… und noch ein „freiheitliches Magazin“

Sie kön­nen von Stra­ches Face­book-Post­ings ein­fach nicht genug kriegen? Nun gibt es sie auch im Zeitungs­for­mat! In sein­er let­ztwöchi­gen Aus­gabe berichtete das Nachricht­en­magazin pro­fil über den seit kurzem in Oberöster­re­ich erscheinen­den „Wochen­blick“ – und dessen mut­maßliche Verbindun­gen zur FPÖ.

Dem Artikel ist zu ent­nehmen, dass das neue Medi­en­pro­dukt finanziell gut aufgestellt sein muss, die Hin­ter­gründe der Finanzierung aber im Dunkeln bleiben. Eine „Pha­lanx oberöster­re­ichis­ch­er Unternehmer“, die anonym bleiben wollen, ste­he nach Auskun­ft des Geschäfts­führers dahin­ter. Die FPÖ bestre­it­et eine Involvierung – trotz offen­siv­er Bewer­bung des Peri­odikums durch den Parte­ichef, auf­fäl­lig FPÖ-fre­undlich­er Berichter­stat­tung, umfan­gre­ich­er Partei­in­ser­ate und des offen­sichtlichen frei­heitlichen Organ­i­sa­tion­sh­in­ter­grunds eines Gut­teils der „Wochenblick“-MacherInnen.

Zur im pro­fil-Artikel exem­plar­isch skizzierten inhaltlichen Lin­ie des Hefts steuern wir gern noch einige Klein­ode bei: So find­et sich in Aus­gabe 2/2016 ein Inter­view mit dem Windis­chgarst­ner Pfar­rer Ger­hard Maria Wag­n­er, der schon in der Ver­gan­gen­heit des öfteren mit stock­kon­ser­v­a­tiv­en und recht­saffinen Posi­tio­nen aufhorchen ließ. Im Inter­view mit dem frei­heitlichen Organ knüpft er naht­los an diese Äußerun­gen an, schimpft über eine ver­meintlich immer größeres Unwe­sen treibende „Sprach­polizei“ und lässt wis­sen: „Län­der brauchen Gren­zen“ Das The­ma „Sprach­polizei“ wird auch in Aus­gabe 6/2016 aufge­grif­f­en: „Was darf man heute über­haupt noch sagen?“, heißt es im üblichen lar­moy­an­ten Ton­fall der ver­fol­gen­den Unschuld und unter Ver­weis auf die Ahn­dung von Has­s­post­ings im Inter­net nach dem Ver­het­zungspara­graphen. Zum Inter­view wurde dies­mal Akif Pir­inç­ci gebeten, den die FAZ einst als „Sar­razin auf Speed“ beze­ich­net hatte.

Sar­razin kommt im „Wochen­blick“ Num­mer 9 zum Zug und darf sich über eine wohlwol­lende Rezen­sion seines jüng­sten Buch­es freuen. Dieselbe Aus­gabe behauptet, dass in Linz immer weit­ere Gegen­den durch Roma und Dro­gen­deal­er in „No-Go-Areas“ ver­wan­delt wür­den. Aus­gabe 15 wit­tert ein „große[s] Schweigen über die Aus­län­derkrim­i­nal­ität“ und propagiert mit Nigel Farage „Alter­na­tiv­en zur EU-Herrschaft“. Wen mag da noch wun­dern, dass die FPÖ die Wochen­zeitung, wenn schon nicht selb­st betreibt, so doch fürstlich mit Inser­at­en ein­deckt? Die im pro­fil-Artikel von RFJ-Lan­des­geschäfts­führer Thomas Schindler ange­sproch­ene weltan­schauliche Nähe zwis­chen Partei und Medi­en­pro­dukt ist jeden­falls nur allzu augenscheinlich.