Strache und die Lüge über sein Schattenkabinett

Am 1. Okto­ber wurde Heinz Chris­t­ian Stra­che, der zur Abwech­slung wieder ein­mal Wiener Bürg­er­meis­ter wer­den will, im Mit­tagsjour­nal von Ö 1 (ORF) inter­viewt. Edgar Weinzettl, der das Inter­view führte, hielt Stra­che dabei vor, dass er in der Ver­gan­gen­heit bei der Auswahl von Mitar­bei­t­erIn­nen für ein Schat­tenk­abi­nett kein glück­lich­es Händ­chen gehabt habe: Andreas Mölz­er, Har­ald Dobernig, Karl Schnell, Mar­tin Graf, Uwe Scheuch. Stra­che demen­tierte entsch­ieden. Wer hat Recht?

Die blauen Man­datare, die der Inter­view­er da aufgezählt hat, haben es tat­säch­lich in sich. Wer für Stra­che 2011 noch als äußerst min­is­tra­bel galt, ist mit­tler­weile entwed­er (so wie Uwe Scheuch) gerichtlich verurteilt und deshalb abge­treten oder von Stra­che bzw. der Partei aus anderen Grün­den demon­tiert wor­den. Stra­che ver­sucht es deshalb mit ein­er Attacke („bess­er recher­chieren“). Als der Inter­view­er bei sein­er Behaup­tung bleibt, wieder­holt sich Stra­che noch ein­mal, um dann auf ein anderes The­ma („Asylchaos“) zu wech­seln und Süßholz zu raspeln („jed­er Öster­re­ich­er würde in Regierungsver­ant­wor­tung bessere Arbeit leis­ten“).

Hier ein Transskript der Pas­sagen aus dem Ö 1- Inter­view vom 1.10.2015.


Edgar Weinzettl (ORF): Sie haben schon ein­mal, näm­lich in Juni 2011 am Parteitag in Graz, ein Schat­tenk­abi­nett vorgestellt, Mölz­er als Außen- oder Vertei­di­gungsmin­is­ter, Dobernig als Finanzmin­is­ter, Vil­im­sky als Innen­min­is­ter, Schnell als Gesund­heitsmin­is­ter, Graf als Jus­tizmin­is­ter und Scheuch als Infra­struk­tur­min­is­ter. Was soll uns glauben machen, dass Sie dies­mal ein besseres Händ­chen haben?

Heinz Chris­t­ian Stra­che: Also das Lustige ist, ich habe ein paar Namen, die Sie da jet­zt genan­nt haben, gar nicht genan­nt, aber das ist immer wieder witzig. Da müssten Sie bess­er recherchieren.

Edgar Weinzettl (ORF): Wir haben es im Mitschnitt, wir kön­nen es nach­her anhören.

Heinz Chris­t­ian Stra­che: Also da müssten Sie bess­er recher­chieren, aber ich habe zum Aus­druck gebracht, glauben Sie mir, jed­er einzelne Öster­re­ich­er würde heute in der Regierungsver­ant­wor­tung bessere Arbeit leis­ten als Fay­mann und Co, denn die übernehmen keine Ver­ant­wor­tung. Und jet­zt haben Sie uns auch noch das Asylchaos mit einem Man­age­ment by Chaos hin­ter­lassen. Und ich sage, das habe ich zum Aus­druck gebracht, jed­er Öster­re­ich­er würde in Regierungsver­ant­wor­tung bessere Arbeit leisten.



Car­lo Chiostri, Pub­lic domain

Was stimmt nun?

Am Parteitag der FPÖ in Graz im Juni 2011 stellte Stra­che tat­säch­lich so etwas wie ein Schat­tenk­abi­nett vor, nach­dem es im Vor­feld schon Speku­la­tio­nen bzw. auch böse Kom­mentare zu einzel­nen Per­so­n­en gegeben hat­te. Für die ver­schiede­nen Bere­iche nan­nte Stra­che zumeist mehrere Per­so­n­en. In den Medi­en wur­den nicht alle min­is­tra­blen Per­so­n­en aufgezählt, nur in der Presseaussendung der FPÖ vom 18.6.2011 sind alle zu find­en. Auch die vom Inter­view­er erwäh­n­ten Mölz­er, Dobernig, Schnell, Graf und (Uwe) Scheuch.

Faz­it: Der ORF-Inter­view­er hat­te völ­lig Recht. Stra­che hat die Unwahrheit gesagt!

Aus der Presseaussendung der FPÖ (Fehler im Original):

Als frei­heitliche Per­sön­lichkeit­en im Bere­ich der Außen­poli­tik und der lan­desvertei­di­gung nan­nte Stra­che Johannes Hüb­n­er, Johann Gude­nus, Peter Ficht­en­bauer, Andreas Mölz­er und Man­fred Haimbuchner (…)
Im sozialen und Fam­i­lien­bere­ich nan­nte HC Stra­che Her­bert Kickl, Nor­bert Hofer, Chris­t­ian Rag­ger, Anneliese Kitzmüller und Bar­bara Rosenkranz (…)
Die FPÖ habe die besseren Per­sön­lichkeit­en als Fek­ter. Hier nan­nte Stra­che Bern­hard Themessl, Har­ald Dobernig, Bar­bara Kap­pel und Rein­hard Pisec (…)
Mikl-Leit­ner sei nicht fähig, die Krim­i­nal­ität zu bekämpfen. Im Sicher­heits­bere­ich nan­nte Stra­che Har­ald Vil­im­sky, im Gesund­heits­bere­ich Karl Schnell, Dag­mar Belakow­itsch-Jenewein, Andreas Karls­böck und Peter Fri­go, im Umwelt- und Energiebere­ich Nor­bert Hofer. In der Jus­tiz gebe es Har­ald Ste­fan und Peter Ficht­en­bauer als Experten. Im Bere­ich der Forschung, Inno­va­tion und Bil­dung nan­nte Stra­che Mar­tin Graf, Wal­ter Rosenkranz, Ger­ald Hauser und Hei­de­marie Unter­rein­er. In der Infra­struk­tur gebe es Har­ald Vil­im­sky, Dieter Egger, Man­fred Haim­buch­n­er, Uwe Scheuch und Ger­hard Kurzmann.