Identitäres Hinterhofzentrum

Wie die Gruppe Recherche Graz in ihrem aktuell­sten Newslet­ter berichtet, haben die steirischen Iden­titären Ende Feb­ru­ar in der Graz­er Schö­nau­gasse 102a ein Zen­trum eröffnet. In dem „Patri­oten­zen­trum“, wie die Iden­titären den Ort selb­st umschreiben, sollen kün­ftig Vorträge und Sem­i­nare stattfinden.

Einen ersten Auf­takt hat es im iden­titären Zen­trum in Graz bere­its Anfang März gegeben als die lokale Gruppe zu einem „Schu­lungssem­i­nar“ zum The­ma „Struk­turen­twick­lung in der Steier­mark“ ein­lud. Die Teil­nehmenden waren, wenig ver­wun­der­lich, keine Unbekan­nten: So nahm daran beispiel­sweise Luca Kerbl teil. Der ehe­ma­lige FPÖler hat­te im Juni 2016 gemein­sam mit anderen Kam­er­aden eine Vor­lesung an der Kla­gen­furter Uni gestört. Peter Dingsled­er und Jörg Dit­tus wiederum wur­den let­ztes Jahr im Adven­tkalen­der der Gruppe Recherche Wien auf­grund ihrer Aktiv­itäten bei den Iden­titären geoutet. Das Zen­trum soll zudem laut Eige­nangaben auch eine Bib­lio­thek und ein Büro beheimaten.

Besprechung im Zentrum zur rechtsextremen “Strukturentwicklung” in der Steiermark - Bildquelle: Recherche Graz

Besprechung im Zen­trum zur recht­sex­tremen “Struk­turen­twick­lung” in der Steier­mark — Bildquelle: Recherche Graz

Nach Graz­er Vorbild
Doch damit nicht genug. Seit Mitte Feb­ru­ar sam­meln die Iden­titären auch Spenden für ein soge­nan­ntes „Kheven­hüller-Zen­trum“, das als „zen­traler Arbeit­sort“ der Linz­er Gruppe fungieren und dabei eben­falls sowohl eine Bib­lio­thek als auch Lesekreise sowie Sem­i­nare, Vorträge, Work­shops, Stammtis­che, Aktion­s­pla­nun­gen, Film- und Lieder­abende beherber­gen soll. Doch „einen Anlauf­punkt für alle Patri­oten zu schaf­fen“, scheint auch für die Linz­er Iden­titären vor allem finanziell nicht so ein­fach zu sein. Der Home­page der IBÖ zufolge ist näm­lich der Spenden­drang der Kamerad_innen nicht allzu hoch, da bis Mitte Sep­tem­ber erst 13% der benötigten 1730 Euros aufgetrieben wur­den. Auf der Face­book­seite der IBÖ ist Anfang August 2016 hinge­gen ist nur von 1500 Euro die Rede, die noch fehlen wür­den, um die Mietkosten für ein Jahr abzudecken.

„Vere­in zur Erhal­tung und Förderung der kul­turellen Identität“
Für bei­de „Zen­tren“ wird als Spenden­empfänger der seit 2012 behördlich einge­tra­gene Vere­in zur Erhal­tung und Förderung der kul­turellen Iden­tität angegeben, in dem es im let­zten Jahr zu Änderun­gen gekom­men zu sein scheint. Wurde let­ztes Jahr noch Alexan­der Markovics und eine Adresse im 4. Bezirk (Schellein­gasse 26/1/6/19) in Wien im Kon­text des Vere­ins genan­nt, ver­weist nun Recherche Graz darauf, dass die bei­den Sell­ner-Brüder Thomas und Mar­tin als Funk­tion­sträger des Vere­ins fungieren, der nun seinen Sitz in der Pauli­nen­gasse 18/5/17 im 18. Bezirk hat. Auch das Spendenkon­to scheint sich geän­dert zu haben und so wird als Vere­in­skon­to nicht mehr eines bei der Erste Bank son­dern eine Bankverbindung bei Easy Bank angegeben. Ein möglich­er Hin­ter­grund: Im August let­ztens Jahres war auf linksunten.indymedia.org dazu aufgerufen wor­den, den Iden­titären „die Spenden abzu­drehen“ und Protest bei der Erste Bank einzule­gen. Im Jän­ner darauf hat­ten die Iden­titären selb­st auf Face­book bekan­nt gegeben, dass ihnen ihr Kon­to gekündigt wor­den war.

Namensge­ber
Der Name des Linz­er Zen­trums dürfte sich im Übri­gen auf den aus dem Kärnt­ner Adels­geschlecht stam­menden, jedoch in Linz gebore­nen, kaiser­lichen Feld­marschall und Ober­be­fehlshaber, Lud­wig Andreas von Kheven­hüller, beziehen, der in den Erb­fol­gekriegen an der Seite von Prinz Eugen gekämpft hat­te. Namensge­ber des Graz­er Zen­trums wiederum scheint, wie Recherche Graz informierte, der k.u.k. Oberst Franz Xaver Hack­her zu Hart, gewe­sen zu sein, der den Graz­er Schloss­berg gegen die franzö­sis­che Belagerung durch die Trup­pen Napoléons Bona­partes am Beginn des 19. Jahrhun­dert vertei­digt hatte.

Keine Gegenkul­tur
Mit dem Aufruf „Wir schaf­fen Orte der Gegenkul­tur, iden­titäre Freiräume und Struk­turen der Recon­quista!“ greifen die Iden­titären hierzu­lande erneut Schlag­wörter link­er Sub­kul­turen wie „Gegenkul­tur“ und „Freiräume“ auf und ver­suchen diese in iden­titär­er Manier umzudeuten und zu vere­in­nah­men. Die an den beschriebe­nen Orten betriebene Poli­tik richtet sich näm­lich nicht gegen vorherrschende Vorstel­lun­gen von „Kul­tur“, son­dern spitzt diese vielmehr auf drama­tisch aus­gren­zende Art und Weise zu. Auch die geschaf­fe­nen Räume sind dem­nach vor allem „frei“ von all jenen, die in dieser Gesellschaft ohne­hin schon benachteiligt und diskri­m­iniert werden.