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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Freistadt (OÖ): Hausbesuch von blauen Burschenschaftern

Am 29. August fand am Haupt­platz von Frei­stadt eine Wahl­kund­ge­bung der FPÖ statt. Mit Stra­che und dem Spit­zen­kan­di­da­ten für Ober­ös­ter­reich, Haim­buch­ner. Ein „neu­es Zeit­al­ter“ für Ober­ös­ter­reich kün­dig­te der FPÖ-Par­tei­chef dabei an. Wie das aus­se­hen könn­te, durf­te eine Fami­lie erfah­ren, die ein Trans­pa­rent („Flücht­lin­ge will­kom­men”) aus dem Fens­ter gehängt hat­te. Nach dem Ende der FPÖ-Kund­ge­bung tauch­ten Bur­schen­schaf­ter im Haus auf, um zu provozieren.

11. Sep. 2015

Frei­stadt im Mühl­vier­tel ist rechts­extre­me Kampf­zo­ne. Die Iden­ti­tä­ren ver­su­chen schon seit Mona­ten, hier Fuß zu fas­sen – mit Paro­len wie „Frei­stadt wehrt sich“ und „Asyl­wahn stop­pen“. Beim loka­len Ring Frei­heit­li­cher Jugend (RFJ) fin­den sie Anklang. „Schluss mit dem Flücht­lings­wahn­sinn!“, pos­tet der, und, um noch deut­li­cher zu machen, wo die Trup­pe steht, wur­de ein „Patrio­ten-Stamm­tisch” gegrün­det. Die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in der Frei­städ­ter Kaser­ne konn­ten sie nicht ver­hin­dern, aber dage­gen Stim­mung machen.

Ver­mut­lich auch des­halb gab es bei der FPÖ-Wahl­kund­ge­bung am 29.9. eine Gegen­kund­ge­bung mit rund 40 Teil­neh­me­rIn­nen und Trans­pa­ren­te, die aus Häu­sern gehängt wur­den. Die Gegen­kund­ge­bung ver­lief ohne Zwi­schen­fäl­le. Aus einem Gedächtnisprotokoll:

Poli­zei nimmt von ein paar Leu­ten Daten auf, löst aber die Kund­ge­bung nicht auf und hält dann auch auf­ge­bracht schimp­fen­de FPÖ-ler zurück (alles halb­wegs eitel Won­ne am Land). (…) Wäh­rend der Kund­ge­bung kommt ein Rei­se­bus vol­ler Bur­schen­schaf­ter am Haupt­platz an, wird von anwe­sen­den Wahl­kampf­hel­fern und RFJ-lern (erkenn­bar an T‑Shirts) mit „Die Kame­ra­den sind da” begrüßt.

Auch Frei­stadt kann mit deutsch­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen auf­war­ten: etwa die aka­de­mi­sche Feri­al­ver­bin­dung Ost­ara mit dem Wahl­spruch „Ost­ara sei uns im Kamp­fe Wal­kü­re, sie­gend durch Ein­tracht uns Deut­sche all füh­re!“ Dane­ben noch die pen­na­le Bur­schen­schaft Alemannia.

Nach dem Ende der Kund­ge­bung (um ca. 19h30) tau­chen Bur­schen­schaf­ter bei einem der Häu­ser, das ein Trans­pa­rent aus­ge­hängt hat­te, auf, läu­te­ten an und wur­den in das Haus gelas­sen. Der Ver­fas­ser des Gedächt­nis­pro­to­kolls ver­merkt dazu: „eh klar, Klein­stadt, wer denkt an so was.“ Ein hal­bes Dut­zend Bur­schen­schaf­ter blieb im Erd­ge­schoss, einer von ihnen ging die Trep­pe rauf und woll­te in die Woh­nung im ers­ten Stock. Er „bat“ dort um Asyl und berief sich dabei auf das Trans­pa­rent. Für die Kin­der war die Sze­ne zunächst irgend­wie lus­tig: Sie sperr­ten die Woh­nungs­tür zu und film­ten mit Han­dys, wäh­rend die Eltern ver­such­ten, den pro­vo­zie­ren­den Bur­schen­schaf­ter aus dem Haus zu wei­sen. Mit sanf­ter Gewalt gelang es schließ­lich, ihn über die Stie­ge hin­un­ter und aus dem Haus zu drän­gen. Im Abgang kam dann noch die Dro­hung der Bur­schen: „Wir kom­men wieder!”

Die Poli­zei wur­de ver­stän­digt, doch die konn­te nur mehr Kon­troll­fahr­ten in der Alt­stadt ver­spre­chen. In der Nacht folg­te dann noch ein natür­lich anony­mes Läu­ten bei dem Haus mit dem Transparent.

„Tja, das war’s“, heißt es abschlie­ßend im Gedächt­nis­pro­to­koll. War’s das wirk­lich schon? Der Sohn, der mit dem Han­dy gefilmt hat­te, war nach dem Abmarsch „schon ein wenig ver­ängs­tigt“. Ist das das neue Zeit­al­ter, das Stra­che für Ober­ös­ter­reich ange­kün­digt hat? Dass die, die gegen die FPÖ poli­tisch Stel­lung neh­men, mit Haus­be­su­chen rech­nen müssen?

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | Demonstration/Kundgebung | FPÖ | Identitäre | Oberösterreich | Rechtsextremismus | RFJ

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