Natürlich dürfen PräsidentschaftskandidatInnen auch ausgefallene Eigenschaften oder Vorlieben haben. Aber einen Lieblingsmaler, der sich aus freien Stücken Odin nennt? Der mit Vorliebe Burschenschafter malt, vor der Mensur, während der Mensur und nach der Mensur. Oder Soldaten. Oder Runen. Thomas Trenkler hat im „Standard“ (27.9.12) anlässlich einer Ausstellung von Odin in Chile, zu der ihm der ehemalige dritte Präsident des Nationalrats, der Burschenschafter Martin Graf, verholfen hat, über seine Werke geschrieben:
Im Katalog zur Ausstellung im Monticello Casino in Santiago, die von Graf eröffnet wurde, gibt es so manche Werke zu bestaunen, die es geschmacklich in jede „Große Deutsche Kunstausstellung” der NS-Zeit geschafft hätten, darunter mächtige Bronze-Adler. Odin selbst präsentiert sich breitbeinig sitzend auf einer Kanone.
Es soll Leute geben, denen so etwas noch immer gefällt. Nicht nur Norbert Hofer! In Hofers Vorgänger als Dritter Präsident des Nationalrats, Martin Graf, hatte Odin Wiesinger, der selbst bei einer pennalen deutschvölkischen Verbindung, der Scardonia in Schärding, mit dem Schläger herumfuchteln durfte, einen gewichtigen Gönner. Graf schlug für Odin nicht nur Brücken nach Chile und Paraguay, sondern förderte ihn nach Kräften auch zuhause. Eine Ausstellung im Parlament, eine Zeichnung für das Cover eines Büchleins, das Martin Graf herausgegeben hat usw.
Kein Wunder, dass sich Odin Wiesinger bei Graf mit einem Bildnis bedankt, was Grafs Hauspostille „unzensuriert“ zu den bewegenden Worten veranlasste, dass sich Graf „sehr berührt“ über das „wunderschöne Porträt“ gezeigt habe. Warum so berührt? Weil es Odin gelungen war, Martin Graf in den Farben schwarz-rot-gold zu malen!

Ein ähnliches Bild dazu:

© Franz Johann Morgenbesser (Lizenz: CC BY-SA 2.0; vorgenommene Änderungen: Bildformat wurde geändert)
Wiesingers Meinung zu zeitgenössischer und moderner Kunst findet sich komprimiert in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ (1998):
Die gegenwärtige, offizielle ‚Kunst-Szene’? Kurz gesagt, ist das zum überwiegenden Teil für mich die Diktatur des Häßlichen, Minderwertigen, Würde- und Maßlosen! Verschüttete und verschmierte Farbe nach Art der Primaten in der Malerei, Pornographie und Gestammel auf den Bühnen. Das ließe sich in allen Bereichen beliebig fortsetzen. Leider!
Als Martin Graf 2013 aus dem Parlament ausscheidet, wehklagt Wiesinger auf seinem Facebook-Profil: „ich habe meinen präsidenten verloren (…) aber der freund bleibt mir erhalten!“ (23.10.13)
Nicht nur Elmar Podgorschek war davon bewegt, sondern auch Frank Franz, der Chef der NPD – beide schenkten dem Posting ein Like. Was verbindet die beiden, die Malerei oder die politische Einstellung (oder beides)? Als ein anderer Neonazi, der Münchner Karl Richter, auf seinem FB-Account heftig gegen die Novelle des österreichischen Verkehrsministerium polemisiert, wonach bestimmte Codes bei KFZ-Kennzeichen verboten werden, meldete sich auch Wiesinger mit einem bemerkenswert dümmlichen Posting zu Wort: „…der stöger muß es ja wissen …schließlich hat er ja in der voest (ehem. hermann göring werke) schloSSer gelernt!“

Auch ein anderer sehr bekannter Neonazi zählte bis vor wenigen Jahren noch zu den FB-Freunden von Wiesinger: Karl Heinz Hoffmann, der Chef der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann, neben dem NSU sicher die übelste neonazistische Terrorgruppe Deutschlands.

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