Imst (T): Suchtgiftaffäre mit blauem Dunst?

Im Novem­ber 2015 sorgte eine Dro­ge­naf­färe in Tirol für heftige Schlagzeilen. Chef und Mitar­beit­er ein­er Sicher­heits­fir­ma sollen Sucht­gift aus den Nieder­lan­den nach Öster­re­ich „importiert“ und hier zur Verteilung gebracht haben. Chef der Sicher­heits­fir­ma – ein ehe­ma­liger Polizist. Als Verdächtige wur­den zunächst auch zwei Polizeibeamte gehan­delt. Die Ermit­tlun­gen gegen die Polizistin und FPÖ-Bezirk­sobfrau von Imst wur­den vor kurzem eingestellt. Bei ihrem Mann, eben­falls frei­heitlich­er Funk­tionär , wurde hinge­gen diese Woche neuer­lich eine Haus­durch­suchung durchgeführt.

Schon zu Beginn der Ermit­tlun­gen set­zte die Polizei ihr volles Reper­toire ein: umfan­gre­iche Tele­fonüberwachun­gen mün­de­ten Anfang Novem­ber 2015 in ein­er Razz­ia, die von der Spezialein­heit Cobra durchge­führt wurde. Dabei stellte sich her­aus, dass in die Dro­ge­naf­färe, bei der mehrere Per­so­n­en festgenom­men wur­den, möglicher­weise zwei aktive Polizeibeamte ver­wick­elt sein kön­nten. Bei­de Polizeibeamte sind auch blaue Funk­tionäre – und miteinan­der ver­heiratet. Die Polizistin ist Bezirksvor­sitzende der FPÖ Imst, ihr Mann Vor­sitzen­der der frei­heitlichen Per­son­alvertreterliste AUF Tirol und bei der Hun­de­führere­in­heit der Polizei.


Verdächtiges Duo?
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Die Tirol­er Tageszeitung (7.11.2015) schrieb damals:

„Ange­blich stell­ten die Ermit­tler eine geringe Menge Cannabis in der gemein­samen Woh­nung des Paares sich­er. Wie inzwis­chen auch durch­gesick­ert ist, soll es bei einem abge­hörten Tele­fonge­spräch zwis­chen einem der zwei verdächti­gen Polizis­ten und dem Chef der Sicher­heits­fir­ma auch um das The­ma Dro­gen gegan­gen sein“.

Mit­tler­weile scheint zumin­d­est eines klar: von den bei­den verdächti­gen Polizeibeamten ist nur ein­er übrig geblieben. Die Ermit­tlun­gen gegen Nad­ja Ben­da, die Bezirk­sobfrau der FPÖ Imst, wur­den – wie die Tirol­er Tageszeitung am 23. 3.2016 meldete, eingestellt. Schon im Jän­ner hat­te das Ver­wal­tungs­gericht entsch­ieden, dass die vor­läu­fige Sus­pendierung vom Dienst im Novem­ber bei der Polizistin zu Unrecht erfol­gt sei. Die Ermit­tlun­gen gegen ihren Ehe­mann, den frei­heitlichen Per­son­alvertreter und Polizei­hun­de­führer, haben dage­gen „neue Ver­dachtsmo­mente“ ergeben und zu ein­er weit­eren Razz­ia am Dien­stag, 30. März, geführt.


Nicht der Polizeihund
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Markus Abw­erzger, Chef der Tirol­er FPÖ, der nach der Ein­stel­lung der Ermit­tlun­gen gegen die FPÖ Bezirk­sobfrau schon den großen frei­heitlichen Opfer­ge­sang anges­timmt hat­te („Die Unschuldsver­mu­tung gilt wohl nicht für Frei­heitliche“), ist mit­tler­weile wieder etwas ruhiger unter­wegs. Die „Tirol­er Tageszeitung“ hat­te näm­lich ziem­lich konkret über die Inhalte der abge­hörten Tele­fonge­spräche berichtet, die die Ermit­tler so inter­pretierten, „dass der Ehe­mann (und Polizei-Hun­de­führer) dem Chef der Sicher­heits­fir­ma am Bag­gersee beschlagnahmte Dro­gen über­lassen haben soll“ (TT, 23.3.2016).

Ziem­lich skur­ril: schon im Novem­ber berichtete die „TT“ (12.11.2015), dass der „seit ein­er Woche sus­pendierte Beamte… auch von seinem Hund belastet“ würde. Wie geht das denn? Bei den Sucht­gift-Auf­grif­f­en habe der Hund des frei­heitlichen Per­son­alvertreters Robert Ben­da deut­lich weniger Erfolge zu verze­ich­nen gehabt als sein Vorgänger. Das kön­nte natür­lich auch an einem schlechteren Riech­er des blauen Hun­des liegen, ver­mutete die TT. Muss wohl so sein, denn wenn es stimmt, dass in der Woh­nung des Hun­de­führers bei der Novem­ber-Razz­ia eine über 100 Gramm schwere Haschisch-Plat­te und mehrere kleine Por­tio­nen, ins­ge­samt „rund 200 Gramm Sucht­gift… darunter auch etwas Hero­in“ gefun­den wurde, dann hätte der blaue Rauschgift-Hund wohl andauernd anschla­gen müssen.