­lich­er Fall wurde ger­ade vor kurzem in Ried ver­han­delt, wo ein dem Nation­al­sozial­is­mus Zugeneigter seine Hak­enkreuz­fahne so gut ausleuchtete, dass sie wei­thin sicht­bar war – kostete 14 Monate. Keine guten Aus­sicht­en für den jet­zt Angeklagten!

Die Haus­durch­suchung war aber auch in ander­er Hin­sicht ergiebig. In der Küche stießen die Beamten „auf eine Uhr in Form eines Son­nen­rades und Holztafeln mit Totenkopf und dem SS-Wahlspruch ‚Meine Ehre heißt Treue’.“ (ORF NÖ) Außer­dem fan­den sie noch eine Wein­flasche mit Hitler-Bild, ein­schlägige T‑Shirts, einen Ring mit Totenkopf und auch eine dazu passende Musik-CD. Was eben für einen einiger­maßen gut sortierten Nazi-Haushalt so üblich ist. Dann waren da noch die Tat­toos – Odal­rune und wieder Sonnenrad.

Der Angeklagte hatte Odalrune und Sonnenrad tätowiert. Die Odalrune wurde von der 7.Waffen-SS-Division als Emblem verwendet und ist daher nach dem Verbotsgesetz und dem Abzeichengesetz verboten.

Der Angeklagte hat­te Odal­rune und Son­nen­rad täti­wo­ert. Die Odal­rune wurde von der 7.Waffen-SS-Division als Emblem ver­wen­det und ist daher nach dem Ver­bots­ge­setz und dem Abze­ichenge­setz verboten.

Der Angeklagte räumte das alles auch dur­chaus koop­er­a­tiv ein, betonte aber eige­nar­tiger­weise, keinen Bezug zum Nation­al­sozial­is­mus zu haben. Den Bekan­nten aus Wien, der mit sein­er in einem Mail angekündigten, aber nicht vol­l­zo­ge­nen Schenkung ein­er Hak­enkreuz­fahne die Aufmerk­samkeit auf ihn gelenkt hat­te, beze­ich­nete er als dro­gen­süchti­gen Psy­chopa­then. Da war dann aber noch die Zeu­ge­naus­sage sein­er Fre­undin, die die Tren­nung von ihm mit sein­er recht­en Gesin­nung begrün­dete. Die Geschwore­nen waren sich deshalb auch weit­ge­hend (mit sieben von acht Stim­men) einig und sprachen den Angeklagten schuldig. Das Urteil, eine bed­ingte Frei­heitsstrafe von einem Jahr, nahm der Angeklagte an. Weil die Staat­san­waltschaft noch keine Stel­lung­nahme abgab, ist es aber noch nicht rechtskräftig.