Mord im Flüchtlingsheim: Erstunken und erlogen!

Er will es nicht lassen. Der Kärntner FPÖ-Landesrat Christian Ragger hat erst vor kurzem mit falschen Beschuldigungen Hassorgien gegen Flüchtlinge ausgelöst. Damals beschuldigte er AsylwerberInnen in St. Kanzian, mit einem Hungerstreik 2.000 Euro Taschengeld erpressen zu wollen. Jetzt verbreitete er – wieder über Presseaussendung –das bösartige Gerücht, der ‚mysteriöse Todesfall‘ eines syrischen Christen in einer Kärntner Flüchtlingsunterkunft werde absichtlich verschwiegen.

In einer Presseaussendung, deren miserables Deutsch schon Indizien für die miserable inhaltliche Qualität liefert, stottert sich Ragger von einer falschen Behauptung zur nächsten. Nachdem er zunächst einmal die Regierung ganz generell beschuldigt, „alles Unangenehme zu verschweigen“, geht er im nächsten Schritt auf die Polizei los, mit der er, nachdem sie seine Gerüchte zu St. Kanzian widerlegte, noch eine Rechnung offen hat.

„Empört ist er darüber, dass die Polizei keine Informationen über den mysteriösen Todesfall eines syrischen Christen, der in einem Flüchtlingsquartier in Treffen untergebracht war“. – Ja, auch dieser Satz ist von Ragger bzw. aus seiner merkwürdigen Presseaussendung . Unklar bleibt zunächst in diesem Satz, was die Polizei angeblich mit „keine Informationen“ macht. Hat? Weitergibt? Der nächste Satz schafft da auch keine Klarheit:

„Für Ragger ist es unverständlich, dass diese Causa als Suizid betrachtet wird, ohne dass man Hinweisen auf Fremdverschulden nachgeht“.


A. Paul Weber, Das Gerücht

Moment! Zuerst keine Informationen Polizei mysteriöser Todesfall syrischer Christ, dann Suizid festgestellt und Hinweise auf Fremdverschulden verschwiegen? Das passt auf keinen Fall zusammen. Aber Ragger, der als Landesrat für Jagd, Tierschutz, Tiertransporte und Verkehrssicherheit zuständig ist, weiß noch mehr:

„Der FPÖ lägen auch Hinweise von Zeugen vor, denen zufolge das Opfer Stichverletzungen im Rücken gehabt habe“.

Na bumm! Der blaue Landesrat behauptet da nicht weniger als die bewusste Vertuschung eines Gewaltverbrechens durch die Polizei. Und natürlich hat er Zeugen dafür, dass das Opfer – ein syrischer Christ – Stichverletzungen im Rücken gehabt habe. Was für Ragger einen ganz schrecklichen Verdacht begründet:

„Der Verdacht, dass dieser Flüchtling Opfer von Religionsstreitigkeiten innerhalb der Migranten geworden ist, liege nahe, weshalb die Frage im Raum steht: Ist eine Obduktion angeordnet worden?“.

Zu diesem Zeitpunkt ist es sicher nicht falsch, noch einmal daran zu erinnern, dass Ragger erst vor wenigen Tagen einen Hungerstreik behauptete, den es- laut Polizei – so nicht gegeben hat. Es steht daher eigentlich die „Frage im Raum“: Hat Ragger schon eine Anzeige gemacht? Wegen des Verdachts auf ein Gewaltverbrechen? Wegen Beweismittelunterdrückung?

Raggers Problem ist ein anderes: da es keinen Toten in dem Treffener Flüchtlingsquartier gibt, gibt es auch keinen vorgetäuschten Selbstmord, daher auch keine Stichverletzungen des Opfers, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten, daher auch kein religiöses Motiv für das Gewaltverbrechen

Die Polizei dementiert klar und entschieden. Der Kärntner Polizeisprecher wird sogar ganz leicht emotional: „Jetzt reicht es aber bald. Auf dem Rücken von Flüchtlingen Politik zu machen, finde ich sehr uncool“, erklärt er dem ‚Standard‘. Die Landespolizeidirektorin dementiert ebenfalls: es sei „kein einziger unnatürlicher Todesfall oder Suizid in dieser Asylunterkunft bekannt“.

Der Betreiber der Asylunterkunft bestätigt, dass es in keinem seiner Quartiere „einen Todesfall unter den Asylwerbern“ gegeben habe und auch die Landesflüchtlingsreferentin wird im ‚Standard‘ mit einem klaren Dementi zitiert.

Die „Kleine Zeitung“ war sogar vor Ort, besuchte die Unterkunft in Treffen. Die Leiterin des Asylheims dementiert ebenso wie die befragten Flüchtlinge: „In diesem Haus sind wir alle Brüder. Jeder von uns hat so viel Schlimmes durchgemacht. Wir unterstützen uns gegenseitig; egal woher einer kommt oder welcher Religion er angehört“, sagt ein Syrer zur „Kleinen Zeitung“. Ein anderer erklärt: “Es ist alles gut in diesem Haus. Wir sind sehr froh, dass wir hier leben dürfen“.

Mittlerweile ist klar: die angeblichen „Hinweise“ der Ragger-Zeugen auf das angebliche Gewaltverbrechen stammen aus den Weiten des Internets – und zwar aus einer ganz dunklen Ecke. Und das geht so, erläutert die „Kleine Zeitung“:

„Zwei Zeugen, deren Namen Ragger nicht nennen will, hätten einen Einsatz von Polizei und Rettung bei der Unterkunft beobachtet und gesehen, wie ein Toter aus dem Haus transportiert worden sei: „Sie haben dann im Internet recherchiert und sind in einem Forum darauf gestoßen, dass der tote Asylwerber Stichwunden aufgewiesen haben soll“ (Kleine Zeitung,2.10.2015).

Es ist schon fast überflüssig darauf hinzuweisen, dass auch die Polizei vor Ort dementiert, dass es einen derartigen Rettungseinsatz in der Unterkunft gegeben hat.

Das Gerücht, das der blaue Ragger in die Welt gesetzt hat, ernährt sich mittlerweile selbstständig. Und selbst wenn alle Totengräber der näheren Umgebung schriftlich bestätigen, dass es keine Bestattung eines Asylwerbers gegeben hat, würde das das Gerücht nicht umbringen. Das ist das Perfide an der neuen Ragger-Story, die erstunken und erlogen ist.