Innsbruck/Axams: Rohrbombe und Wiederbetätigung vor Gericht

Es war ein merk­würdi­ger Prozess, der da gestern, am 24.September, wegen NS-Wieder­betä­ti­gung vor einem Geschwore­nen­gericht in Inns­bruck stat­tfand. Angeklagt waren zwei junge Män­ner (20 und 21) , die in der Nacht zum Sil­vestertag 2013 vor der Polizei­in­spek­tion Axams eine Rohrbombe zur Explo­sion gebracht haben. Bei ein­er Haus­durch­suchung wurde dann auch Nazi-Schrott gefun­den, was zu der Anklage wegen NS-Wieder­betä­ti­gung führte.

Wenn es einen gemein­samen Nen­ner geben sollte, dann der der immensen Blöd­heit. Die Angeklagten stell­ten sich blöd, die Zeu­gen eben­falls und die „Kro­ne“ (Tirol-Aus­gabe) scheute sich nicht, die Aktio­nen der bei­den jun­gen Män­ner als „riesi­gen Blödsinn“ zusammenzufassen.

Was die „Kro­ne“ da unter der Rubrik Laus­buben­stre­iche able­gen wollte, war der Bau von vier Rohrbomben. Beteiligt war da offen­sichtlich noch eine dritte Per­son, die aber getren­nt angeklagt wird, ver­mut­lich, weil keine Wieder­betä­ti­gung fest­gestellt wer­den kon­nte. Drei Rohrbomben wur­den in einem Stein­bruch und an ein­er Straße gezün­det, die vierte vor der Polizei­in­spek­tion. Es war rein­er Zufall, dass durch die Met­all­split­ter nie­mand ver­let­zt wurde.


Sym­bol­bild
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Nach einem Hin­weis erfol­gten dann die Haus­durch­suchun­gen. Die Tirol­er Tageszeitung berichtet dazu:

„Haus­durch­suchun­gen und Ein­ver­nah­men bracht­en näm­lich nicht nur Flaschen mit Adolf-Hitler-Kon­ter­fei her­vor, son­dern offen­barten auch Hak­enkreuze, SS-Runen, NS-Liedgut und über Handys ver­bre­it­ete NS-Inhalte. Dazu pflegten bei­de Fre­unde eine innige Beziehung zur Zahl „88“, die für Eingewei­hte eine Abkürzung für „Heil Hitler!“ darstellt. Der Zwei­tangeklagte malte sie sich auf die Hand und ver­schick­te sie an den Erstangeklagten. Dieser schmück­te nicht nur eine Baumhütte, son­dern auch das Heck und das Arma­turen­brett seines Autos mit „88“.“

Vor Gericht bekan­nte sich der Erstangeklagte zwar teil­weise für schuldig, beze­ich­nete die Rohrbomben als „reine Dummheit“, wollte aber – so wie der Zwei­tangeklagte – wed­er von der Bedeu­tung der Zahl 88 noch son­st vom Nation­al­sozial­is­mus irgen­det­was gewusst, geschweige denn ihn für gut befun­den haben. Die demon­stra­tiv zur Schau gestellte Blöd­heit betraf nicht nur die Angeklagten, son­dern auch die Zeugen:

„Lieblings­floskeln: „Hab mir nix gedenkt“ und „Ist schon so lang her“. Auch wollte kein­er aus dem Kreis gewusst haben, was 88 wirk­lich bedeutet, ein­er wollte nicht ein­mal die Bedeu­tung von „SS“ gekan­nt haben. Ein ander­er wollte das Kon­ter­fei von Hitler nicht erkan­nt haben: „Da ist ja nir­gend­wo Adolf Hitler drun­terge­s­tanden!““ (TT).

Der „Stan­dard“ fasste den Prozess­ablauf in den Worten der Staat­san­wältin zusammen:

„„Es ist ein Wahnsinn, was uns heute hier präsen­tiert wird”, kom­men­tierte Staat­san­wältin Veroni­ka Bre­i­thüber das Spek­takel der ver­meintlich Ahnungslosen“.

Der Prozess endete mit zwei Schuld­sprüchen. Der Erstangeklagte wurde zu 18 Monat­en (bed­ingt auf drei Jahre) und ein­er Geld­strafe von 11.160 Euro, der Zwei­tangeklagte zu 6 Monat­en (bed­ingt) und ein­er Geld­strafe von 400 Euro verurteilt. Die bei­den Urteile sind noch nicht rechtskräftig.